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JobzufriedenheitPflegepersonal ächzt unter hohem Bürokratie-Aufwand

90 Prozent aller Pflegenden sehen sich übermäßig durch bürokratische Auflagen beansprucht, zeigt eine neue Jobzufriedenheitsstudie von Asklepios. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft mahnt den Bürokratie-Abbau angesichts existierender Personalengpässe an.

Unterlagen
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Nicht erst seit der Covid-Pandemie stöhnt die deutsche Pflegebranche über einen Notstand. Akuter Personalmangel, verbesserungsbedürftige Arbeitsbedingungen, immer mehr Pflegebedürftige und hohe bürokratische Aufwände machen der Branche zu schaffen. Auf letzteres wirft jetzt eine neue bundesweite Asklepios-Studie von 200 Pflegekräften, davon 100 aus Kliniken und je 50 aus Pflegeheimen und ambulanter Versorgung ein Schlaglicht.

Sie zeigt: etwa 25 Prozent der Pflegenden wendet mehr als 50 Prozent ihrer Arbeitszeit nicht für die Patientenbehandlung, sondern für Dokumentation und Co. auf. Hinzu kommt, dass zwei Drittel der Befragten konstatieren, dass die Bürokratie-Last in den vergangenen fünf Jahren deutlich gestiegen ist. Das macht ihnen zu schaffen, weshalb sich die meisten Pflegekräfte in der Verringerung der Bürokratie und mehr Zeit für die Patienten wünschen. Lediglich zehn Prozent gaben an, keine Frustration durch das Ausmaß der Bürokratie zu entwickeln.

Mehr Geld macht Pflegende nicht zufriedener

„Gerade in Anbetracht des massiven Fachkräftemangels in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen muss diese Ursache für Unzufriedenheit im Pflegeberuf angegangen und die Belastung durch Dokumentation und Bürokratie deutlich verringert werden “, sagt Kai Hankeln, Chief Executive Officer der Asklepios Kliniken. Dazu könnte beispielsweise die Digitalisierung beitragen. Obwohl zwei Drittel der Pflegenden angaben, in den vergangenen drei Jahren Gehaltssteigerungen erhalten zu haben, wirkte sich dies nicht auf ihre Jobzufriedenheit aus. 17 Prozent sind mit ihrer Entlohnung unverändert unzufrieden, ein Viertel ist weiterhin zufrieden und die Mehrheit empfindet es immer noch als teils/teils.

„Dass sich die teilweise deutlichen Gehaltssteigerungen der Pflegekräfte in den letzten Jahren, mit denen sie jetzt zu den mit am besten bezahlten Ausbildungsberufen zählen, überhaupt nicht auf die Zufriedenheit ausgewirkt haben, sollte uns zu denken geben“, so Hankeln weiter. „Natürlich muss die Diskussion, was ein angemessenes Gehalt darstellt und was der Gesellschaft die Pflege wert ist, fortgesetzt werden, aber wir sollten auch andere Aspekte ins Auge fassen, die für die berufliche Zufriedenheit sehr wichtig sind, wie zum Beispiel die gesellschaftliche Wertschätzung“, erklärt Hankeln. 

78 Prozent der Pflegekräfte ist grundsätzlich zufrieden mit ihrer Arbeitsstelle. Während für ein Drittel dies unverändert gilt, hat für 43 Prozent die Zufriedenheit abgenommen, für 23 Prozent allerdings auch zugenommen. Mit 57 Prozent würden immerhin deutlich über die Hälfte den Beruf wiederwählen. Mit 72 Prozent liegen hier die Beschäftigten von Pflegeheimen vorne, während in Kliniken nur 49 Prozent dies tun würden. Dort fällt ein deutlicher Unterschied abhängig von der Trägerschaft auf: Während die bei privaten Klinikträgern tätigen Pflegekräfte zu 67 Prozent den Beruf wiederergreifen würden, sind es bei öffentlichen Trägern nur 45 Prozent und bei konfessionellen 39 Prozent.

DKG fordert Bürokratie-Lockdown vor Omikron-Welle

Dass die Ministerpräsident*innen und der Bundeskanzler bisher keine weiteren Anstrengungen unternommen haben, um die die Krankenhäuser von bürokratischen Lasten zu befreien, stößt bei der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) auf Unverständnis. Insbesondere vor dem Hintergrund der bevorstehenden Omikron-Welle müssten die Mitarbeitenden von medizinisch nicht notwendigen Dokumentationen entlastet werden.

„Wir brauchen die Mitarbeitenden in der Versorgung und nicht, um Krankenkassen-Anfragen zu beantworten und MDK-Prüfungen zu bearbeiten. Einerseits entscheidet die Politik richtigerweise, dass die Quarantänezeit für nicht positiv getestete Kontaktpersonen die geimpft sind, reduziert wird, um Personalausfälle zu verhindern. Andererseits bindet sie aber weiter Arbeitskraft in überflüssigen Dokumentationen. Es ist unverständlich, dass die Politik diese Problematik der Krankenhäuser ausblendet. Ein Bürokratie-Lockdown würde nicht nur in den Kliniken, sondern auch beim Medizinischen Dienst wertvolle Personalressourcen freimachen, die zur Pandemiebekämpfung dringend an anderer Stelle gebraucht werden“ erklärte Dr. Gerald Gaß, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG).

Um Personalengpässe abfangen zu können, muss auch Hilfspersonal organsiert werden. „Dazu fordern wir die Länder auf, die Koordination zu übernehmen. Es kann und darf nicht sein, dass jedes einzelne Krankenhaus selber organisieren muss, wo mögliches Personal akquiriert werden kann. Die Länder müssen Koordinierungsstellen einrichten, um sicherzustellen, dass die Hilfe wirklich da ankommt wo sie auch dringend von Nöten ist“ sagte Gaß. „Auch wenn Omikron weniger Krankenhauseinweisungen verursacht als die Delta-Variante, bei einem unkontrollierten extremen Wachstum der Infiziertenzahlen sind die Krankenhäuser sowohl auf den Normalstationen als auch letztendlich auf den Intensivstationen überfordert“, so Gaß.

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