kma Online
Belastung

Zu wenig Zeit für Patienten durch hohen Bürokratieaufwand

Kaum eine Branche in Deutschland ist so stark reglementiert wie das Gesundheitswesen. Bis zu drei Stunden täglich befassen sich Ärzte inzwischen mit dem Ausfüllen von Formularen oder der Dokumentation  ihrer  Arbeit.

Schreibtisch mit Papierbergen

Fotolia (Yarochkin)

Viele Ärzte arbeiten täglich mehrere Stunden daran, Papiere und Formulare auszufüllen.

Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle Studie der Initiative gesundheitswirtschaft rhein-main. „Der kleinteilige Regulierungswille der Politik zeigt sich besonders ausgeprägt bei der Diskussion über  Qualität und Personal, aber auch bei Kontrollen durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK). Die Flut von Vorschriften muss ein Ende haben“, erklärt Florian Gerster, Vorsitzender der Initiative  Gesundheitswirtschaft Rhein-Main (gwrm). Die anhaltende Diskussion über Kontrollen, Sanktionen und  Mengenbegrenzungen war der Auslöser für diese Studie. Die Ergebnisse waren eindeutig. Die Zahl der Vorschriften und Regeln haben aus Sicht der Befragten in den vergangenen Jahren spürbar zugenommen. 

Als Irrweg bezeichnen viele der Befragten die Absicht, Qualität durch eine Flu  von Kontrollen, Sanktionen, Mengenbegrenzungen und Vergütungsabschlägen erzielen zu wollen. Damit fördere die Politik anstelle der  gewünschten besseren Qualität und Spezialisierung eher Gleichmacherei und Mittelmaß. Das sei auch nicht im Sinne der Patienten. Gute Leistung werde auf diese Weise bestraft. „Nicht Sanktionen, sondern  Transparenz und Handlungsfreiräume führen zu einem funktionierenden Qualitätswettbewerb“, schlussfolgert Gerster.

Regulierungsdichte sei ausgeufert

Ein Team des Instituts for Health Care Business GmbH um den Gesundheitsökonomen Professor Dr. Boris  Augurzky wertete im Sommer und Herbst 2017 zahlreiche Dokumente aus, wälzte Gesetzesbücher und  befragte rund zwei Dutzend leitende Ärzte und Gesundheitsmanager aus Praxen, Rehakliniken, Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern der Rhein-Main-Region und aus anderen Teilen Deutschlands. Die  überwiegende Meinung: Die Regulierungsdichte im Gesundheitssystem sei ausgeufert. Manche Ärzte kümmerten sich bis zu drei Stunden täglich um Formulare anstatt um ihre Patienten.

Ursachen seien unter anderem zu viele Detailkontrollen des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen,  neue Auflagen bei der Entlassung von Patienten, die schleppende Entwicklung der Digitalisierung in  Deutschland, geplante Vorgaben für die Anzahl von Mitarbeitern im Pflegedienst, überhöhte Anforderungen bei der Zertifizierung und Dokumentation sowie Reibungsverluste an den Sektoren-grenzen ambulant-stationär, notierten die Wissenschaftler.

Leistungserbringer können an vielen Stellen zur Entbürokratisierung beitragen, zum Beispiel durch schlankere Prozesse, Investitionen in digitale Technologien, den Einsatz von Dokumentationsassistenten,  den Ausbau sektorübergreifender Versorgungsangebote und die Harmonisierung von IT-Systemen.

  • Schlagwörter:
  • Bürokratie
  • Initiative gesundheitswirtschaft rhein-main
  • Institut for Health Care Business

Kommentare (0)

Kommentar hinzufügen

Um einen Kommentar hinzuzufügen melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich.

Jetzt anmelden/registrieren