Deutscher Pflegekongress 2017

Hilft bessere Bezahlung gegen den Pflegemangel?

Diese „Gretchenfrage“ wird auf dem Deutschen Pflegekongress im Rahmen des Hauptstadtkongresses vom 20. bis 22. Juni 2017 in Berlin äußerst kontrovers diskutiert werden.

Hauptstadtkongress 2017

Foto: WISO

Während Fachkräfte aus Kundenservice und Logistik im Durchschnitt mehr als 39.000 Euro brutto verdienen, bekommt ein Altenpfleger nur 24.657 Euro. Und das nicht einmal überall: Der Verdienst in der Pflege schwankt je nach Bundesland um bis zu 35 Prozent. Die Folgen kann man in Sachsen sehen: Dort werden zwar fast doppelt so viele Pflegekräfte ausgebildet wie notwendig, aber das reicht nicht. Viele Absolventen wandern aus Sachsen ab, wechseln den Beruf oder arbeiten in Teilzeit. Mancherorts gibt es bereits Aufnahmestopps und Bettenstilllegungen in Pflegeeinrichtungen.

Karl Brenke vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung sieht die Lösung in besserer Bezahlung – er beklagt aber, dass Altenpfleger nicht ausreichend gewerkschaftlich organisiert seien: „Da wird Fachkräftemangel beklagt, aber es fehlt die Macht, bessere Löhne durchzusetzen.“ Die von Gewerkschaftlern geforderte Anhebung des Pflegemindestlohns auf 12,50 Euro nannte der Präsident des bpa Arbeitgeberverbands, Rainer Brüderle, hingegen „Cockpit-Niveau“. Die Fronten sind verhärtet. Auf der Bühne des Deutschen Pflegekongresses werden Brenke und Brüderle aufeinander treffen und diskutieren, ob bessere Bezahlung gegen den Pflegemangel hilft.

Der Deutsche Pflegekongress ist einer von drei Fachkongressen, die unter dem Dach des Hauptstadtkongresses Medizin und Gesundheit stattfinden. Die intensive Pflegepolitik der Bundesregierung wird den Pflegekongress mit Themen prägen wie Pflegestärkungsgesetze, Personalbemessung, Pflegeberufegesetz, Akademisierung der Pflege, Qualitätsentwicklung und -berichterstattung und die neuen Pflegegrade.

Schwerpunktmäßig widmet sich der Deutsche Pflegekongress 2017 dem Thema „Managen und Führen“: Vorgestellt werden innovative Konzepte im Bereich Mitarbeitergewinnung, neue Ansätze für die Schaffung besserer Karrieremöglichkeiten und Aspekte der Arbeitgeberqualität. Dazu werden auch erfolgreiche Beispiele aus der Praxis präsentiert. Mit Veranstaltungen wie „Karrierewege und Kompetenzgewinnung in der Praxis und in Hochschulen“ oder „Unternehmertum in der Pflege – Probleme, Herausforderungen, Lösungen“ intensiviert der Kongress den Dialog zwischen Hochschulen, der Praxis der Pflege und den wirtschaftlichen Stakeholdern.

Nicht zuletzt steht ein emotional besetztes Thema auf der Agenda: die Pflegekammern, von denen sich viele Pflegemitarbeiter eine Aufwertung der Pflegeberufe erhoffen. Auf dem Hauptstadtkongress, zu dem der Deutsche Pflegekongress gehört, ist Gleichberechtigung längst Alltag: Der disziplinübergreifende Dialog mit allen Partnern und Akteuren im Gesundheitswesen, wie Ärzten, Krankenhausmanagern und Politikern, findet hier längst auf Augenhöhe statt.

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