Georg Thieme Verlag KG
kma Online

Vierte Covid-WelleIntensivmediziner für allgemeine Impfpflicht, Verdi dagegen

Die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) fordert geschlossen eine Impfpflicht für alle Erwachsenen. SPD- und Grünen-Politiker stimmen zu, Verdi äußert sich kritisch.

Pro Contra
Vegefox.com/stock.adobe.com

Symbolfoto

Das Präsidium der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) spricht sich geschlossen für eine Impfpflicht aller Bürgerinnen und Bürger über 18 Jahre aus. „Es gilt unsere Patienten zu schützen, Menschenleben zu retten und auch unser Gesundheitssystem vor dem Kollaps zu bewahren“, fasst DIVI-Präsident Prof. Gernot Marx die Überlegungen der Intensiv- und Notfallmediziner zusammen. Die Impfpflicht für Erwachsene sei alternativlos, so das Präsidium einstimmig, um die Pandemie auch langfristig hinter sich zu lassen.

Eine Impfpflicht nur für bestimmte Gruppen wie Pflegekräfte lehnt die Organisation dagegen ab. Sie sei weder ausreichend noch moralisch zu rechtfertigen. „Die alleinige Impflicht für medizinisches Personal in den Kliniken und Pflegekräften in Alten- und Pflegeheimen zu fordern, reicht nicht aus, um das Pandemiegeschehen in den Griff zu bekommen", unterstrich Divi-Vertreter Felix Walcher. „Wir erwarten eine Solidarität der gesamten Gesellschaft, um das Gesundheitssystem aufrechterhalten zu können."

Klar sei allerdings auch, dass eine Impfpflicht die vierte Corona-Welle nicht mehr entscheidend beeinflussen würde. „Wir brauchen jetzt und sofort bundeseinheitliche Kontaktbeschränkungen und Hygienekonzepte, um spürbare Effekte in den nächsten drei bis vier Wochen zu sehen", forderte Marx. Eine Impfpflicht für Erwachsene könnte aber weitere Ausbruchswellen verhindern und damit den Weg zur Pandemiebewältigung ebnen.

Verdi sieht Impfpflicht kritisch

Verdi-Chef Frank Werneke sieht die geplante Impfpflicht für den Pflege- und Gesundheitsbereich kritisch, erklärte er der Stuttgarter Zeitung und den Stuttgarter Nachrichten am 29. November 2021. Es hätte keine Auswirkung auf die Bekämpfung der Corona-Pandemie.

Die Impfquote sei in diesen Gruppen ohnehin schon hoch, sagte Werneke. „Nach dem, was wir aus Befragungen wissen, würde ich sie bei über 95 Prozent ansetzen. In der Altenpflege mag das Bild schon wieder etwas differenzierter sein." Unter den Beschäftigten, die sich partout nicht impfen lassen wollten, seien auch Beschäftigte, die keine Patientenkontakte hätten. Er prognostiziert, dass diese Mitarbeitenden sich auch bei einer solchen Impfpflicht nicht impfen lassen würde, sondern ihre Berufstätigkeit zumindest vorübergehend nicht ausüben würden. Das würde den Personalmangel verschärfen.

Hubertus Heil und Cem Özdemir offen für allgemeine Impfpflicht

Der geschäftsführende Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) hatte angekündigt, die geplante Impfpflicht für Beschäftigte in Kliniken und Heimen noch vor Weihnachten umsetzen zu wollen. Der Bild am Sonntag sagte er auf die Frage, ob er auch eine allgemeine Impfpflicht befürworten würde: „Ja, und ich finde es richtig, dass wir in einem ersten Schritt noch vor Weihnachten dafür sorgen, dass es zum Beispiel in Kliniken, in Pflege-, Alten- und Behinderteneinrichtungen eine Impfverpflichtung gibt."

Auch der voraussichtliche Landwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne) hat sich in der Corona-Pandemie offen für eine Impfpflicht gezeigt. „Das Tabu Impfpflicht kann kein Tabu sein", sagte er am 28. November im Deutschlandfunk. Denen, die sich nicht impfen lassen wollen, sage er, Freiheit gehe auch einher mit Verantwortung.

Stephan Weil hält Corona-Impfpflicht für unabdingbar

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil fordert als erster SPD-Regierungschef explizit eine Corona-Impfpflicht für alle. Die inzwischen auch in Deutschland nachgewiesene Omikron-Variante des Virus bedeute eine neue Lage, sagte er der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung am 29. November: „Erste Untersuchungen zeigen, dass vor allem Booster-Impfungen auch gegen diese Mutation eine gute Wirkung entfalten können. Deshalb ist spätestens jetzt eine allgemeine Impfpflicht unabdingbar.“

Bitte loggen Sie sich ein, um einen neuen Kommentar zu verfassen oder einen bestehenden Kommentar zu melden.

Jetzt einloggen

  • Derzeit sind noch keine Kommentare vorhanden. Schreiben Sie den ersten Kommentar!