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UnternehmensentwicklungWelche Rolle spielt Digitalisierung in Veränderungsprozessen im Krankenhaus?

Was macht Change Management erfolgreich?

Bei all diesen Veränderungsprozessen, und das gilt insbesondere auch für die Digitalisierung, ist es wichtig, die Menschen mitzunehmen und sie zu informieren. Wo möchte man eigentlich hin? Wieso macht man das und was kann es für das Unternehmen und den einzelnen Mitarbeiter bedeuten? Die Digitalisierung ist hier für viele noch neu. Alle hören zwar davon, aber nicht alle haben die damit zusammenhängenden Veränderungen schon greifbar vor sich gehabt. Hier müssen Hürden durch gute Kommunikation überwunden werden. Change Management braucht hier eine enge Begleitung und man muss den Menschen ein klares Ziel mitgeben, das sie verstehen und mittragen, und auf das sie sich fokussieren können.

Die Wichtigkeit von Zielvorgaben sehen wir auch in Beratungsprojekten, wenn es um die Neuorganisation und um die Weiterentwicklung von Unternehmen geht. Die Kommunikation sollte kontinuierlich geführt werden, auch wenn es einmal nicht so viel Neues zu berichten gibt. Auf jeden Fall sollte man regelmäßig dafür sorgen, dass die Menschen wissen, wo sie in diesem Prozess stehen, wo das Ganze hinführen soll und was es für sie selbst bedeutet.

Sind das Vorgehen und die Entwicklung anders als in anderen Branchen?

Wir unterstützen mit spezialisierten Teams auch Unternehmen in der Industrie. Interessanterweise kann man hier eigentlich sehr viel transportieren und zwischen den Branchen transferieren und anwenden. Das Krankenhaus ist aber dann doch etwas speziell, weil es klassisch aus einer Expertenorganisation kommt. Hier steckt viel Wissen in den Köpfen und es gibt viel Handarbeit. Wie gehen die Leute mit den Themen um, wie schätzen sie Patienten ein, wie schätzen sie den Handlungsbedarf ein? In der Industrie ist häufig bereits viel mehr standardisiert.

Es ist auch allgemein akzeptiert, dass Abläufe standardisierbar sind. Im Krankenhaus hingegen besteht meistens der Anspruch, dass es viel mehr Freiheit geben muss. Allerdings ist dies sicher auch eine Generationenfrage und davon abhängig, welchen Nutzen wiederum die Digitalisierung selbst bietet. Es ist, denke ich, inzwischen schon allgemein anerkannt, dass Assistenzsysteme in der Diagnosefindung, beispielsweise in der Radiologie, sehr gut unterstützen können und sich auch weiter durchsetzen werden. Das sind Themen, die ursprünglich aus der Industrie kommen. Anderes Beispiel aus der Logistik. Die Automobilindustrie ist schon immer das Paradebeispiel für die Logistik.

Da muss ich nicht mehr den einzelnen Auftrag schreiben, prüfen und schauen, ob die Ware richtig angekommen ist. Die Prozesskette steht hier soweit, dass einfach klar ist, dass der Lieferant im Interesse des Unternehmens so liefert, dass es zero defect gibt. Wenn die Bereitschaft da wäre, wäre dies im Krankenhaus auch möglich. Hier wäre noch viel mehr übertragbar. Häufig wollen die Menschen dann aber erst einmal sehen, dass es woanders schon geklappt hat. Das klassische Thema der Innovation steht hier im Vordergrund, nämlich First Mover oder Follower? Hier wäre es schön, wenn es im Gesundheitswesen mehr First Mover gäbe.

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