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Hochpräzisions-BestrahlungUniklinikum Dresden arbeitet mit neuem MR-Linearbeschleuniger

Im Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden wird seit kurzem der Magnetresonanz-Linearbeschleuniger „Unity“ des Herstellers Elekta zur Tumorbehandlung verwendet. Es handelt sich dabei um das fünfte Gerät in Deutschland.

MR-LINAC
Marc Eisele/UKD

Sachsens Wissenschaftsminister Sebastian Gemkow und Prof. Esther Troost im Magnetresonanz-Linearbeschleuniger (MR-LINAC).

Seit kurzem werden Tumor-Patientinnen und -Patienten im Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden mit dem neuen Magnetresonanz-Linearbeschleuniger (MR-LINAC) therapiert. Das hochmoderne Großgerät „Unity“ der Firma Elekta setzt auf die Kombination von Photonen und MRT-Bildgebung in der personalisierten Strahlentherapie.

Deutschlandweit sind nur vier weitere dieser Geräte in der Patientenversorgung im Einsatz: in Heidelberg, Tübingen, München und Trier. Der Freistaat Sachsen hat die Investition in das neue Großgerät mit insgesamt fast neun Millionen Euro unterstützt. Die damit verbundenen Forschungsvorhaben werden aus Mitteln des Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) gefördert.

Therapieplan in Echtzeit anpassen

Die Bestrahlung mit Photonen baut auf Informationen einer röntgenbasierten Bildgebung. Vor jeder Bestrahlung geben dreidimensionale Abbildungen des Patienteninneren Hinweise darauf, wie und wo Gewebe bestrahlt werden muss. Mit Röntgenbildgebung lassen sich jedoch Tumore der Weichgewebe nicht optimal abbilden und eine Anpassung des Bestrahlungsplans in Echtzeit ist nicht möglich. Diese beiden Nachteile der Photonenbestrahlung sind vor allem vor dem Hintergrund relevant, dass 60 Prozent der zu bestrahlenden Tumoren sich an oder in beweglichen Organen befinden. Die meisten davon haben ihren Ursprung in Weichgeweben – am häufigsten treten sie an den Extremitäten oder am Rumpf und im Bauchraum auf. Beispiele sind Tumoren in Muskeln, Leber, Bauchspeicheldrüse, Niere, Nebenniere, Prostata oder Gebärmutter. Dabei ließe sich die biologische Wirksamkeit der Bestrahlung durch eine erhöhte Bestrahlungsdosis je Sitzung steigern. Um dies umzusetzen, müsste der individuelle Therapieplan in Echtzeit an die sich täglich ändernde Anatomie angepasst werden.

Durch Dosiserhöhung Sitzungsanzahl reduzieren

Der im Neubau des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen Dresden (NCT/UCC) angesiedelte MR-LINAC bietet den Medizinerinnen und Medizinern nun die Möglichkeit einer maßgeschneiderten, bildgesteuerten, täglich adaptierbaren Hochpräzisionsstrahlentherapie für komplexe, sich bewegende Zielgebiete. Dafür wurde ein Photonen-Linearbeschleuniger in ein Magnetresonanztomographie-Gerät integriert. „Uns stehen nun in der Bildgebung ein exzellenter, hochaufgelöster Weichgewebskontrast sowie Bilder in Echtzeit zur Verfügung. Zudem können wir zusätzliche Dosis im Normalgewebe vermeiden“, sagt Prof. Mechthild Krause, zusammen mit Prof. Esther Troost Direktorin der Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie des Universitätsklinikums Dresden, sowie Teil des Geschäftsführenden Direktoriums des NCT/UCC.

Daraus ergeben sich nicht nur bessere Behandlungsmöglichkeiten für die Krebskranken. Die Medizinerinnen und Mediziner haben zudem viele Ansatzpunkte zur Forschung, um die Therapie noch besser zu machen. „Das Ziel ist die Entwicklung der individuellen Bestrahlungsplananpassung basierend auf der Bewegung von Tumor und Normalgewebe. Bei der Behandlung beweglicher Weichgewebstumoren soll zudem die Dosis je Bestrahlungssitzung erhöht werden, um die Anzahl an Sitzungen insgesamt zu reduzieren“, erklärt Prof. Esther Troost weiter.

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