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#DiviGateVorwürfe von Schrappe sind ein Schlag ins Gesicht

Der Ökonom Matthias Schrappe wirft der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) die Manipulation von Intensivbettenzahlen während der Corona-Krise vor. Mit einer gemeinsamen Stellungnahme setzen sich Verbände nun zur Wehr.

Intensivstation
Saengsuriya13/stock.adobe.com

Symbolfoto

Der Arzt und Ökonom Prof. Dr. Matthias Schrappe wirft der DIVI Panikmache und Manipulationen mit Blick auf die Auslastung der Intensivstationen während der Corona-Pandemie vor. In einem Interview mit der Tageszeitung die Welt erläuterte Schrappe am heutigen Dienstag seine Kritik am Verband der Intensivmediziner. Das sorgt für hitzige Diskussionen - nicht nur unter Twitternutzer*innen, die die Anschuldigungen unter dem Hashtag #Divigate debattieren.

Der Präsident des Verbands der Krankenhausdirektoren Deutschlands (VKD) Dr. Josef Düllings äußerte am heutigen Dienstag Kritik an Schrappes Ad-hoc-Stellungnahme und bezeichnete das Papier als einen „Schuss aus der Hüfte, der leider die Arbeit der Ärztinnen und Ärzte sowie Pflegefachkräfte auf den Intensivstationen in den deutschen Krankenhäusern diskreditiert.“ Die DIVI, der Marburger Bund und die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) weisen Schrappes Anschuldigungen in einer gemeinsamen Stellungnahme „aufs Schärfste zurück.“

Die Vorwürfe vom Spiel mit der Angst, von der Manipulation offizieller Statistiken und die Unterstellung, aus finanziellem Interesse Patienten intensivmedizinisch zu behandeln, lehnte das breite Bündnis der Intensivmediziner-Verbände ab. Auch die Behauptung, die Krankenhäuser hätten zu Unrecht Fördergeld für nie aufgebaute Intensivbetten kassiert, sei nicht haltbar. Demnach basierten viele der Anwürfe Schrappes auf Fehleinschätzungen und mangelnder Kenntnis der tatsächlichen Lage in Kliniken.

Betrieb der Intensivbetten-Notfallreserve

Schrappes Vorwurf, es sei Angst geschürt worden, verkenne die Situation des Frühjahrs 2020. Tatsächlich habe im März des vergangenen Jahres Angst davor geherrscht, dass zahlreiche Patientinnen und Patienten nicht mehr ausreichend versorgt, insbesondere beatmet, werden könnten. Die Sorge sei angesichts der Situation in Italien, Frankreich und vielen anderen Ländern begründet gewesen. Die Politik habe folgerichtig den Aufbau so vieler Intensivbetten wie möglich beschlossen.

Dass diese Intensivplätze nicht flächendeckend mit hochqualifiziertem Pflegepersonal hätten betrieben werden können, sei allen bewusst. Tatsächlich hätten aber in allen Bundesländern Kurzlehrgänge stattgefunden, in denen Pflegekräfte auch ohne Intensivpflegefortbildung auf die Versorgung von Beatmungspatienten vorbereitet wurden. Die Krankenhäuser wären somit in der Lage gewesen auch die sogenannte Intensivbetten-Notfallreserve zu betreiben.

Grundsätzlich bezeichne der Begriff Intensivbett nicht nur das vorhandene Bett mit Beatmungsgerät. Es gehe um die Anzahl tatsächlich betreibbarer Betten – auch im Krankenhausfinanzierungsgesetz sei dies so festgehalten. Ein intensivmedizinischer Behandlungsplatz gelte als betreibbar/betriebsfähig, wenn ein vorgesehener Raum, funktionsfähige Geräte und Material pro Bettenplatz, Betten, und personelle Besetzung mit pflegerischem und ärztlichem Fachpersonal vorhanden seien und eingesetzt werden könnten.

Weniger Intensivbetten im Verlauf des Jahres 

Für den Rückgang der Intensivbettenzahl im weiteren Verlauf des Jahres gebe es mehrere Gründe. Bereits Anfang August 2020 sei es im DIVI-Intensivregister zu einem Rückgang der Intensivbettenzahl gekommen. Dieser sei auf eine Änderung bei der Abfrage der intensivmedizinischen Kapazitäten sowie dem Einsetzen der Pflegepersonaluntergrenzen zurückzuführen. In der Konsequenz hätten zahlreiche Kliniken ihre Bettenmeldungen an diese Personalvorgaben angepasst. Außerdem würden seitdem die Notfallreservekapazitäten separat abgefragt.

Die Angaben zur Anzahl der freien betreibbaren Bettenkapazitäten hätten sich in den folgenden Meldungen entsprechend reduziert. Die Daten legten nahe, dass ein Teil der vorher gemeldeten freien Bettenkapazitäten nun als Notfallreservekapazität angemeldet werde. Die Notfallreserve könne stückweise aktiviert werden, indem andere Behandlungen abgesagt bzw. verschoben würden.

Der Vorwurf, offizielle Statistiken im Nachhinein manipuliert zu haben, könne ebenfalls direkt entkräftet werden. Das DIVI-Intensivregister habe im Verlauf der Pandemie die Betten der Kinderintensivstationen aus der Gesamtzahl der betreibbaren Betten herausgerechnet – Betten auf der Frühchenstation (NICU) und schwerstkranke Kleinkinder (PICU). Diese spielten für die Versorgung von COVID-19-Patienten keine Rolle. Auf die Veränderung der Darstellung reiner Erwachsenenbetten werde in sämtlichen Statistiken aber auch explizit hingewiesen.

Schlag ins Gesicht von medizinischen Fachkräften

Alle Beteiligten hätten immer für eine besonnene Diskussion plädiert. Es sei nie um Panik oder Angstmache gegangen, sondern immer um Vorsicht. Es sei vor allem um die Versorgung schwerkranker Patienten gegangen und darum, Krankenhäuser vor Überlastung zu bewahren und auf extrem steigende Patientenzahlen in kurzer Frist dennoch vorbereitet zu sein. Diese Situation retrospektiv mit dem heutigen Wissen zu bewerten, werde den damaligen Entscheidungsnotwendigkeiten nicht gerecht.

Gänzlich unbelegt sei zudem der Hinweis Schrappes, im internationalen Vergleich habe die Versorgung der COVID-Patienten in Deutschland unangemessen häufig in den Intensivstationen stattgefunden. Dies sei gerade die Stärke der deutschen Krankenhausstrukturen - schwerkranke Patienten adäquat intensivmedizinisch zu versorgen und dadurch Leben zu retten. Wer daraus eine „Fehlversorgung“ konstruiere, müsse auch Vergleichsdaten aus anderen Ländern vorlegen.

Nicht zuletzt sei Schrappes Vorwurf, dass Patientinnen und Patienten ohne Not auf Intensivstationen gelegt worden wären, ein „wirklicher Schlag ins Gesicht der Ärztinnen und Ärzte und der Pflegekräfte in den Krankenhäusern“, heißt es in der gemeinsamen Erklärung der Verbände.

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