Krank durch das Krankenhaus

2,6 Millionen Infektionen in Europa

In den Kliniken Europas sterben laut einer neuen Studie hochgerechnet 91.000 Patienten pro Jahr an Krankenhausinfektionen.

Multiresistente Enterobakterien in der Petrischale

Foto: IMMIH, Köln/Hamprecht

Multiresistente Enterobakterien in der Petrischale

Die Forscher gehen von insgesamt 2,6 Millionen Infektionen aus, die sich Patienten erst in einer Klinik zuzogen. Zu den häufigsten Krankenhausinfektionen gehören Lungenentzündungen, Sepsis (Blutvergiftung), Harnwegs- und Wundinfektionen, wie die Forscher im Fachblatt „Plos Medicine“ berichten. Für Deutschland schätzt Petra Gastmeier, Direktorin des Nationalen Referenzzentrums zur Überwachung von Krankenhausinfektionen an der Berliner Charité, die Zahl der Krankenhausinfektionen pro Jahr auf rund 500.000. Dadurch komme es laut ihrer Schätzung zu rund 15.000 Todesfällen. Ein Drittel der Krankenhausinfektionen gilt als vermeidbar - zum Beispiel durch bessere Hygiene. Für ihre Studie haben die Forscher um Alessandro Cassini vom Europäischen Zentrum für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC) vor allem auf Daten dieses Zentrums zurückgegriffen. Sie wurden in 30 europäischen Ländern mit insgesamt 510 Millionen Einwohnern erhoben. Auch Deutschland lieferte seine Zahlen zu. Als Basis für die Auswertung dienten die Daten von rund 274.000 Patienten in rund 1.150 Akutkrankenhäusern. Bei den Hochrechnungen wurden Krankenhausinfektionen, die durch multiresistente Erreger ausgelöst wurden, bewusst nicht separat ausgewiesen. Sie sind in die Gesamtzahl eingeflossen. In der Studie seien 85 bis 90 Prozent der in den 30 Ländern vorkommenden Krankenhausinfektionen erfasst worden, sagt Expertin Gastmeier.

In Deutschland bekommen rund 3,5 Prozent der Patienten auf Allgemeinstationen eine Krankenhausinfektion, 15 Prozent auf Intensivstationen. Zwischen 1.000 und 4.000 Todesfälle gehen in Deutschland pro Jahr auf das Konto multiresistenter Erreger. Möglichkeiten zur Vermeidung von solchen Infektionen sieht Gastmeier vor allem bei der Antibiotika-Verordnung. „Da könnten wir sparen, vor allem im ambulanten Bereich“, sagt die Expertin. So sollten möglichst keine Breitspektrum-Präparate verordnet werden. Unklar sei aber, welchen Einfluss die Belastung mit Antibiotika heute durch Umwelt, Lebensmittel und auch Reisen habe.

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