Ausstattung wie im Luxushotel

Wie Kliniken den gestiegenen Ansprüchen gerecht werden

Der Aufenthalt in einem Krankenhaus erzeugt bei den meisten Menschen Unbehagen. Immer häufiger investieren Kliniken deshalb in neue Möbel, schicke Bäder, Entertainmentsysteme und Lichtdesign.

Krankenhausbett von Hersteller Stiegelmeyer

Foto: Stiegelmeyer

Entscheidend für eine erfolgreiche Genesung ist, dass der Patient so schnell wie möglich wieder aufrecht sitzen und stehen kann.

Dusche, Hersteller Kaldewei

Foto: Kaldewei

Stahl-Emaille ist pflegeleicht, da Schmutz und Bakterien auf der Oberfläche weniger haften bleiben.

Entertainmentsystem von Telekom im Krankenhaus

Foto: Telekom Healthcare Solutions

Patienten aktivieren Entertain for Hospitals mit Hilfe einer Chipkarte, über die der Service abgerechnet wird.

Die meiste Zeit im Krankenhaus bedeutet vor allem eins: Warten. Warten auf die Schwester, auf die Medizin, auf das Essen. Besonders belastend kann das Warten vor bestimmten Untersuchungen und ungewissen Diagnosen sein. Dieser Stressfaktor kann durch verschiedene Einflüsse reduziert werden: So viel Tageslicht wie möglich, inspirierende Formen und Materialien sowie gezielt eingesetzte Kunstlichtquellen können dazu beitragen, dass ausgeglichene Kinder und Erwachsene von entspanntem Personal untersucht und behandelt werden.

Das MediClin Zentrum für Psychische Gesundheit Donaueschingen setzt deshalb jetzt auf einen innovativen Therapieansatz und versucht Licht gezielt in die Behandlung von Depressionen einzubinden. "Den Anstoß für die innovative Lichttherapie gab die aktuelle Forschung", erklärt Björn Grossmann, Chefarzt des MediClin Zentrums für Psychische Gesundheit Donaueschingen. "Eine japanische Studie erzielte mit der Lichttherapie in Kombination mit Wachtherapie und Schlafphasenvorverlagerung hohe Erfolgsraten bei Patienten mit Depressionen, die auf eine medikamentöse Behandlung nur unzureichend ansprachen."

Grossmann und sein Team griffen inspiriert durch die Studie das Konzept auf. Sie wollen die nachgewiesene Wirkung des Lichts für ihre Patienten nutzen und therapieunterstützend bei der Behandlung von Depressionen unterschiedlicher Ausprägung einsetzen. Im Fokus steht dabei nicht nur die saisonale Depression, sondern auch die positive Wirkung auf andere Formen depressiver, allgemein affektiver Störungen.

 

Komplexe Lösung, einfache Steuerung
Notwendig war als erster Schritt die Planung und Installation einer entsprechenden Beleuchtungsanlage. Denn für die Lichttherapie müssen bestimmte Lichtstärken und -temperaturen nach Therapieplan eingestellt werden können. Die Lichttherapie beginnt am ersten Tag mit einer Wachphase in der Nacht. Dann folgt ab dem zweiten Tag eine Schlafphasenverschiebung. Zunächst schläft der Patient von 17 bis 24 Uhr. Danach wird die Schlafphase täglich um zwei Stunden nach hinten verschoben, bis sie schließlich am sechsten Tag in einem normalen Tag-Nacht-Rhythmus mit einer Schlafphase von 23 bis 6 Uhr mündet. Durch diese Behandlung erfolgt zwar keine endgültige Genesung, in vielen Fällen stellt sich aber sehr schnell eine deutliche Zustandsverbesserung der Patienten ein. Ein weiterer Vorteil: Kontraindikationen gibt es kaum, Nebenwirkungen sind äußerst selten und meist nur ganz geringfügig. "Die Beleuchtung sollte circadian, also dem Licht im Tagesverlauf nachempfunden sein", fasst Grossmann zusammen und fügt hinzu: "Gleichzeitig müssen wir zu jeder Zeit – auch nachts – ein bestimmtes "Tageslichtszenario" abrufen können. Und natürlich sollte das Ganze für Ärzte und medizinisches Personal einfach zu bedienen sein."

Um das Lichtkonzept umzusetzen, arbeitete das MediClin Zentrum mit Trilux zusammen. Der Leuchtenspezialist aus Arnsberg kombiniert das Wissen um Licht und Technik mit der Erfahrung um OPs, Intensivstationen und Krankenzimmer. Gemeinsam mit Ärzten und Pflegern entwickelt das Team maßgeschneiderte Lösungen für den medizinischen Sektor, von der Planung der Räume bis hin zur Beleuchtung. In Donaueschingen war es die Aufgabe der Lichtexperten im Einklang mit der Architektur Leuchtdichten und Fläche zueinander in eine stimmungsvolle Beziehung zu setzen und harmonische Raumbezüge zu schaffen und durch Stehleuchten, Wand- und Tischleuchten zu ergänzen.

 

Aufenthaltsdauer deutlich reduziert
Rund 19,2 Millionen Patienten wurden 2015 in deutschen Krankenhäusern stationär behandelt, hat das Statistische Bundesamt (Destatis) ausgerechnet. Insgesamt 498.000 Betten standen in den 1.953 Krankenhäusern dafür zur Verfügung. Durchschnittlich 7,4 Tage dauerte im vergangenen Jahr dabei ein stationärer Krankenhausaufenthalt, vor gut zwanzig Jahren war der Aufenthalt noch doppelt so lang. Das hat Konsequenten: Während Krankenhausbetten früher nur Liegekomfort boten, sind sie heute hochtechnisiert und können weit mehr, als nur für gesunden Schlaf zu sorgen. Moderne Klinikbetten werden von Pflegekräften mittlerweile individuell schnell und flexibel angepasst, so dass sie stets auf die Körpergröße der jeweiligen Patienten eingestellt sind. Die Liegeflächen bestehen inzwischen aus vielen einzelnen Lamellen, die sich jedem Auflagepunkt des Patientenkörpers anpassen und Druckstellen, Hautrötungen oder Dekubitus vorbeugen. Gleichzeitig ermöglichen es die elektronischen Bedienelemente an der Seite des Klinikbetts nicht nur die Position des Kopf- oder Fußteils zu verändern, sondern sogar das gesamte Bett absenken und zur Seite kippen. Eine aufrechte Liegeposition, das Hochlegen der Beine und der einfache Bodenkontakt für das Aufstehen sind dadurch kein Problem mehr.

Entscheidend ist für eine erfolgreiche Genesung aber außerdem, dass der Patient so schnell wie möglich wieder aufrecht sitzen und stehen kann. Denn Bettruhe kann an den Kräften zehren. "Für jeden Tag, den ein Patient im Bett verbringt, sind drei Tage Bewegung und Training notwendig, um wieder das alte Energieniveau zu erreichen", stellt Klinik- und Pflegebettenhersteller Stiegelmeyer fest, der mit Vertica clinic ein Mobilisierungsbett anbietet, das Patienten und Pflegekräfte optimal unterstützen soll.

 

Frühzeitige Mobilisierung
Die positive Wirkung einer frühzeitigen Mobilisierung ist wissenschaftlich durch zahlreiche Studien belegt. Patienten können dann oft eher das Krankenhaus verlassen und früher auf die Einnahme von Beruhigungs- und Schmerzmitteln verzichten.

Gleichzeitig optimieren viele Kliniken ihren Patientenservice während der Aufenthaltsdauer durch Unterhaltungsangebote. Die Telekom hat beispielsweise inzwischen Aufträge von Kliniken in ganz Deutschland gewonnen. So ermöglicht beispielweise das Klinikum Stadt Soest seinen Patienten unter anderem die Nutzung von Fernsehen, Radio, Internet, Telefonie, Spielen, Video on Demand, Hörbüchern oder Sky über Flachbildschirme. Das St. Vincenz Hospital Dinslaken und das Schwarzwald-Baar Klinikum Villingen-Schwenningen sind weitere Häuser, in denen das System eingesetzt wird. Insgesamt sind deutschlandweit bereits rund 3.000 Betten mit Entertain for Hospitals ausgestattet. "Ein umfassender Service – vergleichbar mit dem in einem Hotel – wird im Wettbewerb zwischen den Krankenhäusern neben einer guten medizinischen Versorgung immer wichtiger", fasst Arndt Lorenz, Geschäftsführer Vertrieb und Marketing Telekom Healthcare Solutions die veränderten Anforderungen zusammen.

"Bei unseren Patienten kommen die Unterhaltungsmöglichkeiten von Entertain for Hospitals sehr gut an. Auch aus Sicht der IT bietet die Lösung viele Vorteile und verspricht langfristig eine weitgehende Kostenneutralität", sagt Dirk Saphörster, Leiter IT, Klinikum Stadt Soest.

Patienten aktivieren Entertain for Hospitals mit einer Chipkarte. Über diese wird der Service abgerechnet. Alle Leistungen können vom Patienten selbständig am Bett gebucht und auch wieder abgewählt werden. Je nach Ausbaustufe können Kliniken Entertain for Hospitals zudem in das vorhandene Krankenhausinformationssystem einbinden. So können Patienten für sie freigeschaltete Aufklärungsbögen einsehen, ihre Terminübersicht verwalten oder auch ihr Essen am Bett auswählen.

Auch die Badezimmer in Kliniken, haben sich nicht nur in ihrer Anmutung gestiegenen Ansprüchen angepasst und verändert. Sie müssen speziellen Hygieneanforderungen genügen, da sich jedes Jahr immer noch rund 800.000 Menschen mit Krankenhauskeimen infizieren, so die Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene. Einer der Hauptrisikofaktoren: Das Patientenbadezimmer. Bei mangelnder Hygiene wird gerade der Nassbereich schnell zum Nährboden für gefährliche Keime und Bakterien.

Moderne Duschen tragen dem Rechnung. So liefern einige Anbieter heute Duschflächen und Waschbecken aus Stahl-Emaille. Das Material ist pflegeleicht, da Schmutz und Bakterien auf der Oberfläche weniger haften bleiben. Außerdem ist es widerstandsfähiger als andere Materialien wie etwa Keramik, da auf der Oberfläche selbst bei häufigem Reinigen keine Kratzer entstehen. Im Rahmen einer aktuellen Studie hat das Centrum für Krankenhausmanagement beispielsweise die bodenebene emaillierte Duschfläche Kaldewei Xetis mit gängigen Duschsystemen untersucht und verglichen. Dabei lies sich die emaillierte Kaldewei-Duschfläche schnell und, einfach rückstandsfrei reinigen. Sie erfüllt, so Klaus-Dieter Zastrow, Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH), die Anforderungen der Krankenhaushygiene und Infektionsprävention in vollem Umfang und ist somit für Krankenhausbetriebe und Pflegeeinrichtungen absolut empfehlenswert.

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