Medizintechnik

BVMed-Herbstumfrage 2017: Sorge um Standort Deutschland

In der Herbstumfrage 2017 des Bundesverbands für Medizintechnologie schwächeln die Inlands-Werte im Vergleich zur weltweiten Umsatzentwicklung.

MedTech Umfrage

Foto: BVMed/dpa-infografik

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Die Medizintechnik-Branche sorgt sich zunehmend um den Standort Deutschland. Während die weltweite Umsatzentwicklung mit 5,9 Prozent auf dem Vorjahresniveau bleibt, schwächelt das Umsatzwachstum der Unternehmen im Inland. Nach den Ergebnissen der BVMed-Herbstumfrage liegt Deutschland nur bei 2,8 Prozent und damit deutlich unter den Vorjahreswerten.

MDR als Hemmnis

Der "Innovationsklima-Index Medizintechnik" des BVMed fiel im vierten Jahr in Folge von einem Wert von 6,2 im Jahr 2013 auf nur noch 4,5 in diesem Jahr. Als größte Hemmnisse für die künftige Entwicklung der Medizintechnologie-Branche sehen die Unternehmen die gestiegenen Anforderungen und die steigenden Kosten für den Marktzugang durch die neue EU-Medizinprodukte-Verordnung sowie für die Erstattung durch die langen Nutzenbewertungsverfahren. "In der neuen Legislaturperiode sollten die Bewertungsverfahren daher verbessert und beschleunigt werden", so BVMed-GeschäftsführerJoachim M. Schmitt bei der Vorstellung der Ergbnsse in Berlin.

Die EU-Medizinprodukte-Verordnung (MDR) wird innerhalb der Branche als das größte Hemmnis für den MedTech-Fortschritt betrachtet. 65 Prozent der MedTEch-Unternehmen bezeichnen die zusätzlichen Anforderungen durch die MDR als größte Hemmnis, 63 Prozent nennen die Pflicht zu umfassenden klinischen Daten eine Hürde. Auch die langen Zulassungszeiten durch Ressourcendefizite werden kritisch gesehen. Bei den aktuellen nationalen Rahmenbedingungen werden von den MedTech-Unternehmen der Preisdruck durch Einkaufsgemeinschaften sowie innovationsfeindliche Einstellungen von Krankenkassen genannt.

Situation in Deutschland

Aufgrund der schwierig werdenden Rahmenbedingungen gerät der Jobmotor Medizintechnik in Deutschland ins Stottern. Nur noch 44 Prozent der Unternehmen schaffen in diesem Jahr zusätzliche Jobs - im Vorjahr waren es noch 66 Prozent. Ganze 12 Prozent müssen sogar Arbeitsplätze abbauen.

Die Berufsaussichten für Fachkräfte in der MedTech-Branche sind dabei nach wie vor glänzend. 91 Prozent der Unternehmen halten die Berufsaussichten für unverändert gut bzw. besser. Gesucht werden vor allem Ingenieure (38 Prozent), Medizintechniker (32 Prozent) und Wirtschaftswissenschaftler (24 Prozent). 88 Prozent der Unternehmen geben an, offene Stellen zu haben. Nur 39 Prozent der MedTech-Unternehmen sehen sich derzeit von der Digitalisierung betroffen. Große Veränderungen erwarten sie durch elektronische Beschaffungsmaßnahmen, medizinische Apps und elektronische Rechnungen.

Trotz der angespannten Situation im Inland investieren die Unternehmen verstärkt in ihre deutschen Produktionsstandorte. 26 Prozent der befragten BVMed-Unternehmen erhöhen ihre Investitionen, 50 Prozent halten das Investitionsniveau. Ähnlich ist die Situation bei den Forschungsausgaben. 29 Prozent der befragten BVMed-Unternehmen erhöhen ihre Forschungsausgaben gegenüber dem Vorjahr, 45 Prozent halten das Niveau. Derzeit investiert die Branche 9 Prozent ihrer Umsätze in Forschung und Entwicklung.

Die Ergebnisse der BVMed-Herbstumfrage können unter www.bvmed.de/medienseminar2017 abgerufen werden.

 

 

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