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750 Millionen Euro UmsatzHat der Medizintourismus noch eine Chance, Frau Asefi?

Der Medizintourismus nach Deutschland scheint sich wieder zu stabilisieren. Expertin Mariam Asefi erklärt, woher mittlerweile die meisten Patienten kommen, welche Rolle die Erdbebenkatastrophe in der Türkei spielt, und aus welcher Region sie wieder mehr Nachfrage erwartet.

Mariam Asefi nennt drei Hauptgründe für die bleibende Nachfrage nach medizinischer Behandlung in Deutschland: nicht vorhandene hochspezialisierte Therapien in den Herkunftsländern, unzureichende Medikamentenversorgung und fehlendes Vertrauen in das heimische Gesundheitssystem, so die Leiterin des Forschungsbereichs Medizintourismus an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg (H-BRS).

Aktuell lasse die Erdbebenkatastrophe in der Türkei Deutschland im europäischen Wettbewerb zur vorrangigen Zieldestination aufrücken, sagt Asefi. Allerdings bremsten einige Faktoren diese Entwicklung: „Wesentlich zu nennen sind die Vergabeverfahren von medizinischen Visa, Barrieren in den internationalen Zahlungstransfers sowie mögliche Kapazitätsengpässe in den Kliniken.“

Einnahmen von rund 750 Millionen Euro

Der jüngsten H-BRS-Auswertung zufolge erzielte das deutsche Gesundheitssystem mit Patienten aus dem Ausland zuletzt Einnahmen von rund 750 Millionen Euro. Nach den Einreisebeschränkungen und der Pandemie habe der Medizintourismus in Deutschland zu einem stabilen Gleichgewicht zurückgefunden, erklärt Asefi. Für 2020 hatte die H-BRS einen Umsatzeinbruch vermeldet. Jetzt hat Asefi mit ihrem Team die Zahlen für 2021 analysiert und dafür die Daten von rund 155 100 Patienten ausgewertet, die 2021 stationär oder ambulant in Deutschland behandelt wurden. Demnach kommen mittlerweile fast 65 Prozent aller Auslandspatienten aus den Nachbarländern.

Grund für die beständige Nachfrage nach komplexen medizinischen Behandlungen in Deutschland sind die defizitären oder eingebrochenen Gesundheitssysteme im Ausland.

An vorderster Stelle steht weiter Polen (10 383 Patienten), gefolgt von Frankreich (5958 Patienten). Erstmalig ist laut H-BRS ein Nachfragerückgang aus den Beneluxländern (minus zehn Prozent, 9646 Patienten) und dem Vereinigten Königreich (minus 37 Prozent, 770 Patienten) zu beobachten.

Nachfrage aus Weißrussland, Georgien und Kasachstan stieg deutlich

Trotz der stark zurückgegangenen Anreisen aus dem bis dahin wichtigsten Herkunftsland Russland blieb die Gesamtzahl der Medizintouristen im Jahr 2021 konstant, so die H-BRS. Demnach stieg die Nachfrage aus Weißrussland, Georgien und Kasachstan im Pandemiejahr 2021 gegenüber dem Vorjahr deutlich an (Weißrussland plus 69 Prozent, Georgien plus 28 Prozent, Kasachstan plus neun Prozent). Asefis Team erwartet, dass die Nachfrage aus diesen Ländern trotz der aktuellen Indikatoren wie Krieg, Sanktionen und Inflation weiter zunehmen wird.

Wieder mehr Patienten aus den Golfstaaten erwartet

Im Hinblick auf die Medizintouristen aus den Golfstaaten geht die Diplom-Kauffrau von einem erneuten Anstieg aus. Asefi beobachtet mit ihrem Forschungsbereich insbesondere die Patientenanfragen aus Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Kuwait. Den neuesten Auswertungen zufolge besuchten im Jahr 2021 rund 2400 arabische Patienten deutsche Kliniken für eine Behandlung – Tendenz steigend.

In den einzelnen Bundesländern registrierten die Experten heterogene Entwicklungen. So haben etwa Sachsen, Hessen und Bayern einen Zuwachs an internationalen Patienten zwischen zwei und neun Prozent verzeichnet. Dagegen haben Niedersachsen (minus 30 Prozent), Sachsen-Anhalt (minus 23 Prozent) oder NRW (minus 13 Prozent) am stärksten Auslandspatienten verloren.

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