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AusbildungExperten monieren fehlende Innovationsbereitschaft in Pflege

Erstmals nach 20 Jahren ist eine von der Robert Bosch Stiftung initiierte Expertenkommission erneut zusammengekommen, um über die Entwicklung des Pflegesektors zu resümieren. Sie zeigen sich besorgt über die halbherzige Zusammenführung der Pflegeberufe in der Ausbildung.

Notfall
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Symbolfoto

2000 wurde mit „Pflege neu denken“ ein vielbeachtetes Werk zur Zukunft der Pflegeausbildung veröffentlicht, das von der Robert Bosch Stiftung GmbH (RBS) initiiert wurde. Nun hat sich, 22 Jahre später, das zehnköpfige Expertengremium wieder zusammengesetzt und ein gemischtes Fazit hinsichtlich der Entwicklungen im Pflegesektor gezogen. Positiv bewertet wurde zum einen die Idee der Integration beruflicher und akademischer Pflegeausbildung durch das Pflegeberufegesetz, zum anderen die Ansätze zu größerer Autonomie der Pflegeberufe durch vorbehaltene Aufgaben, Pflegekammern und eigenständige Heilkundeausübung.

Sorge bereitet dem Gremium die halbherzige Zusammenführung der Pflegeberufe in der aktuellen Pflegeausbildung und die unzureichende Finanzierung von Pflegestudiengängen. Außerdem wurde das Zögern und Bremsen von Verantwortlichen in Politik und Gesundheitswesen bei der Weiterentwicklung und Aufwertung der Pflegepraxis durch Innovationen, Forschung und Wissenschaft kritisiert.

Anlässlich der erneuten Zusammenkunft des Expertengremiums äußerte sich Dr. Almut Satrapa-Schill, die damalige Initiatorin der RBS: „Wir sehen trotz einiger wichtiger Entwicklungen, die es in der Pflege inzwischen gegeben hat, auch heute noch die Aktualität und Dringlichkeit der damaligen Empfehlungen! Wir brauchen weiterhin Reformen zu einem attraktiven, durchlässigen und zukunftsorientierten Pflegebildungssystem von den Assistenzkräften über Pflegefachfrauen und -männer bis hin zu den hochschulisch qualifizierten und spezialisierten Pflegeexperten.“ Kritik äußert sie an den fehlenden Investitionen in Innovation, Forschung und Wissenschaft für die Pflege.

Fünf-Stufen-Modell für Ausbildung

Das Ausbildungsmodell, welches vom Expertengremium zur Jahrtausendwende angelegt wurde, sieht fünf Qualifikationsstufen vor, die durchlässig gestaltet sind. Somit besteht die Möglichkeit, sich stufenweise berufsbegleitend weiter zu qualifizieren: 

  • Es beginnt mit einer zweijährigen beruflichen Ausbildung zur Pflegefachperson.
  • Dem schließt sich der vierjährige Qualifikationsweg zur Pflegefachperson als berufliche Ausbildung,
  • sowie das vierjährige Pflegestudium mit Bachelorabschluss an.
  • Aufbauend darauf gibt es die fachlich spezialisierte Pflegefachperson mit Masterabschluss.
  • Abschließend besteht die Möglichkeit zur promovierten Pflegefachperson, die in der pflegerischen und medizinischen Praxis mit Leitungs-, Qualitäts- und Forschungsprozessen betraut ist.

Auch in der Versorgungspraxis sieht die Expertengruppe zukünftig besonderen Handlungsbedarf. Prof. Dr. Frank Weidner, Direktor des Deutschen Instituts für angewandte Pflegeforschung (DIP), meint dazu: „Es braucht nicht nur die konsequente Weiterentwicklung des Pflegebildungssystems in der Pflege, sondern es muss jetzt endlich auch in den Krankenhäusern sowie in ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen Pflege neu gedacht und umgesetzt werden! Dazu sind Qualifikationsmixmodelle anzuwenden, mit denen beruflich und akademisch Qualifizierte gemeinsam zum Wohle von Patienten und Pflegebedürftigen die pflegerische Versorgungspraxis sichern und in die Zukunft weiterentwickeln können!“

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