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Corona-PreiswettbewerbMaterialmangel macht Laboren zu schaffen

Die Laborbranche befindet sich seit dem Ausbruch der Pandemie in einem Teufelskreis aus steigender Materialnachfrage, fehlendem Nachschub und dem Wunsch nach mehr Bevorratung. Das lässt die Preise steigen. Im zweiten Corona-Jahr arbeiten die Labore an ihrem Limit.

Covid-19-Test
Robert Kneschke/stock.adobe.com

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Herausforderungen Stimmungsbarometer
StarLab

Versorgungsengpässe und steigende Preise bewerten die Labore als größte Herausforderungen.

Materialverbrauch Stimmungsbarometer
StarLab

Der durchschnittliche Materialbedarf/-verbrauch im Vergleich zum Jahr 2020 änderte sich laut Stimmungsbarometer nicht wesentlich.

Zu wenig Personal, Mangel an Testkapazitäten und steigender Preisdruck: Anfang 2022 dominiert die Omikron-Mutation weiterhin die Situation in jenem Teil der medizinischen Labore, die direkt in die Corona-Testung involviert sind. Noch stärker als 2021 sehen sich jedoch darüber hinaus inzwischen alle Labore mit generellen Materialengpässen, gestiegenen Preisen und ungleicher Materialverteilung konfrontiert. „Darunter leiden zum Beispiel auch jene Labore, die in der Krebs- und Demenzforschung tätig sind oder etwa im Bereich multiresistenter Keime“, sagt Klaus Ambos, Geschäftsführer des Labormaterialzulieferers Starlab International GmbH.

Mangelware Liquid-Handling-Materialien

Schutzhandschuhe, Pipetten und Co. sind für europäische Labore aktuell schwer zu bekommen. Das zeigt eine aktuelle Umfrage von Starlab unter mehr als 200 Laborkunden aus Deutschland, Österreich, Großbritannien, Italien und Frankreich. Der Mix aus hoher Nachfrage, Rohstoffknappheit und Lieferengpässen bleibt nicht ohne Folgen für die Preise. Drei Viertel aller Labore (76 Prozent) spüren bereits einen steigenden Preisdruck bei ihrer täglichen Arbeit.

„Die Preise sind im internationalen Geschäft explodiert“, so Ambos. Hinzu kämen die enorm gestiegen Kosten für die Transportlogistik. So hätte der Transport eines Containers von China nach Hamburg in Vor-Corona-Zeiten ca. 4 500 US-Dollar gekostet, sagt der Starlab-Chef. Aktuell liege der Preis für einen Container aber bei 36 000 US-Dollar. Immer häufiger leiden laut seinen Angaben unter der Preisspirale besonders solche Institute, die Grundlagenarbeit betreiben, da sie mit den durch Corona ausgelösten Preiswettbewerb nicht mithalten können.

Materialbedarf explodiert

Rund 30 Prozent der befragten Labore habe im vergangenen Jahr einen bis zu 50 Prozent höheren Materialbedarf bestätigt. „Immer wieder neue Mutationen und Corona-Wellen haben für einen enormen Nachfrageschub gesorgt. Zusätzlich zur ohnehin angespannten Lage und hohen Nachfrage hat dies bei vielen Produzenten und Händlern zu leeren Lagern geführt“, erläutert Ambos.

Getrieben wird die Entwicklung auch durch die Labore selbst. 66 Prozent der befragten Kundenlabore gab an, sich in den vergangenen Monaten verstärkt mit Material eingedeckt zu haben. Diese Hamster-Mentalität der Labore erhöht den Druck auf Nachfrage, Lieferanten und Preise zusätzlich. „Ich habe für das Verhalten der Kunden aber volles Verständnis. Wenn sie nicht wissen, wann und ob überhaupt sie wieder Material bekommen, nehmen sie, was sie kriegen können“, meint der Starlab-Geschäftsführer.

Noch im letzten Jahr waren 39 Prozent der Befragten der Meinung, ausreichend mit den benötigten Liquid-Handling-Materialien versorgt zu sein. Mittlerweile hat sich die Situation jedoch deutlich verschärft. Nur noch 23 Prozent würden dem laut jüngstem Stimmungsbarometer dieser Aussage zustimmen – was einer Halbierung gleichkommt. Ursächlich seien laut Starlab vor allem verspätete Lieferungen, die im Gegensatz zum Vorjahr (44 Prozent) mittlerweile 64 Prozent der Befragten zu schaffen machen.

Klaus Ambos: „Corona ist die größte, aber längst nicht die einzige Herausforderung, mit der Europas Labore zu kämpfen haben. Das von uns in Auftrag gegebene Stimmungsbarometer zeigt noch einmal deutlich, dass wir das gesamte Spektrum der Laborarbeit in den Blick nehmen müssen. Die Laborbranche ist nicht nur in Medizin und Forschung essentiell wichtig. Diagnostik erstreckt sich längst auf nahezu alle Lebens- und Wirtschaftsbereiche.“

Keine Verschnaufpause 2022

Nach Meinung der Experten wird sich die kritische Lage auch in 2022 weiter fortsetzen. Viele Universitäten, Kliniken, Institute, Labordienstleister und Pharmaunternehmen wollen dem vorbeugen, indem sie sich mit ausreichend Material eindecken. Laut der Starlab-Erhebung wollen die Hälfte der Labore (50 Prozent) mit Blick auf weitere Spitzen in der Zukunft Materialbestände aufbauen.

Das jedoch könnte schwierig werden, weil gleichzeitig weiterhin der Materialbedarf zunimmt. 29 Prozent erwarten in 2022 einen bis zu 25 Prozent höheren Materialbedarf, 3 Prozent sogar einen Anstieg um bis zu 50 Prozent. Die größten Herausforderungen im laufenden Jahr erwarten entsprechend 36 Prozent (Vorjahr: 49 Prozent) aufgrund von Versorgungsengpässen. 31 Prozent befürchten steigende Preise beim Verbrauchsmaterial.

Doch nicht nur beim Material gibt es Mangel, sondern auch beim Fachpersonal. 17 Prozent sehen Personalengpässe im laufenden Jahr als Hürde, 8 Prozent befürchten, dass sich die Fachkräfte überarbeiten.

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