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Barmer-Krankenhausreport 2022Mehr Versorgungsqualität für zehntausende Patienten

Laut dem Barmer-Krankenhausreport 2022 könnten zehntausende Patienten von mehr Qualität bei Hüft-, Knie- und Herzoperationen profitieren, wenn sie nur geringfügig längere Anfahrtszeiten zur Klinik in Kauf nehmen.

Barmer-Krankenhausreport 2022
Barmer

Die Ausgaben für Krankenhausbehandlungen sowohl bei psychischen als auch bei physischen Erkrankungen steigen seit 2010 weiterhin an.

Für den neuesten Krankenhausreport der Barmer Krankenkasse wurden für fünf Prozent der Hüft- und Knieoperationen sowie drei Prozent der Herzinfarkteingriffe geprüft, ob sie sich von Standorten mit der geringsten Routine an Kliniken mit höheren Fallzahlen verlagern lassen, in denen Ärzte und Pflegekräfte in der Regel eine höhere Expertise haben.

Exemplarisch wurden zwei Bereiche analysiert, die Endoprothetik und Osteosynthese in Form von Eingriffen an Hüfte und Knie, die aktuell an 1157 Standorten durchgeführt werden. Von den insgesamt mehr als 500 000 Knie- und Hüft-Operationen könnten bereits bei diesen niedrigen Schwellenwerten mindestens 18 000 Eingriffe an anderen Standorten durchgeführt werden, von den rund 400 000 Eingriffen am Herzen an zur Behandlung des Herzinfarkts an insgesamt 743 Standorten ließen sich über 8000 verlagern, ohne dass sich die Fahrtzeit deutlich verlängert. „Somit kann sich die Versorgung für jährlich zehntausende Patientinnen und Patienten schlagartig verbessern, ohne dass sie irgendwelche Nachteile erfahren müssen“, sagt der Barmer-Vorstandsvorsitzende Prof. Dr. Christoph Straub. „Über 99 Prozent der Bevölkerung erreichen einen Krankenhausstandort, der endoprothetische und osteosynthetische Eingriffe durchführt, in weniger als 30 Minuten. Bei den kardiologischen Eingriffen erreichen 96 Prozent der Bevölkerung den nächsten Krankenhausstandort in weniger als 30 Minuten. Die Verlagerung von Leistungen schränkt die Erreichbarkeit nur geringfügig ein und steht erwartbaren Qualitätssteigerungen in der Behandlung gegenüber“, resümiert Prof. Dr. Boris Augurzky, Leiter des Kompetenzbereichs „Gesundheit“ am RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung und einer der Autoren des Reports.

Laut Krankenhausreport könnten insbesondere in Ballungszentren in Nordrhein-Westfalen, Bayern, Hessen und den Stadtstaaten viele Eingriffe verlagert werden, weniger Potenzial besteht dagegen in Ländern mit geringerer Klinikdichte, wie Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Thüringen. „Aber auch in Ländern mit weniger Potenzial für Verlagerungen kann die Qualität der Versorgung signifikant verbessert werden“, so Straub, „die Barmer hat in ihrem 10-Punkte-Papier zur sektorenübergreifenden Versorgung einige Vorschläge gemacht, wie auch hier die Versorgung optimiert werden kann.“ Die Kasse plädiere für regionale Versorgungszentren, in denen ortsnah sowohl die ambulante Behandlung als auch die Grund- und Notfallversorgung gewährleistet sind. Komplexe chirurgische Eingriffe sollten dagegen in größeren Kliniken erfolgen, in denen die Ärzte sowie das Pflegepersonal die nötige Expertise für solche Operationen hätten.

Potenziale nutzen

„Auch vor der angestrebten Reform der Krankenhausversorgung können also bereits heute durch die konsequente Verlagerung von Operationen in Kliniken mit mehr Erfahrung und besserer Ausstattung Qualität und Patientensicherheit deutlich erhöht werden. Diese Potenziale gilt es jetzt im Sinne der Patienten konsequent zu heben. Es geht schließlich um Versorgungsqualität“, mahnt Straub. Augurzky fordert zudem, die bereits bestehenden Mindestmengenregelungen auszuweiten und die strikte Umsetzung stärker zu forcieren, „dabei entstünde in den meisten Regionen keine Gefahr für die Versorgungssicherheit.“ Bereits im Krankenhausreport aus dem Jahr 2020 konnte die Kasse nachweisen, dass die sogenannte Gelegenheitschirurgie Menschenleben gefährden kann.

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