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UkraineTraumaNetzwerk DGU unterstützt Versorgung Kriegsverletzter

Die Vorbereitungen für die Aufnahme erster kriegsverletzter Patientinnen und Patienten aus der Ukraine zur medizinischen Behandlung in Deutschland laufen. Das TraumaNetzwerk der DGU steht mit seinen Versorgungsstrukturen zur Seite.

Ärzteteam
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Symbolfoto

Aktuell laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren, die ersten kriegsverletzten Patientinnen und Patienten aus der Ukraine zur medizinischen Behandlung nach Deutschland einzufliegen. Die Verletzten wurden vom ukrainischen Zivilschutz ausgewählt und hier bereits den Kliniken des TraumaNetzwerks der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) zugeordnet.

Zentrale Verteilung über das Kleeblatt-Prinzip

„Innerhalb des Netzwerks ist eine medizinisch sinnvolle Verteilung schwerverletzter Patienten in geeignete Krankenhäuser unkompliziert binnen kürzester Zeit möglich. Wir haben die Strukturen in vielen Jahren aufgebaut und immer wieder erweitert, auch auf die Thematik schwerer Verletzungen bei Terroranschlägen. Jetzt stellen wir uns auf die Versorgung von Kriegsopfern ein“, sagt DGU-Präsident Prof. Dr. Benedikt Friemert.

Künftig ist mit einer vermehrten Anzahl Kriegsverletzter aus der Ukraine zu rechnen. Grundsätzlich soll die zentrale Verteilung von Verletzten aus dem Ukraine-Krieg über das Kleeblatt-Prinzip der Länder erfolgen, das für Covid-19 aufgebaut wurde. In die Verteilung werden nun die Unfallchirurgen aus dem TraumaNetzwerk DGU professionell als Berater eingebunden, um den Schweregrad der Verwundung zu beurteilen. Darüber hinaus können sie eine Einschätzung der notwendigen Versorgungsressourcen vornehmen und Verletzte innerhalb des Netzwerks schnell und systematisch Krankenhäusern mit geeigneten Kapazitäten und Spezialisten zuordnen.

Kriegsverletzungen benötigen spezielle Behandlungen

Welche Aufgaben auf die Unfallchirurgen zukommen, erläutert Benedikt Friemert, der in die Zuordnung der ersten Schwerverletzten eingebunden war: „In einem ersten Schritt haben wir beraten, welcher Patient in einem lokalen oder regionalen Zentrum behandelt werden kann. Hierbei musste darauf geachtet werden, die Kapazitäten der überregionalen Zentren für schwerste Fälle zu erhalten. Zudem ging es um die Beurteilung, wer aufgrund der Komplexität der Verwundung dringend in ein Zentrum der Maximalversorgung muss. Auch welche spezielle chirurgische Fachrichtung im behandelnden Krankenhaus vorhanden sein muss, spielte eine Rolle.“

Als Klinischer Direktor für Unfallchirurgie und Orthopädie, Septische und Rekonstruktive Chirurgie sowie Sporttraumatologie am Bundeswehrkrankenhaus Ulm verfügt Benedikt Friemert über umfangreiche Erfahrung bei der Behandlung von Kriegsverletzungen. „Beispielsweise unterscheidet sich eine durch eine Bombenexplosion entstandene Brandverletzung wesentlich von der Brandverletzung bei einem Haus- oder Fahrzeugbrand. Davon abhängig ist auch die Auswahl eines speziell dafür ausgestatteten Krankenhausbetts, das gelingt nur mit Expertenwissen“, sagt Friemert. Um Ärzte und Ärztinnen für die Behandlung von Schuss- und Explosionsverletzungen zu schulen, bietet die Sektion Einsatz-, Katastrophen- und Taktische Chirurgie (EKTC) der DGU verschiedene Kurse an.

Strukturen des Kleeblatt-Prinzips müssen Unfallchirurgie miteinbeziehen

Die Verteilung nach dem Kleeblatt-Prinzip hat sich in der Pandemie-Zeit gut bewährt. „Das Verteilungsprinzip macht Sinn, allerdings wurde es für eine Pandemie entwickelt und muss nun für die Behandlung Kriegsverletzter angepasst werden. Dafür braucht es die Strukturen der Unfallchirurgie. In den Bundesländern Berlin und Brandenburg werden die Unfallchirurgen bereits fest in die Koordination mit eingebunden“, sagt Prof. Dr. Gerrit Matthes, Leiter der DGU-Sektion Notfall-, Intensivmedizin und Schwerverletztenversorgung (NIS) und Bundeslandmoderator der TraumaNetzwerke Brandenburg. In einigen Bundesländern, wie Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg sind Bundesland-Verantwortliche des Netzwerks für die Koordination der ukrainischen Kriegsverletzten zuständig und können damit die vorhandenen Strukturen vollständig nutzen.

Die TraumaNetzwerk‐Kliniken sind jederzeit bereit, ukrainische Patienten zu behandeln. Viele dieser Kliniken haben bereits angefragt, ob und wie geholfen werden kann. Die DGU hat bereits dem Botschafter der Ukraine in Deutschland, Dr. Andrij Melnyk, das Hilfeangebot unterbreitet und steht mit dem Bundesministerium für Gesundheit in engem Austausch.

Hintergrund

Deutschland verfügt mit dem TraumaNetzwerk der DGU über eine flächendeckende Versorgungsstruktur, die mehr als 650 Krankenhäuser miteinander verbindet und den elektronischen Austausch der Patientendaten ermöglicht. Das Netzwerk wurde von der Konzeption her zur Versorgung von Schwerstverletzten auch und gerade bei Massenanfällen von Verletzten geschaffen. Die 53 Netzwerke bestehen aus überregionalen, regionalen und lokalen Zentren, die durch einen Zertifizierungsprozess hinsichtlich ihrer Versorgungs- und Kommunikationsstrukturen überprüft und vertraglich miteinander verbunden worden sind. Der weitaus größte Teil der Intensivkapazität in Deutschland ist damit einbezogen. Im Mittel sind in Deutschland 14 Kliniken, das heißt acht lokale, vier regionale und zwei überregionale Zentren in einem Netzwerk organisiert.

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