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OP-Erfolg messenNeuer Parameter zur Qualitätsbewertung von Kliniken

Forschende der Universitätsklinika Heidelberg und Würzburg haben einen neuen Parameter entwickelt, der die Patientensicherheit nach Operationen in Kliniken erhöhen soll. Die „Risiko-standardisierte Krankenhaussterblichkeit“ könnte als Ergänzung der Mindestmengen dienen.

Operation
Universitätsklinikum Heidelberg

Der Erfolg von Operationen ist vielschichtig: Ein neuer Parameter ergänzt die vom G-BA festgelegte Mindestmengenvorgabe.

Die vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) definierten Mindestmengen der jährlich in einem Krankenhaus durchgeführten Operationen sollen ein Höchstmaß an Sicherheit und medizinischer Versorgungsqualität gewährleisten. Was sie nicht können: die Unterschiede in der Behandlungsqualität zwischen Krankenhäusern mit ähnlicher Fallzahl abbilden und eine Adjustierung an relevanten Risikofaktoren der behandelten Patienten ermöglichen.

Deshalb schlagen Forschende der Universitätsklinika Heidelberg und Würzburg jetzt eine neue Kenngröße zur Qualitätsbewertung von Krebsoperationen in Deutschland vor, die „Risiko-standardisierte Krankenhaussterblichkeit“ (Risk Standardized Mortality Rate, RSMR).

500 Millionen Patientendaten zur Analyse herangezogen

Um die chirurgische Qualität genauer zu messen, haben die Medizinerinnen und Mediziner der Thoraxklinik am Universitätsklinikum Heidelberg (UKHD) und des Viszeralonkologischen Zentrums am Universitätsklinikum Würzburg (UKW) den RSMR als Marker für die Behandlungsqualität vorgestellt. Er berücksichtigt relevante individuelle Patientenrisikofaktoren sowie die Qualität des einzelnen Krankenhauses und basiert darauf, wie viele Patientinnen oder Patienten in Folge bestimmter Operationen in einem Krankenhaus versterben. Das Risikoprofil der Behandelten bezieht der Parameter in die Berechnung mit ein.

Für ihre Analysen nutzten die Mediziner bundesweite Krankenhausabrechnungsdaten, die über das DRG-Fallpauschalensystem erhoben wurden. Insgesamt werteten die Forschenden Daten von knapp einer halben Million Patientinnen und Patienten aus ganz Deutschland aus, die zwischen Januar 2010 und Dezember 2018 im Rahmen einer Krebserkrankung operiert wurden. Anschließend verglichen sie die Ergebnisse mit dem Volumen-basierten Bewertungsmodell.

Hohe Fallzahlen führen nicht automatisch zu niedriger Patientensterblichkeit

„Die international besetzte Arbeitsgruppe zeigte, dass deutschlandweit nahezu kein Krankenhaus mit sehr niedriger Fallzahl ein sehr gutes Behandlungsergebnis erzielt, jedoch auch mindestens die Hälfte aller Kliniken mit sehr hohen Patientenfallzahlen nicht zwingend die bestmögliche Behandlungsqualität erreichen“, berichtet Professor Dr. Hauke Winter, Chefarzt der Thoraxklinik Heidelberg am Universitätsklinikum Heidelberg und Leiter der Abteilung für Thoraxchirurgie.

Dies bedeutet, dass mit hohen Fallzahlen nicht automatisch eine niedrige Patientensterblichkeit erzielt wird. Auch einige Krankenhäuser mit mittleren Fallzahlen konnten gute Operationsergebnisse erzielen. So habe sich die Festlegung der Mindestmengen und deren Bedeutung als alleiniger Qualitätsparameter für komplexe Eingriffe sich international nur teilweise durchgesetzt. Der neue Parameter berücksichtige jedoch nicht nur reine Fallzahlen, sondern die konkrete Behandlungsqualität des Krankenhauses nach Krebsoperationen.

Außerdem berechnete das Forschungsteam sämtliche Fahrtzeiten mit dem Auto zum jeweiligen Krankenhaus. Die Ergebnisse zeigen, dass viele Patientinnen und Patienten nicht automatisch in das nächstgelegene Krankenhaus fahren, sondern häufig ein weiter entferntes wählen. Gemäß dem RSMR-Parameter führen mehr Krankenhäuser eine sicherere Behandlung durch, als nach dem Mindestmengenparameter.

Dies bedeutet in der Praxis, dass in einem Zentralisierungsmodell nach RSMR mehr Krankenhäuser in Deutschland mit guten Ergebnissen existieren. Dadurch würde in einem nationalem Zentralisierungsmodell die Fahrtzeit deutlich kürzer ausfallen, wenn die Patientinnen und Patienten das Wunsch-Krankenhaus nach dem RSMR-Parameter im Vergleich zum Mindestmengen-Parameter auswählen.

Derzeit ist die aktuelle Studie auf planbare Eingriffe bei Krebspatientinnen und -patienten beschränkt, welche etwa fünf Prozent aller Operationen in Deutschland ausmachen. In weiteren Studien möchte sich das Team der Verbesserung der Patientensicherheit und der chirurgischen Qualität widmen.

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