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SteuerungsimpulseDPR-Expert*innenrat legt Corona-Handlungsempfehlungen vor

Mit der Einrichtung eines eigenen Expert*innenrates reagierte der Deutsche Pflegerat auf die mangelnde Einbindung der Pflege auf Bundesebene. Die Wissenschaftler*innen haben nun ihre Handlungsempfehlungen für das weitere Pandemiegeschehen vorgestellt.

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Shawn Hempel/stock.adobe.com

Symbolfoto

Der Expert*innenrat Pflege- und Hebammenwissenschaft, der vom Deutschen Pflegerat (DPR) einberufen wurde, da beide Berufsgruppen strukturell nicht in politische Entscheidungs- und Beratungsgremien während der Corona-Pandemie eingebunden sind, stellte Ende Juni seine zehn Empfehlungen vor. 19 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus der Pflege und dem Hebammenwesen haben in den vergangenen vier Monaten verschiedene Aspekte der Corona-Krise betrachtet, um auf eine neue Welle im Herbst oder vergleichbare Ereignisse künftig besser vorbereitet zu sein. „Da die pflegewissenschaftliche und hebammenwissenschaftliche Expertise in den Beiträten und Expertengremien auf Bundesebene in der Pandemie so gut wie nicht eingebunden war, haben wir kurzerhand eigene Empfehlungen für Politik, Verwaltung, Verbände, Kammern und Träger von Einrichtungen im Gesundheitswesen abgeleitet“, erklärt Christine Vogler, Präsidentin des DPR, anlässlich der Vorstellung. Sie ist sich sicher, dass man in der Bewältigung der Pandemie nicht auf die wissenschaftliche Expertise der beiden Berufsgruppen verzichten kann und „die Ergebnisse in die künftigen Entscheidungen der Gesundheitsversorgung mit einfließen müssen“.

  • Prof. Dr. Katrin Balzer (Lübeck)
  • Prof. Dr. Nicola H. Bauer (Köln)
  • Prof. Dr. Christa Büker (Bielefeld)
  • Dr. Martin Dichter (Köln)
  • Prof. Dr. Astrid Elsbernd (Esslingen)
  • Prof. Dr. Thomas Fischer (Dresden) – (Sprecher)
  • Prof. Dr. Margareta Halek (Witten)
  • Prof. Dr. Daniela Holle (Bochum)
  • Prof. Dr. Annegret Horbach (Frankfurt)
  • Prof. Dr. Annett Horn (Münster)
  • Prof. Dr. Uta Gaidys (Hamburg)
  • Andreas Kocks MScN (Bonn)
  • Prof. Dr. Kirsten Kopke (Hannover)
  • Dr. Tobias Mai (Frankfurt a. M.)
  • Prof. Dr. Melanie Messer (Trier)
  • Prof. Dr. Gabriele Meyer (Halle)
  • Prof. Dr. Günter Meyer (Wolfsburg)
  • Dr. Peter Nydahl (Kiel)
  • Dr. Anna-Henrikje Seidlein (Greifswald)

Für den Expert*innenrat geht es vor allem darum, dass weder Angehörige noch Pflegebedürftige oder Patienten durch epidemiologisch motivierte Maßnahmen ausgegrenzt werden dürfen. „Dauerhafte Einschränkungen in der stationären Altenpflege beispielsweise können wir nicht vertreten und es ist auch zu kurz gedacht, ganze Bevölkerungsgruppen vom Rest der Bevölkerung abzukoppeln“, sagt Professor Thomas Fischer, Sprecher des Expertengremiums. Zudem mahnt er an, dass der ganze Sektor der ambulanten Pflege in den Fokus von Politik und Verwaltung rücken muss. Gerade in diesem Bereich sei die Beratung essenziell für den Infektionsschutz, Beratungsleistungen von den ambulanten Diensten würden aber nicht vergütet.

Das einhellige Credo des Gremiums: Es muss künftig in lokalen Netzwerken über institutionelle und sektorale Grenzen hinweg noch mehr Zusammenarbeit stattfinden. Dabei sind auch Strukturveränderungen mitzudenken und es müssen neue Rollen mit mehr Verantwortung für die Profession Pflege – Beispiel Community Health Nurse – endlich auch in Deutschland etabliert werden. Eine weitere Empfehlung des Expert:innenrates ist, Hebammen und Pflegefachpersonen zu autorisieren, Schutzimpfungen durchzuführen. Diese Maßnahme, genauso wie die bessere Einbindung der Pflege und des Hebammenwesens in die politischen Gremien sowie das Erarbeiten von Konzepten, die erlauben, dass Alten- und Pflegeheime auch in der nächsten Corona-Welle offen bleiben können, ist laut Einschätzung des Gremiums kurzfristig umsetzbar.

Die Forderung nach einer eigenständigen berufsständischen Kammervertretung wird auch unter den Hebammen laut. Ähnlich wie die Pflege haben auch die Hebammen das Problem, dass sie weder in den obersten Gremien noch in den Einrichtungen als Profession mitgedacht werden und ihre Expertise gehört wird. Eine Einbindung in die Kammersystematik wird von der Profession Pflege schon lange gefordert. Auch die Hebammen stehen diesem Schritt offen gegenüber.

Die Handlungsempfehlungen im Detail finden Sie unter: deutscher-pflegerat.de/verband/fachkommissionen/

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