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WHOInternationaler Gesundheitsnotstand wegen Coronavirus

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat nun den internationalen Notstand ausgerufen. Mehr Fälle des Coronavirus sind aufgetreten als bei Sars 2002/2003. Deutschland fliegt seine Bürger mithilfe der Luftwaffe zurück in die Heimat.

Mundschutz
Pixabay

Symbolfoto

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat die rasante Ausbreitung des neuartigen Coronavirus aus China zum internationalen Gesundheitsnotstand erklärt. Das bedeutet, dass die mehr als 190 Mitgliedsländer von der WHO empfohlene Krisenmaßnahmen gegen eine weitere Ausbreitung untereinander koordinieren.

Mehr Krankheitsfälle als bei Sars

Die Infektionen und Todesfälle erlebten bis Freitag den größten Anstieg innerhalb eines Tages. Die Zahl der Patienten in China kletterte auf 9692, wie die Gesundheitskommission in Peking berichtete. Die Zahl der Toten stieg um 42 auf 213. Außerhalb Chinas waren in rund 20 Ländern mehr als 100 Menschen positiv auf das Virus getestet worden. Darunter sind neben Deutschland auch Frankreich, Thailand, Japan, Malaysia, die USA, Finnland, Australien, Südkorea, Indien und die Philippinen. Vielfach sind die Infizierten Reisende aus China, aber es kommt auch zu neuen Ansteckungen außerhalb des Landes.

Mittlerweile sind von dem Virus mehr Menschen betroffen als vor 17 Jahren bei der Sars-Pandemie. Damals wurde das Schwere Akute Atemwegssyndrom (Sars) nach WHO-Statistiken bei 8096 Menschen nachgewiesen. Durch das neue Virus, das mit dem Sars-Erreger verwandt ist, waren bis Donnerstag 170 Menschen ums Leben gekommen. Die WHO nennt das neue Virus jetzt „2019-nCoV - akute Atemwegserkrankung“.

Sorge um Länder mit schwachem Gesundheitssystem

Noch sei die Zahl der Infektionen außerhalb Chinas relativ gering, sagte WHO-Direktor Tedros Adhanom Ghebreyesus am Donnerstagabend nach der Sitzung eines Expertenausschusses. Aber man wisse nicht, welchen Schaden das Virus in einem Land mit einem schwachen Gesundheitssystem anrichten würde. „Wir sitzen alle im selben Boot“, sagte Tedros. Das Virus könne nur gemeinsam aufgehalten werden. „Das ist die Zeit für Fakten, nicht Angst.“ Der Notstand heißt offiziell „gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite“. Die WHO empfiehlt nun unter anderem, dass Länder mit weniger entwickelten Gesundheitssystemen unterstützt werden sollen. Zudem soll die Arbeit an Medikamenten und Impfstoffen beschleunigt, Wissen und Daten geteilt und gegen Gerüchte vorgegangen werden. 

Rückholaktion mithilfe der deutschen Luftwaffe

Ein Flugzeug der Luftwaffe zur Rückholung von Deutschen ist unterwegs in die vom am stärksten betroffene chinesische Provinz Hubei. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur sollen rund 130 Menschen zurückgeholt werden - rund 90 deutsche Staatsbürger und etwa 40 Angehörige mit anderer Staatsangehörigkeit. Es gebe unter den Passagieren niemanden, der infiziert sei, und auch keine Verdachtsfälle, sagte Außenminister Heiko Maas (SPD) am Freitag in Berlin. Die Teilnahme an dem Rückholflug ist freiwillig. Nach der Landung am Flughafen Frankfurt sollen die Passagiere für die Inkubationszeit von 14 Tagen in Quarantäne kommen. Nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums ist dafür eine zentrale Unterbringung in einer Ausbildungskaserne auf dem Luftwaffenstützpunkt Germersheim in Rheinland-Pfalz vorgesehen.

Sechs Corona-Fälle in Bayern

In Bayern hat sich ein Kind nachweislich mit dem neuartigen Coronavirus angesteckt. Es handelt sich um das Kind eines infizierten Mannes. Die fünf schon bekannten Coronavirus-Patienten in Bayern sind Mitarbeiter des Autozulieferers Webasto. Alle Betroffenen befinden sich nach Angaben von Ärzten derzeit in einem stabilen gesundheitlichen Zustand, wie das Ministerium weiter mitteilte. „Die bisher ermittelten Kontaktpersonen sollen sich häuslich isolieren und sich mit Angaben zu ihrem Gesundheitsstatus fortlaufend beim Gesundheitsamt melden“, erklärte der Sprecher. Bislang hatte das Ministerium von 110 Kontaktpersonen gesprochen.

Unternehmen klammern China weitläufig aus

BMW hat seine drei Werke in der Millionenstadt Shenyang geschlossen. Der Volkswagen-Konzern setzt seine Produktion in China vorerst weiter aus. Der schwedische Autobauer Volvo verlängerte die zur chinesischen Neujahrsfest gewährte Produktionspause. Neben der Lufthansa und British Airways kündigten nun auch weitere Fluggesellschaften wie Air France, KLM, Finnair, American Airlines, SAS, die spanische Fluggesellschaft Iberia und die israelische El Al an, ihre Flüge nach China streichen. „Es ist noch deutlich zu früh, um eine seriöse Analyse über die wirtschaftlichen Auswirkungen des Corona-Virus erstellen zu können“, sagte Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). 

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