Georg Thieme Verlag KG

Serie5 Fragen an Dr. Christina Jochim

Körperliche und psychische Gesundheit werden häufig getrennt betrachtet. Dr. Christina Jochim, Psychologische Psychotherapeutin und Psychoonkologin bei Vivantes und Vorstandsmitglied der Deutschen Psychotherapeuten Vereinigung, fordert ein Umdenken und ein Gesundheitssystem ohne Stigmatisierung.

Dr. Christina Jochim
Vivantes/Composed by Thieme

Dr. Christina Jochim, Psychologische Psychotherapeutin und Psychoonkologin bei Vivantes.

Was macht Ihren Beruf zu Ihrer Berufung?

Als Psychologin und Psychotherapeutin fasziniert mich immer wieder menschliches Erleben und Verhalten. Dieses Wissen einzusetzen, um das Leben von Menschen zu verbessern, ist für mich Beruf und Berufung zugleich. Psychische Gesundheit ist für mich ein Schlüsselelement unserer Gesellschaft.

Wann und wie wurde Ihr Interesse an der Gesundheitsbranche geweckt?

Im Studium hatte mich zunächst die Wirtschaftspsychologie interessiert. Erst durch ein klinisches Praktikum entdeckte ich das Potential von Psychotherapie. Seitdem lässt sie mich nicht mehr los. Deshalb setzte ich mich mit der Deutschen Psychotherapeuten Vereinigung für gute Rahmenbedingungen von Psychotherapie ein. Dabei finde ich die Kombination aus berufspolitischem Engagement und meiner Arbeit in der stationären und ambulanten Versorgung an der Basis besonders fruchtbar.

Was muss sich in der Gesundheitsbranche ändern und warum?

Wir haben bereits ein Gesundheitssystem, um das uns andere Länder beneiden. Doch der zunehmende Effizienz- und Finanzdruck schlägt sich nieder in schwindenden Ressourcen in Form von immer weniger Zeit für Patient*innen. Das darf nicht sein. Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht. Wir verlieren an den Kliniken hochkompetente Fachkräfte, weil diese nicht mehr bei dem Effizienzdruck mitmachen wollen. Das sollten wir ändern.

Wie stellen Sie sich Ihren Beruf in 20 Jahren vor?

Psychotherapie ist heute schon ein selbstverständlicher Baustein in evidenzbasierten Behandlungsleitlinien. Dass sich das auch in der Anzahl von Stellen für Psychotherapeut*innen abbildet, darauf warte ich noch. Doch ich hoffe, dass ich hierfür keine 20 Jahre warten muss. Auch wünsche ich mir ein entstigmatisierendes Gesundheitssystem, das psychischer Gesundheit den gleichen Stellenwert beimisst wie körperlicher Gesundheit. Denn diese Trennung ist künstlich.

Was darf für einen erfolgreichen Tag nicht fehlen?

„Eat the frog“-Prinzip: Schwierigste Aufgabe zuerst erledigen; der Rest ist die Kirsche oben drauf. Und eine gepflegte Pause.

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