
Krankenschwester Stefanie Gierth kann es immer noch kaum fassen: Die Berlinerin ist „Pflegerin des Jahres“. „Ich habe einen Herzanfall bekommen“, sagt sie über den Moment, in dem sie es erfahren hat. Zuerst habe sie es nicht glauben können, dann habe sie angefangen zu weinen. „Für mich ist es wie der Oscar für die Pflege“, sagt Gierth, die seit mehr als 20 Jahren im Vivantes Klinikum Am Urban arbeitet und seit einigen Jahren als Integrationsbeauftragte für ausländische Pflegekräfte tätig ist.
Verliehen wurde die Auszeichnung zum achten Mal in Folge von der Initiative „Herz & Mut“ anlässlich des internationalen Tags der Pflege am 12. Mai. Der Preis ist mit insgesamt 10 000 Euro dotiert. Die Gewinnerin bekommt 5000 Euro. Der zweite Platz geht dieses Jahr an die Altenpflegerin Edith Jenifer Suan (38) aus Rheinau in Baden-Württemberg. Sie erhält 3000 Euro. Den dritten Platz sicherte sich der Palliativpfleger und Einrichtungsleiter Benjamin Vogel (41) aus Herne, der mit 2000 Euro dotiert ist. Einen Sonderpreis (1 500 Euro) verlieh „Herz & Mut“ an die Poetry Slammerin Leah Weigand (27) für ihre „starke Stimme für die Pflege“.Die Preisverleihung fand am 11. Mai in Baden-Baden statt.
Ich bin gefühlt Sozialarbeiterin, Immobilienmaklerin, Mutti.
Integrationsbeauftragte mit Leib und Seele
Stefanie Gierth habe die besondere Fähigkeit, mit Menschen verschiedener Generationen und Kulturen zu kommunizieren, teilte die Jury zur Begründung ihrer Wahl mit. „Wenn sie neue Kollegen begrüßt, gibt es für sie kein Fremdsein, keine Grenzen, kein Anderssein und kein Normalsein. Sie ist eine Integrationsbeauftragte im besten Sinne des Wortes.“ Mit ihrer hohen fachlichen und sozialen Kompetenz ist sie nicht nur eine wertvolle Stütze bei der Ausbildung oder der Anerkennung bereits vorhandener
Qualifikationen, sondern auch Ansprechpartnerin jenseits der Arbeit.
Gierth arbeitet seit mehr als 30 Jahren als Krankenschwester. Das Neuköllner Krankenhaus war 1991 nach der Ausbildung ihre erste Station. Es folgte die Geburt der ersten Tochter, und dann der Wiedereinstieg in den Beruf in Neukölln und bald darauf der Wechsel ins heutige Vivantes Klinikum Am Urban in Kreuzberg – dem Haus, dem sie damit seit mehr als 20 Jahren bis heute treu geblieben ist. Dort hat sie zusammen mit einem Team von Kolleginnen und Kollegen wesentlich daran mitgewirkt, das neue Brustzentrum aufzubauen und es auf ein qualitativ hohes Niveau zu bringen.
Wenn sie neue Kollegen begrüßt, gibt es für sie kein Fremdsein, keine Grenzen, kein Anderssein und kein Normalsein.
Ihr großes Fachwissen hat sie aber auch stets an junge Menschen weitergegeben: Seit 2007 ist sie Praxisanleiterin. Dabei ist es ihr ein großes Anliegen, immer auch das „Warum“ zu lehren und zu erklären, warum eine korrekte Ausübung der pflegerischen Tätigkeiten notwendig ist. „Gründlichkeit und eine korrekte Arbeitsweise in Zusammenhang mit ihrem einnehmenden Wesen ist eine unschlagbare Kombination“, schreibt ihre Preispatin in der Nominierung. 2021 absolvierte sie die Fortbildung zum Integrationscoach und ihr Arbeitgeber macht sie zur freigestellten Praxisanleiterin und Integrationsbeauftragen.
Als Integrationsbeauftragte am Vivantes Klinikum Am Urban kümmert sie sich fast ausschließlich um die Ausbildung und Eingliederung von jungen Pflegekräften aus dem Ausland, derzeit vor allem aus Tunesien. „Ich glaube, ich kann es gut, ihnen zu zeigen, dass es auch nach 35 Jahren immer noch Spaß machen kann.“ Sie unterstützt die Nachwuchskräfte nicht nur im Krankenhaus, sondern auch im Alltag. „Ich bin gefühlt Sozialarbeiterin, Immobilienmaklerin, Mutt“, sagt Gierth, die von sich selbst sagt, sie mache lieber „ein, zwei Sachen richtig cool als fünf blöd“.
Pflege ist ein attraktiver Beruf
Wie bekomme ich ein Bahnticket? Wo kann ich günstig einkaufen? Wie finde ich eine Wohnung? Bei all diesen Fragen ständen sie und ihre Kollegen helfend zu Seite. Und wenn ein junger Pfleger Heimweh habe, nehme sie den auch mal tröstend in den Arm, sagt die 52-Jährige.
Ihr sei wichtig zu betonen, dass Krankenschwester ein toller und attraktiver Beruf sei. Aus ihrer Sicht wird viel zu oft nur über die negativen Seiten berichtet. Dabei kenne sich etliche Kollegen und Kolleginnen, die einen tollen Job machten - und das mit Leidenschaft. „Warum soll es Frau Stefanie Gierth aus Berlin werden?“, sagt sie in Bezug auf die Auszeichnung. „Von mir gibt es viele.“





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