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Umweltschutz im klinischen AlltagDeutsche Röntgengesellschaft will nachhaltigere Radiologie

Der Gesundheitssektor gehört in Deutschland zu den Branchen mit dem größten Ressourcenverbrauch. Die Deutsche Röntgengesellschaft sieht auch die Radiologie in der Pflicht, Emissionen zu reduzieren und insgesamt mehr Nachhaltigkeitskonzepte zu entwickeln und umzusetzen.

Nachhaltigkeit
Robert Kneschke/stock.adobe.com

Symbolfoto

Nach Daten des Umweltbundesamtes von Anfang Januar 2021 entfallen auf den Gesundheitssektor etwa fünf Prozent des gesamten Rohstoffverbrauchs in Deutschland. Was dies konkret im medizinischen Alltag bedeutet, zeigen etwa Berechnungen des Zentrums Ressourceneffizienz zum Wasserverbrauch in Krankenhäusern: So verbraucht etwa ein Bett in einem deutschen Krankenhaus 300 bis 600 Liter Wasser täglich.

„Der Umweltschutz ist in den nächsten Jahren die größte Aufgabe unserer Gesellschaft. Jede und jeder muss einen Beitrag dazu leisten, auch wir Mediziner und Medizinerinnen“, sagt Dr. med. Kerstin Westphalen, Vorstandsmitglied der Deutschen Röntgengesellschaft (DRG), Sprecherin der internen Kommission Nachhaltigkeit@DRG und Chefärztin am Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie an den DRK-Kliniken in Berlin-Köpenick.

Auch die Radiologie sieht Dr. Kerstin Westphalen in der Pflicht, mehr Umwelt- und Klima­schutz sowie Nachhaltigkeit im klinischen Alltag umzusetzen, schließlich verbrauchen allein die in der Radiologie bei der Versorgung von Patientinnen und Patienten eingesetzten medizintechnischen Großgeräte wie Magnetresonanztomografen oder Computertomografen sehr viel Energie und produzieren große Mengen an klimaschädlichem CO2. „Es gibt bereits einige Kliniken, die sich das Ziel ‚Nullemissionen‘ gesetzt haben und mit wenigen Veränderungen schon viel erreicht haben“, sagt Kerstin Westphalen.

Nachhaltigkeit in der Radiologie

Um aus Einzelfällen in Zukunft eine Selbstverständlichkeit zu machen und der eigenen gesellschaftspolitischen Verantwortung gerecht zu werden, wollen Kerstin Westphalen und die DRG die deutschen Radiologen und Radiologinnen nicht nur stärker für Umwelt- und Klimaschutz sensibilisieren und über das Thema informieren, sondern auch für das noch umfassendere Konzept der Nachhaltigkeit werben. Insbesondere den Aspekt der sozialen Nachhaltigkeit rückt in den Fokus, wobei auch die ökologische und ökonomisch Dimension eine entscheidende Rolle spielen. Dieser umfasst in der Radiologie etwa Ausbildungsmodelle, den Wissenstransfer zwischen den Alters- und Berufsgruppen, die Kommunikation mit Patientinnen und Patienten und dabei etwa das Thema patientenlesbare Befunde oder mit radiologischen und nicht-radiologischen Kolleginnen und Kollegen sowie Angehörigen nicht-ärztlicher Gesundheitsberufe.

Um die Radiologie in Deutschland nachhaltig zu gestalten, setzen Kerstin Westphalen und die DRG konkrete Schritte um: So ist kürzlich die interne Kommission Nachhaltigkeit@DRG gegründet worden, der Vorstand der DRG hat einen „10-Punkte-Plan für mehr Nachhaltigkeit@DRG“ verabschiedet. Dieser sieht etwa interne CO2-Ausgleichzahlungen für Dienstreisen mit dem Auto oder dem Flugzeug vor. Darüber hinaus sollen die in der Pandemie-Zeit erprobten internen digitalen Strukturen auch in Zukunft intensiv genutzt werden. Im Gespräch ist zudem ein DRG-Gütesiegel für „Nachhaltige Radiologie“, um diejenigen auszuzeichnen, die nachhaltige Ziele erreichen beziehungsweise Kriterien erfüllen. Außerdem wird der Deutsche Röntgenkongress im kommenden Jahr als Schwerpunktthemen Nachhaltigkeit und Diversity in den Mittelpunkt rücken.

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