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Universitätsmedizin MainzErste Ergebnisse der Gutenberg Covid-19-Studie veröffentlicht

Die Gutenberg Covid-19-Studie kann erste Ergebnisse vorweisen. Es besteht Optimierungsbedarf bezüglich der Einhaltung der AHA-Regeln, die Impfbereitschaft hat jedoch deutlich zugenommen. 

Gutenberg Covid-19-Studie
Peter Pulkowski/Universitätsmedizin Mainz

Gutenberg Covid-19-Studie

Die Gutenberg Covid-19-Studie, eine der größten Bevölkerungsstudien in Deutschland im Bereich der Pandemieforschung, kann erste Ergebnisse vorweisen. Eine detaillierte Darstellung der ersten Untersuchungsergebnisse zu den Auswirkungen der SARS-CoV2-Pandemie auf die Bevölkerungsgesundheit ist auf einem Dashboard online einsehbar. Wissenschaftsminister Professor Konrad Wolf und die Studienleitung schalteten das Dashboard am 2. Februar 2021 frei und ordneten die dort abgebildeten Daten und Ergebnisse vor dem Hintergrund der aktuellen Pandemiesituation ein. Das Dashboard wird im weiteren Studienverlauf kontinuierlich aktualisiert und um weitere Ergebnisse ergänzt.

Seit Oktober 2020 untersuchen Forscherteams der Universitätsmedizin Mainz, wie sich die Corona-Pandemie und die ergriffenen Maßnahmen auf die Gesundheit von rund 10 000 Probanden einer Bevölkerungsstichprobe auswirken. Ziel ist, sowohl die gesundheitlichen Effekte einer Infektion mit dem SARS-CoV-2-Virus zu erfassen, als auch, die vielfältigen Auswirkungen der Pandemie und der Maßnahmen zu deren Bekämpfung zu untersuchen. Dafür erheben die Experten umfangreiche wissenschaftliche Daten, beispielsweise zum Infektionsgeschehen oder auch zu Erfahrungen, Einstellungen und Verhalten hinsichtlich des Infektionsschutzes.

Die ersten Untersuchungsergebnisse

Für die erste Zwischenauswertung standen den Wissenschaftlern der Universitätsmedizin Mainz die Daten aus der ersten Untersuchung im Studienzentrum von bislang ca. 5450 Studienteilnehmern zur Verfügung. Die Teilnehmer im Alter von 44 bis 84 Jahren wurden per Fragebogen und im persönlichen Interview befragt, haben PCR- und Antikörper-Tests erhalten und umfangreich Biomaterial zur Verfügung gestellt. Im Verlauf der Studie erfolgt zusätzlich eine Erfassung von Informationen mittels einer Studien-App, über die die Teilnehmer neben Symptomen und ihrem Gesundheitsstatus auch Testergebnisse und den Verlauf einer Infektion dokumentieren können. Nach vier Monaten erfolgt eine Verlaufsuntersuchung. Ein großer Vorteil der Studie ist, dass die Studienteilnehmer an der bereits seit 2007 laufenden bevölkerungsbasierten Gutenberg Gesundheits-Studie der Universitätsmedizin Mainz teilnehmen und somit umfangreiche Vordaten über viele Jahre, beispielsweise zur medizinischen Vorgeschichte, von vielen klinischen und laborchemischen Untersuchungen oder auch zu Genetik oder psychosozialen Hintergründen der Probanden vorliegen.

In der aktuellen Auswertung finden sich vielfältige Erkenntnisse zur Pandemie: So zeigt sich ein deutlicher Zusammenhang zwischen Ferien, dem Reiseverhalten und der Kontakthäufigkeit. Bezüglich der Einhaltung der AHA-Regeln besteht ein Optimierungspotential in der Bevölkerung. In den letzten vier Monaten hat die Impfbereitschaft deutlich zugenommen auf ein nun hohes Maß von ca. 85 Prozent, die sich wahrscheinlich impfen lassen wollen. Die Pandemie hat einen deutlichen Einfluss auf die Gesundheitsversorgung mit potentiell negativen Spätfolgen für die Bevölkerungsgesundheit. Von besonderer Bedeutung erscheint das Testen auf SARS-CoV-2, denn eine grippale und/oder Covid-19-relevante Symptomatik findet sich sehr häufig in der Bevölkerung und ist aber zumeist nicht mit einer Infektion verbunden. In der Selbsteinschätzung zeigt sich eine körperliche und seelische Belastung der Bevölkerung, allerdings scheint der Lockdown bisher keine starken Effekte auf Ängstlichkeit und Traurigkeit zu haben. Jede 25. Person in der Bevölkerung hat Verschwörungsgedanken hinsichtlich der Pandemie. Etwas über die Hälfte der Erwerbstätigen befindet sich in unterschiedlichem Ausmaß im „Home-Office“. Das Nettoeinkommen ist bei etwa jeder 10. Person gesunken und bei jeder 14. Person gestiegen.

Die Gutenberg Covid-19-Studie wird gefördert durch den Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE), die ReALity-Initiative der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und das Nationale Forschungsnetzwerk der Universitätsmedizin.

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