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UniklinikumWas sich Augsburg von seinem neuen Hybrid-Angio-CT verspricht

Ein neuer Hybrid-Angio-Computertomograph am Universitätsklinikum Augsburg soll Diagnostik und Therapie verbessern. Laut Hersteller die erste Installation des Gerätes in ganz Deutschland. Welche Patienten nun davon profitieren.

Hybrid Angio-CT Augsburg
Ulrich Wirth
Das Augsburger Uniklinikum setzt als erstes Klinikum in Deutschland den Hybrid-Angio-CT von Canon ein.

Elf Tonnen Starkstromkabel waren notwendig, um das neue Großgerät am Augsburger Uniklinikum mit Strom zu versorgen. Dort wurde Mitte November 2023 der Hybrid-Angio-Computertomograph (HACT) von Canon Medical eingeweiht. Damit soll die Patientenversorgung bei Tumorerkrankungen auf ein neues Niveau gehoben werden.

Das System Alphenix 4D CT ist in Europa über 15 Mal installiert – nach Schweden, Italien, der Schweiz und Frankreich folgte nun die erste Inbetriebnahme hierzulande, wie Canon Medical auf kma-Anfrage mitteilt. „Wir freuen uns mit dem Team von Prof. Dr. Kröncke an der Universitätsklinik Augsburg einen großartigen und engagierten Partner für die erste Installation in Deutschland gewonnen zu haben“, sagt Jürgen Faust, Geschäftsführer Canon Medical Systems Deutschland. 

Enge Anbindung an die Notaufnahme

Der HACT ist Herzstück des neuen Interventionszentrums mit Überwachungsräumen, einer Holding Area und enger Anbindung an die Notaufnahme. Mit der Kombination aus einem Computertomographen und einer Angiographie-Anlage würden sich nach Angaben des Klinikums ganz neue Möglichkeiten bei Diagnostik und Therapie sowie in der Forschung ergeben. 

„Jetzt können wir quasi the best of both worlds miteinander verbinden: Mit der Kombination aus einem Computertomographen (CT) und einer Angiographie-Anlage haben wir ganz neue Möglichkeiten“, sagt Prof. Dr. Thomas Kröncke, Direktor der Klinik für Diagnostische und Interventionelle Radiologie an der Universitätsklinik Augsburg, zu der Investition und der Aussicht, die Grenzen der Spitzenmedizin zu verschieben.

Jetzt können wir quasi the best of both worlds miteinander verbinden.

In der Vergangenheit wurden bei herkömmlichen Installationen zuerst für die Diagnose ein CT-Scan in einem Raum und anschließend in einem weiteren der Eingriff, der die eigentliche Therapie durchführt. Dies benötigt Zeit und ist risikoreich, da die Patienten in der Regel anästhesiert sind und Transportwege zwischen den Räumen anfallen. In Augsburg wird nun in einem Raum die Diagnose gestellt  und unmittelbar danach die Behandlung geplant, durchgeführt und überprüft. „Damit können wir besser, schneller und effektiver Patienten versorgen“, so Kröncke.

Um von nun an kombiniert zu arbeiten, war die Voraussetzung, Abläufe, Systeme und Raumverhältnisse neu aufzustellen. Zudem nutzt das System von Canon ein gemeinsames Koordinatensystem, wodurch ein schnelles Umschalten zwischen den beiden Modalitäten möglich ist. Zu den weiteren Funktionen gehört eine Spektrale Bildgebung beim CT für eine bessere Erkennung, Quantifizierung und Abgrenzung von Läsionen. Ein HD Detektor mit einer Auflösung von 76 μm ermögliche eine hochpräzise Darstellung für eine sichere Intervention.

Erkrankungen erkennen und Behandlung steuern

„Die interventionelle Radiologie ist eines der dynamischsten Felder in der Radiologie“, erklärte Klinikdirektor Kröncke bei der Einweihung des neuen Großgerätes. Dabei geht es nicht mehr nur um das Erkennen von Erkrankungen, sondern um die Nutzung der bildgebenden Diagnostik zur Steuerung einer Behandlung, der hochmodernen bildgeführten Therapie.

Viele der neuen Verfahren seien eng verknüpft mit eigener klinischer Forschung und anschließender praktischer Umsetzung, etwa die Kryoablation, bei der Krebserkrankungen an der Niere oder in der Lunge ohne große Operation und einen chirurgischen Schnitt durch Vereisung behandelt werden können. Dabei arbeitet das Klinikum unter anderem mit dem Comprehensive Cancer Center am Uniklinikum Augsburg (CCCA) zusammen.

Wer profitiert von der Technik?

Durch die Weiterentwicklung der Krebsmedizin hätte sich die Behandlungsstrategie in den letzten Jahren stark verändert und für viele Patienten sei eine Heilung trotz fortgeschrittener Krebserkrankung möglich. Gerade diese Patienten würden von der Technologie und der Bildgebung des Hybrid-Angio-CT profitieren. Denn dank der modernen Bildgebung können Krebsherde tief im Körper erkannt, angesteuert und entfernt werden, ohne dass operiert werden muss. Die wenig belastenden und dennoch effektiven Methoden der interventionell-radiologischen Therapie seien daher besonders für ältere Patienten von Vorteil.  

Im onkologischen Bereich kommt der Alphendix 4D CT auch bereits in Frankreich zum Einsatz. „Ein internationales Highlight ist für Canon Medical die Installation am CHU, Hopital Civil de Strasbourg am Institut von Prof. Afshin Gangi, dem aktuellen CIRSE-Präsidenten“, sagt Faust gegenüber kma, „die Schwerpunkte seiner Alphendix 4D CT Installation liegen in der onkologischen und muskuloskelettalen Diagnostik, Therapie und Nachsorge. So werden am Angio CT u.a. Kryoablationen und Interventionen an der Wirbelsäule vorgenommen.“ Auf die ersten Ergebnisse aus Augsburg warte man nun sehr gespannt.

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