Georg Thieme Verlag KG

Reaktion auf Plusminus-Bericht zur Hygiene im Krankenhaus„Weder nachvollziehbar noch haltbar“

Die Mehrheit der deutschen Kliniken fällt laut Correctiv und des ARD-Magazins Plusminus bei Hygienefragen durch. In der Krankenhausszene sorgt dieses Rechercheergebnis für heftige Reaktionen.

Foto: kma-Montage/ARD/CORRECTIV

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft, der Verband der Leitenden Krankenhausärzte Deutschlands, Gesundheitsämter und Vertreter der betroffenen Kliniken weisen die Zahlen als veraltet zurück und kritisieren die Systematik der Untersuchung. Thomas Reumann, Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), erklärt: „Die Daten sind veraltet. Zudem bewertet Plusminus nicht nach den gesetzlichen Vorgaben, sondern nach offensichtlich selbst gesetzten Kriterien.“ Größter Kritikpunkt der Krankenhäuser ist, dass sich besagter Medienbericht auf das Jahr 2014 bezieht – zu einem Zeitpunkt, als ein Hygieneförderprogramm von insgesamt 460 Millionen Euro gerade erst angelaufen sei. Die meisten in den vergangenen drei Jahren aufgelegten Weiterbildungsprogramme für Hygienefachärzte zeigten längst Wirkung, moniert auch Michael A. Weber, Vizepräsident des Verbands der Leitenden Krankenhausärzte (VLK). "Es einsteht der Eindruck der bewussten Irreführung, die erneut die Betroffenen verunsichert und nicht zu einer Lösung in dieser sehr wichtigen Thematik beiträgt."

DKG-CHef Reumann bemängelt weiter: So würden Krankenhäuser heute als mangelhaft bewertet, weil sie 2014 im Qualitätsbericht nicht gemeldet hätten, ob sie einen Hygienebeauftragten in der Pflege hatten. Plusminus verschweige bei dieser Klassifizierung allerdings, dass die Information im Qualitätsbericht nicht notwendig gewesen sei. Die tatsächliche Quote bei den Hygienefachkräften in der Pflege werde somit von Plusminus nicht richtig erfasst, so Reumann. Grundsätzlich gebe es in Deutschland im weltweiten Vergleich keine Auffälligkeiten bei den Infektionen habe. Die MRSA-Fälle seien rückläufig und lägen unter dem europäischen Durchschnitt. Neben Maßnahmen wie der Aktion „Saubere Hände“ oder der NRW-Kampagne „Keine Keime“ zeige laut dem DKG-Präsidenten auch die verbesserte Personalausstattung, dass man den Kampf gegen Keime ernst nehme. So habe sich die Anzahl der Krankenhaushygieniker seit 2010 fast verdoppelt, bei den Hygienefachkräften in der Pflege sei laut Reumann bis 2015 eine Steigerung von 23 Prozent erreicht worden.

 

Kliniken: Seit 2014 hat sich viel getan

Viele Kliniken haben sich mittlerweile zu den Vorwürfen geäußert - hier eine kleine Auswahl: Dass sich seit dem Jahr 2014 in Sachen Krankenhaushygiene viel geändert habe, unterstreicht  Christina Selzer, die Sprecherin der Bremer Gesundheitssenatorin gegenüber Radio Bremen. Kliniken, die in dem Bericht bestimmte Kriterien nicht erfüllt hätten, würden dies inzwischen tun. So erklärte das Klinikum Bremerhaven-Reinkenheide in einer Pressemitteilung, dass es inzwischen "hervorragende Hygiene-Bedingungen" vorweisen könne. Statt eines externen Krankenhaus-Hygienikers, wie er 2014 ausgewiesen war, gebe es nun eine angestellte Fachkraft, hinzu kämen zehn hygiene-beauftragte Ärzte. Martin Eikenberg vom Hygiene-Institut des Klinikverbundes Gesundheit Nord sagte ebenfalls, dass er mehrere Häuser kenne, bei denen die Hygiene-Qualität heute stimme, auch wenn sie im Bericht durchgefallen seien. Das Klinikum Saarbrücken hat sich ebenfalls kritisch zu den zu angeblichen Mängeln geäußert: „Aus uns nicht nachvollziehbaren Gründen wird daraus abgeleitet, dass die Hygienekriterien nicht erfüllt sind, falls ein Krankenhaus einen Krankenhaushygieniker als extern eingestellt habe.“ Das sei nicht der Fall. Der durch das ARD-Magazin „Plusminus“ abgeleitete Mangel in Form einer vermeintlichen Nichterfüllung gesetzlicher Vorschriften sei aus Sicht der Klinik damit „weder nachvollziehbar noch haltbar“.

Bitte loggen Sie sich ein, um einen neuen Kommentar zu verfassen oder einen bestehenden Kommentar zu melden.

Jetzt einloggen

  • Derzeit sind noch keine Kommentare vorhanden. Schreiben Sie den ersten Kommentar!