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Bund der Steuerzahler MVKritik an 8000 Euro Pflegeprämie des Uniklinikums Rostock

Der Steuerzahlerbund Mecklenburg-Vorpommern kritisiert die Pflegeprämie zur Mitarbeitergewinnung am Uniklinikum Rostock, weil dadurch Pflegekräfte aus kleineren Häusern abgezogen werden könnten. Die Klinik verteidigt die Einstiegsprämie in Höhe von 8000 Euro.

Prämie
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Symbolfoto

Das Uniklinikum Rostock bietet neuen Pflegekräften eine Einstiegsprämie in Höhe von 8000 Euro. Grund sei, NDR-Berichten zufolge, dem Personalmangel in der Pflege entgegenzutreten. Das Klinikum würde derzeit 50 Pflegekräfte gewinnen wollen und die Prämie erhielte, wer für mindestens zwei Jahre am Haus bleibt.

Der Bund der Steuerzahler in Mecklenburg-Vorpommern kritisiert die Anwerbungsprämie in Höhe von 8000 Euro. „Pflegeprämien lösen keine Probleme, sie schaffen neue. Die Uniklinik zieht damit Pflegekräfte aus den kleineren Häusern der Region ab, die dort ebenso gebraucht werden“, erklärte die stellvertretende Landesvorsitzende Diana Behr am 8. Februar 2022 in Schwerin. „Das ist kein guter Stil und steht einer vom Land finanzierten Einrichtung nicht gut zu Gesicht.“ Aus ihrer Sicht geht die Prämie an dem Problem vorbei, da die Klinik es nicht schaffe, langfristig attraktiv für Beschäftigte zu sein.

Die Klinik verteidigt die Praxis. „Die Prämie ist ein Baustein zahlreicher Personalgewinnungsmaßnahmen wie flexiblen Arbeitszeitmodellen und eigens konzipierten Traineeangeboten und Studiengängen für die akademische Weiterqualifizierung“, hieß es von einer Sprecherin. Ziel sei es, ausgebildete Pflegekräfte zu erreichen, die aktuell nicht in dem Beruf tätig seien oder mit einem Wechsel oder einer Rückkehr in die Heimat liebäugelten. „Das zeigen auch die bereits eingegangenen Bewerbungen deutlich“, hieß es aus dem Uniklinikum. Niemand verlasse seinen Arbeitgeber nur wegen einer finanziellen Prämie.

Gegenstimmen auch aus Pflegewissenschaft und Politik

Im Interview mit dem NDR soll sich auch Wolfgang Motz, Direktor des Klinikums in Karlsburg kritisch zur Pflegeprämie geäußert haben. Das Vorgehen gefährde den Betriebsfrieden und unterstütze den Verdrängungswettbewerb. Er wünsche sich nachhaltigere und längerfristige Angebote, um die Arbeitsbedingungen zu verbessern. Ähnlicher Ansicht sei laut NDR auch Martina Hasseler, Pflegewissenschaftlerin der Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften. Anstatt der Prämienzahlung sollten die Bezahlung und die Arbeitsbedingen verbessert werden. Auch sie äußerte die Besorgnis, dass durch die Art der Personalgewinnung Fachkräfte an anderen Kliniken fehlen könnten.

In der Politik äußern sowohl die Linke als auch die CDU Bedenken zur Einstiegsprämie, berichtet der NDR. Kliniken könnten sich nicht gegenseitig die Arbeitskräfte durch einmalige Prämien wegnehmen. Dem NDR zufolge prüfe das Wissenschaftsministerium derzeit, ob die Pflegeprämie rechtens sei.

Pflegeprämien auch an anderen Kliniken eingesetzt

Pflegevorstand Annett Laban sehe sich laut NDR-Berichterstattung zur Einstiegsprämie gezwungen, da andere Kliniken genauso vorgehen würden. In Güstrow und Boizenburg hätten Kliniken ebenfalls mit der Prämie geworben, teilweise würden den Neueinsteigern sogar bis zu 10 000 Euro geboten.

Update:

Mittlerweile hat das übergeordnete Wissenschaftsministerium in Schwerin der geplanten Prämie einen Riegel vorgeschoben. Eine Prüfung hätte ergeben, dass diese Praxis nicht den Regelungen des Tarifsystems der Länder entspreche, teilte ein Sprecher mit. Wissenschaftsministerium und Universitätsmedizin seien daher übereingekommen, von dieser Maßnahme zur Personalgewinnung Abstand zu nehmen. Stattdessen sollen nun andere Maßnahmen ergriffen werden, um dem akuten Fachkräftemangel zu begegnen.

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