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PflegepersonalbemessungDas Warten hat ein Ende, die PPR 2.0 kommt

Bundesgesundheitsminister Prof. Karl Lauterbach hat die PPR 2.0 zugesagt. Sein Versprechen richtete er an die Demonstrierenden am Rande der Gesundheitsministerkonferenz, wie es das Bundesgesundheitsministerium am 22. Juni auf Twitter vermeldete.

Intensivpflege
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Symbolfoto

Am Rande der Gesundheitsministerkonferenz in Magdeburg hat Bundesgesundheitsminister Prof. Karl Lauterbach (SPD) den demonstrierenden Pflegekräften zugerufen: „Diese Demo ist berechtigt und findet meine volle Unterstützung. Die zentrale Forderung einer Personalbemessung teile ich. Wir werden die Pflegepersonal-Regelung 2.0 einführen“, wie das Bundesgesundheitsministeriums am 22. Juni auf Twitter postete.

Er selbst bestätigte zwei Stunden später ebenfalls via Twitter: „Gute Demo; wir werden der Pflege diesen berechtigten Wunsch nach der Einführung des Personalbemessungsinstruments PPR 2.0 erfüllen.“

Die ersten Reaktionen auf Lauterbachs Ankündigung sind positiv. Grünen-Politikerin Kordula Schulz-Asche begrüßt die Einführung des Interimsinstruments, weist aber darauf hin, dass diese Regelung „nicht ausreichend und detailgenau genug wirkt, um perspektivisch die Lösung zu sein. Solange wir das wissenschaftlich evaluierte Bemessungsinstrument noch nicht haben, müssen wir die Pflegepersonaluntergrenzen (PPUG) als Untergrenzen sicherlich beibehalten.“ Diese erste, spontane Einschätzung bestätigte das Ministerium auf Nachfrage: „Da eine Unterbesetzung in pflegesensitiven Bereichen im Krankenhaus fatale Folgen für Patientinnen und Patienten haben kann, sind diese roten Linien – auch zum Schutz des stark belasteten Pflegepersonals – weiterhin notwendig.“

Vera Lux, Geschäftsführerin Pflege an der Medizinischen Hochschule Hannover und Vorsitzende des Landespflegerates Niedersachsen, sieht die Einführung der PPR 2.0 ebenfalls als ein „erfreuliches Signal in Richtung Pflege, auch wenn ich kein großer Freund der PPR 2.0 bin. Es stärkt jedoch das Vertrauen in die Politik, dass eine Maßnahme, die im Koalitionsvertrag vereinbart wurde, nun auch umgesetzt wird.“ Auch sie hält für die Pflege ein evidenzbasiertes Pflegepersonalbemessungsinstrument für dringend notwendig. Sie moniert, dass die PPR 2.0 im Detail sehr bürokratisch sei und hofft, dass da „noch nachgebessert wird“.

Dr. Gerald Gaß, Vorstandsvorsitzender der Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG), kommentiert den politischen Schritt: „Die baldige Einführung der PPR 2.0 begrüßen wir sehr. In unserem Verständnis soll die PPR 2.0 allerdings auch die PPUG weitestgehend ersetzen. Die DKG verweigert sich allerdings nicht, die Untergrenzen in Einzelfällen bei sehr deutlicher Unterbesetzung vorübergehend weiter anzuwenden.“ Die DKG hatte zusammen mit dem Deutschen Pflegerat und Verdi die PPR 2.0 – als Arbeitsauftrag aus der Konzertierten Aktion Pflege – erarbeitet und bereits dem ehemaligen Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) im Januar 2020 vorgelegt.

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