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BundesregierungPflegeazubis sollen bei Corona-Tests helfen

Wegen der angespannten Corona-Lage in Pflegeheimen empfiehlt die Bundesregierung, verstärkt auch Azubis als Helfer einzusetzen. Dagegen ist unter anderem der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK).

Ausbildung
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Die Bundesregierung appelliert an die Betreiber von Pflegeeinrichtungen bei der Bewältigung der angespannten Corona-Situation, Azubis stärker als Helfer einzubinden. "Bereits im ersten Ausbildungsjahr können sie in der derzeitigen Situation zur Entlastung des Pflegepersonals, etwa nach entsprechender Einweisung bei der Durchführung von Testungen der Bewohnerinnen und Bewohner sowie deren Angehörigen oder bei den Vorkehrungen der Hygiene- und Schutzmaßnahmen, beitragen", heißt es in einem gemeinsamen Schreiben von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und Familienministerin Franziska Giffey (SPD) an Verbände und Akteure im Pflegebereich, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.

Die dynamische Pandemielage erfordere ein hohes Maß an Flexibilität und Einsatzbereitschaft. "Wir möchten Sie daher eindringlich bitten zu prüfen, ob ggf. auch Auszubildende noch stärker zur Unterstützung und Entlastung des Pflegepersonals in den Einrichtungen eingesetzt werden können", heißt es weiter. Die Minister schlagen dafür vor, schulische Ausbildungsabschnitte zu verschieben oder die Reihenfolge der praktischen Ausbildungsabschnitte bei Azubis umzuplanen.

bpa-Präsident hält Einsatz für selbstverständlich

Das Schreiben von Giffey und Spahn ging unter anderem an den Verband Deutsche Alten- und Behindertenhilfe, den Deutschen Pflegerat, an Wohlfahrtsverbände und den Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste (bpa). Dessen Präsident Bernd Meurer nannte die Vorschläge "so vernünftig wie selbstverständlich". "Auszubildende können die Beschäftigten entlasten. Nach einer entsprechenden Einweisung ist auch ein Einsatz als Testhelfer möglich", sagte er der dpa.

Um mehr Tests in Pflegeeinrichtungen zu ermöglichen, deren Bewohner zu den besonders gefährdeten Gruppen in der Pandemie zählen, werden über die Bundesagentur für Arbeit außerdem Freiwillige gesucht. Es kommen auch Bundeswehrsoldaten zum Einsatz, um das Personal zu entlasten.

Deutscher Pflegerat und DBfK kritisieren Initiative

Scharfe Kritik an Spahns und Giffeys Vorschlägen kam vom Deutschen Pflegerat, der verschiedene Verbände aus dem Pflegebereich vertritt. "Pflegeeinrichtungen brauchen keine Verzweiflungstaten, sondern ernst gemeinte, umsetzbare Vorschläge, um die Aufgaben vor Ort bewältigen zu können", sagte Vize-Präsidentin Christine Vogler. Sie nannte den Vorstoß "kontraproduktiv und unverantwortlich". Die Ausbildung in der Pflege büße bereits jetzt unter den erschwerten Bedingungen an Qualität ein.

DBfK-Präsidentin Christel Bienstein erteilt der Initiative der Bundesregierung ebenfalls eine Absage. Die Vorschläge verdeutlichten einmal mehr, dass der Pflegeausbildung nur ein geringer Wert beigemessen werde. „Aus unserer Sicht ist das einzig Richtige, dass wir trotz der Pandemielage in die Ausbildung und die Auszubildenden investieren müssen und sie nicht als billige Arbeitskräfte missbrauchen dürfen.“, so Bienstein. 

Pflegeausbildung während Pandemie ohnehin erschwert

Laut DBfK findet die Pflegeausbildung während der Pandemie bereits unter erschwerten Bedingungen statt und es würden schon viele Kompromisse gemacht. Es müsse dadurch mit zunehmenden Ausbildungsabbrüchen gerechnet werden. Der theoretische Unterricht erfolge digital, Praxisanleitungen könnten aufgrund des Personalmangels nicht in der notwendigen Intensität stattfinden und alle an der Ausbildung Beteiligten suchten gute Lösungen, um dies zu kompensieren. „In dieser Situation zu fordern, dass flexibler Engpässe ausgeglichen werden sollten, ist ein Schlag ins Gesicht all derer, die pflegefachliche Kompetenz ernst nehmen und fördern“, so Bienstein.

Auch die pflegepolitische Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion, Nicole Westig äußerte sich kritisch. Der Vorschlag konterkariere alle Bemühungen, den Pflegeberuf attraktiver zu gestalten, sagte sie der dpa mit Blick auf die Idee, in der Ausbildung schulische Abschnitte zu verschieben, um Azubis als Helfer einzusetzen.

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