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IntensivstationenStrategische Patientenverlegung über das Kleeblattkonzept

Derartige Intensivtransporte sind eine logistische Herausforderung, betont Jan-Thorsten Gräsner, „doch das kann der deutsche Rettungsdienst“. Im Alltag erledige er das zwischen benachbarten Krankenhäusern schon jetzt regelmäßig, im Kleeblatt-Fall helfen die Partner, um zusätzlich freie Transportkapazitäten zu koordinieren. Und die Kleeblatt-Planer haben ein weiteres Backup für den Worst Case vorgesehen: Im Fall der Fälle könnten die SPoC zusätzlich auf Transportmittel der Bundeswehr und auf die Deutsche Bahn zugreifen. Der Staatskonzern etwa soll für Tunneleinsätze gedachte Rettungszüge bereitstellen, die zu rollenden Intensivstationen umgebaut werden können. Zunächst war von einer Vorlaufzeit von 14 Tagen die Rede, so Gräsner, mittlerweile soll es schneller gehen. Doch noch wird abgestimmt.

Ampelsystem zur Lage

Um die Entwicklung der Belegungszahlen auf den Intensivstationen im Voraus möglichst genau abschätzen zu können, nutzen die Fachleute unter anderem ein Prognosetool, das die DIVI zusammen mit der RWTH-Aachen entwickelt hat. Die Zahl der tatsächlich betreibbaren Intensivbetten steuern das DIVI-Intensivregister und individuelle Systeme der einzelnen Bundesländer bei. Schließlich sollen Intensivpatienten nur dorthin verlegt werden, wo auch noch auf absehbare Zeit mehr freie Betten zur Verfügung stehen und die Infektionsdynamik geringer ist. Zusammen mit vorhandenen Transportkapazitäten und weiteren Faktoren ergibt sich auf regionaler, Bundes- und Landesebene ein Lagebild, das in regelmäßigen Telefonschalten und Abstimmungen der SPoC und auch der COVRIIN-Gruppe besprochen und über ein Ampelsystem dargestellt wird. Je nach Farbe wird entschieden, welche strategischen Kleeblatt-Maßnahmen aktiviert werden.

Hinter all dem stehen bundesweit rund 50 Leute, die sich in regelmäßigen Telefonschalten und bei Bedarf abstimmen, erklärt Jan-Thorsten Gräsner – die allermeisten unterstützen das Kleeblattkonzept im Ehrenamt, zusätzlich zu ihrer Klinikarbeit. Und so gerne Gräsner sich auf alles gut vorbereitet – auf eines muss sich auch der Notfallmediziner dabei einfach nur verlassen können: „Wir brauchen an dieser Stelle die Solidarität zwischen den einzelnen Krankenhäusern, die uns hilft, die bestmögliche Therapie für schwerkranke Patienten sicherzustellen – irgendwo in Deutschland, egal wo.“ Und Gräsner denkt schon weiter: „Mit diesem Konzept sind wir aufgestellt für jegliche vergleichbare Form von Krisen.“

Erschienen in kma 1-2/21  Jetzt kaufen!

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