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Aneurysma-Therapie

Hirnarterien aus dem 3D-Drucker

Dr. André Kemmling, Neuroradiologe am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, druckt erfolgreich 3D-Modelle von Hirnarterien für personalisierte Eingriffe bei Aneurysma-Patienten. Bei der OP-Planung sowie in der Forschung und Lehre kann sich der 3D-Druck in der Medizin bereits beweisen. 

3D-Arterienmodelle

Formlabs

3D-Arterienmodelle: Ein Display mit 3D-Arterienmodellen unterschiedlicher Größen aus transparentem Kunstharz mit einer Auflösung von 0,025 mm.

Das hauseigene 3D-Drucklabor am Center of Brain Behavior and Metabolism (CBBM) der Universität Lübeck wird täglich von Dr. André Kemmling vom Institut der Neuroradiologie des Uniklinikums zur Herstellung von patientenspezifischen 3D-Modellen genutzt. Der Scan aus dem Computertomografen dient als Ausgangspunkt für die lebensgroßen Nachbildungen der Hirnarterien von Patienten. An diesen können Ärzte wie an echten Hirngefäßen Eingriffe üben, bei weitaus geringerem Kosten- und Zeitaufwand, verglichen mit standardisierten Silikon-Modellen oder Versuchstieren.

Dr. Kemmling behandelt mit seiner Methode bis zu 70 Patienten jährlich und gibt im Rahmen eines deutschlandweit einzigartigen Angebots regelmäßig Workshops für Ärzte. Seit zwei Jahren benutzt er 3D-Druck und kann feststellen, dass sich die Zeit im OP-Saal damit halbieren lässt: von 30 Minuten bei Chirurgen, die noch keinen Aneurysma-Eingriff durchgeführt und nicht geübt haben, auf 15 Minuten bei Chirurgen, die an einem 3D-Modell geübt haben. Hinzu kommt die Flexibilität bei patientenspezifischen Modellen: Dr. Kemmling kann acht Aneurysmafälle in zwei Tagen drucken, während Silikonmodelle eine Vorlaufzeit von zwei Wochen haben und nicht über die anatomischen Details der Modelle aus dem 3D-Drucker verfügen. Mit dem Form 2 SLA-3D-Drucker und transparentem Kunstharz gedruckt, lassen sich Modelle im Maßstab 1:1 und einer Auflösung von 0,025 mm – der Dicke eines menschliches Haares – anfertigen.

Beeindruckendes Maß an Präzision

„Es ist beruhigend für Patienten, wenn man ihnen sagen kann, dass der Eingriff an ihrer spezifischen Anatomie möglich ist“, so Dr. Kemmling. „Das Maß an Präzision hat mich beeindruckt – nicht einmal eine Stickerin könnte so detailliert arbeiten“, bestätigt eine seiner Patientinnen. Sie hat sich nach der Aufklärung mit dem 3D-Modell, das sie danach mit nach Hause nehmen konnte, ganz bewusst für einen endovaskulären Eingriff entschieden. Die Alternative wäre ein klassischer offener Eingriff mit höherem Risiko und erheblich längerer Genesungsdauer gewesen. Endovaskuläre Eingriffe können dagegen an den Patienten angepasst werden und sind weder mit einer Vollnarkose noch mit einem langen Krankenhausaufenthalt verbunden. Der Eingriff dauert gerade einmal 30 Minuten – und wird noch kürzer, wenn der Chirurg sich am Modell vorbereiten kann.

Diese Anwendung von 3D-Druck bei Aneurysma-Patienten lässt nachvollziehen, wie die Technologie in Form von anatomischen Modellen bereits Anwendung im Klinikalltag findet und Pflegepersonal ebenso wie Patienten die Entscheidung eines Eingriffs erleichtert.

Dr. Kemmling ist sicher, dass sich 3D-Druck problemlos für eine ganze Reihe von Verfahren in der Medizin nutzen lassen. Allgemein können 3D-Modelle für experimentelle Messungen verwendet werden, um zu sehen, wie sich Medizintechnik in den Körper integrieren lässt, ohne den Blutfluss zu behindern. Damit sind diese Modelle für alle möglichen klinischen Anwendungen relevant.

  • Schlagwörter:
  • 3D-Druck
  • Aneurysma

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