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HandlungsbedarfSonderkommission bewertet medizinische Versorgung in MV

Eine Sonderkommission des Landtags hat sich mit der medizinischen Versorgung in Mecklenburg-Vorpommern befasst. Aus dem Abschlussbericht geht hervor, dass eine vernetztere Versorgung erforderlich ist. 

Eine Hand hält einen Stift und schreibt auf ein Prüfungsdokument.
jannoon028/stock.adobe.com
Symbolfoto

Gut ein Jahr lang hat sich eine Sonderkommission des Landtags mit der medizinischen Versorgung in Mecklenburg-Vorpommern befasst. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse sind nicht neu, räumt selbst der Vorsitzende ein. Doch wachse der Druck zu handeln - und auch die Bereitschaft. Die Enquetekommission des Landtags zur Zukunft der medizinischen Versorgung in Mecklenburg-Vorpommern drängt Regierung, Krankenkassen, Kliniken und Ärzteverbände zum Handeln.

„Es gibt kein Erkenntnisdefizit. Es geht um die Umsetzung", sagte der Kommissionsvorsitzende Jörg Heydorn (SPD) am 6. Juli 2021 in Schwerin bei der Vorstellung des knapp 200 Seiten langen Abschlussberichts. Darin empfiehlt die aus Abgeordneten und Fachleuten aus dem Medizinbereich zusammengesetzte Kommission für die kommende Legislaturperiode die Einsetzung einer Regierungskommission. Darin sollten neben den zuständigen Ressorts auch Verbände und Krankenkassen vertreten sein.

Nachholbedarf in Personalfragen, bei der Vernetzung und beim Nahverkehr

Der zunehmende Personalmangel in Arztpraxen und Kliniken und die demografische Entwicklung mit einer immer älter werdenden Bevölkerung lasse darauf schließen, dass die Probleme vor allem in ländlichen Regionen eher größer als kleiner werden. Deshalb seien neue Konzepte für eine vernetzte medizinische Versorgung erforderlich, ohne die strenge Trennung von ambulant und stationär und unter Einbeziehung der Telemedizin.

Zudem gelte es einen leistungsfähigen öffentlichen Nahverkehr sicherzustellen. Heydorn erklärt, dass etwa 20 Prozent der Bevölkerung auf Bus und Bahn angewiesen seien, wenn sie zum Arzt und von dort wieder nach Hause müssen. Als Beispiel für ein bereits gut funktionierendes System nannte Heydorn die Rufbusse im Landkreis Ludwigslust-Parchim. Schätzungen zufolge koste es lediglich fünf Millionen Euro, dieses System auf das ganze Land auszudehnen.

Ziel bleibe die Gewährleistung einer wohnortnahen und zugleich hochwertigen medizinischen Versorgung. Angesichts der dünnen Besiedlung im Nordosten, des Mangels an Fachkräften und auch wegen des hohen Kostendrucks könne strukturelle Veränderung aber nicht ausgeschlossen werden.

Alle drei bis vier Jahre soll der Versorgungsbedarf erfasst werden

In ihrem Bericht schlägt die Enquetekommission auch vor, die staatlichen Investitionen für Krankenhäuser konsequent an definierten Gesundheitszielen und den tatsächlichen Bedarfen der Patienten auszurichten. Projekte, die auf eine sektorenübergreifende Versorgung im Rahmen von Clustern abzielen, sollten besondere Förderung erhalten. Im Rhythmus von drei, maximal vier Jahren sollen alle Versorgungsbedarfe regional erfasst und mit den Angeboten abgeglichen werden. Dabei gehe es um alle medizinischen Leistungsfelder, von der allgemeinmedizinischen Versorgung bis hin zu Altenpflege, Rettungswesen und Prävention. Gerade mit Blick auf die wachsende Zahl bei Erkrankungen wie Diabetes und Fettleibigkeit müssten Aufklärung und Vorsorge gestärkt werden, forderte Heydorn.

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