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Unfallchirurgie5-Punkte-Plan 2.0 zur Behandlung von Kriegsverletzten

Im Rahmen der 4. Notfallkonferenz der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie e.V. (DGU) wurde der 5-Punkte-Plan 2.0 zur Versorgung von Verletzten in Kriegs-, Terror- und Katastrophensituationen vorgestellt.

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Symbolfoto

Unfallchirurgen und Ärzte der Bundeswehr haben am 13. Mai 2022 bei einem Pressegespräch über erforderliche Maßnahmen zur Sicherung der medizinischen Versorgung in vielfältigen Kriegs-, Krisen- und Katastrophenfällen gesprochen, auch mit Blick auf die aktuelle Lage in der Ukraine. Anlass ist die 4. Notfallkonferenz der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie(DGU) in Kooperation mit dem Sanitätsdienst der Bundeswehr und der Deutschen Gesellschaft für Wehrmedizin und Wehrpharmazie (DGWMP) an der Helmut-Schmidt-Universität der Bundeswehr in Hamburg.

Kernpunkte sind eine strukturierte Bevorratung in Krankenhäusern und die systematische Einbindung politischer Entscheidungsträger in bestehende Netzwerkstrukturen. „Die Menschen erwarten, dass auch in einer Extremsituation jeder in Not geratene Mensch die erforderliche schnelle medizinische Hilfe erhält. Deshalb müssen wir uns auf unterschiedlichste Gefahrensituationen vorbereiten und haben dafür einen neuen 5-Punkte-Plan 2.0 entwickelt, mit anstehenden taktischen Schritten für die nächsten Jahre“, sagt DGU-Präsident Prof. Dr. Benedikt Friemert beim Kongress.

Situationsgerecht und auf hohem Niveau versorgen

Der Ukraine-Krieg zeigt die zunehmende Bedeutung einer funktionierenden zivil-militärischen Zusammenarbeit, wenn es um die medizinische Versorgung von Kriegsverletzten geht. Seit Beginn des Kriegs wurden die bestehenden Strukturen des TraumaNetzwerks DGU an die aktuellen Anforderungen angepasst, um Kriegsverletzte in der zu erwartenden größeren Zahl auch in Deutschland bestmöglich behandeln zu können.

Mit dem neuen 5-Punkte-Plan 2.0, der in der DGU-Arbeitsgemeinschaft für Einsatz-, Katastrophen- und Taktische Chirurgie (AG EKTC) entwickelt wurde, werden taktische Schritte für die nächsten Jahre formuliert mit dem Ziel, dass Opfer von möglichen Terroranschlägen oder bei Naturkatastrophen in Deutschland zu jeder Zeit und an jedem Ort schnell und situationsgerecht auf hohem Niveau versorgt werden können.

5-Punkte-Plan 2.0 der DGU-AG EKTC zur medizinischen Versorgung der Bevölkerung in besonderen Katastrophen und bei möglichen Terroranschlägen:

  1. Informationsveranstaltungen für nicht-medizinische Entscheidungsträger auf Bundes-, Landes- und lokaler Ebene zu den Besonderheiten eines Massenanfalls von Verletzten (MANV) und eines Massenanfalls von Verletzten bei Terrorlagen (TerrorMANV).
  2. Optimierung der interdisziplinären Erstversorgung in der Klinik bei einem MANV oder TerrorMANV mittels einer Beschreibung personeller, fachlicher und materieller Empfehlungen für die teambasierte und interdisziplinäre Erstversorgung in einer lebensbedrohlichen Einsatzlage.
  3. Etablierung einer Personenzertifizierung für den Themenkomplex „umfängliche Traumachirurgie“: Entwicklung eines Aus- und Weiterbildungskonzepts für Ärzte zur Vertiefung der Traumaversorgungskompetenz für den einzelnen Verletzten und die Verletzten im Rahmen eines MANV oder TerrorMANV.
  4. Sicherheit an und in der Klinik: Erarbeiten von Empfehlungen und praktischen Maßnahmen zur Verbesserung der aktiven und passiven Sicherheit in Krankenhäusern und medizinischen Einrichtungen bei einem TerrorMANV.
  5. Weitergehende Empfehlungen für den Terror-, Katastrophen- und Verteidigungsfall, wie das Erstellen einer Kapazitätsanalyse und Behandlungsempfehlungen für die innerklinische Katastrophenmedizin sowie einer Simulation zum Abgleich zwischen Behandlungsempfehlungen und -kapazitäten.

Finanzierung noch offen

Eine wichtige Aufgabe für die Zukunft besteht in der Klärung, wie notwendige kostenintensive Bevorratung und Notfallübungen finanziert werden. „Die notwendigen Strukturanpassungen mit einem Ad-hoc-Hochfahren der Versorgungsstrukturen in Form von Sachmitteln, Personal und Ausstattung können keinesfalls von den Kliniken aus dem laufenden Budget finanziert werden“, sagt DGU-Generalsekretär Prof. Dr. Dietmar Pennig. „Wir fordern von Politik und Kostenträgern die Bereitstellung von Mitteln entsprechender Größenordnung, um die berechtigten Erwartungen der Bevölkerung in Bezug auf die Daseinsfürsorge zu ermöglichen und das Vertrauen in die medizinische Versorgung sowie die politischen Entscheidungsträger zu rechtfertigen.“

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