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PositionspapierRegionale Versorgungsnetzwerke lautet die zentrale Forderung der DKG

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) hat in einem Positionspapier für die nächste Legislaturperiode des Bundestags Reformbausteine formuliert. Ziel ist eine wohnortnahe, moderne medizinische und pflegerische Versorgung.

Dr. Gerald Gaß
Screenshot/Thieme

Dr. Gerald Gaß während der DKG-Pressekonferenz am 16. April 2021.

Die Corona-Pandemie macht jeden Tag deutlich, welchen Stellenwert Krankenhäuser haben und wie wichtig eine hochwertige und flächendeckende Versorgung durch die Kliniken ist. Zugleich erkennen wir aber auch den dringenden Reformbedarf, der sich über viele Jahre hinweg aufgestaut hat. In einem Positionspapier für die nächste Legislaturperiode des Deutschen Bundestges hat die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) wichtige Reformbausteine formuliert. „Wir brauchen ordnungspolitische Weichenstellungen für eine moderne medizinische und pflegerische Versorgung“, so der Vorstandsvorsitzende der DKG, Dr. Gerald Gaß.

Zur derzeitigen Lage auf den Intensivstationen äußerte sich Gaß während der Pressekonferenz. Eine kritische Lage sei gar keine Frage und man müsse verhindern, dass die Zahlen weiter steigen, im Interesse des Klinikpersonals und der Patient*innen. Die Frage sei, ob man kurz vor einer totalen Überlastung stehe, so dass man keinerlei schwerkranke Patient*innen mehr aufnehmen kann bzw. dass man „dem einen Patienten das Beatmungsgerät wegnehmen muss, damit ein anderer überlebt“. Dies sei aber noch nicht der Fall. Einzelne Krankenhäuser seinen voll, aber man stehe nicht unmittelbar vor einer Triage-Situation.

Gleichwerte medizinische Versorgung in Stadt und Land

Für die Krankenhäuser steht fest, dass der kalte Strukturwandel der vergangenen Jahre ein Ende haben muss. Bund und Länder müssen ihre politische Verantwortung für die geordnete Weiterentwicklung der Krankenhausstrukturen aktiv wahrnehmen. Im Dialog mit den für die Krankenhausplanung zuständigen Bundesländern will die DKG die Krankenhausstrukturen in den Regionen bedarfsgerecht und damit auch sektorübergreifend weiterentwickeln.

Regionale Versorgungsnetzwerke, in denen die Krankenhäuser über Versorgungsstufen hinweg partnerschaftlich zusammenarbeiten, sichern qualitativ hochwertig und wohnortnah die Patientenbehandlung. Krankenhäuser werden dabei regelhaft zu Standorten akutstationärer und stationsersetzender Leistungserbringung, die auch komplexe ambulante Behandlungen umfasst. „Wir müssen gerade im ländlichen Raum ambulante und stationäre Versorgung zusammendenken und zusammenführen. Nur so werden wir dem zunehmenden Ärztemangel im niedergelassenen Bereich entgegenwirken können. Vor dem Anspruch, gleichwertige Lebensverhältnisse in Stadt und Land zu garantieren, ist dies zur Sicherung der Daseinsvorsorge in der Gesundheitsversorgung unerlässlich“, erklärte Gaß.

Bund und Länder müssten sich zwingend zusammenfinden und politische Entscheidungen treffen. Derzeit gäbe es kein wirkliches Miteinander wenn es um sektorübergreifende Versorgung gehe. Dort wo es Versorgungslücken gäbe, vor allem in ländlichen Regionen, sollten Krankenhäuser auch ambulante Eingriffe anbieten und übernehmen, erläuterte Gaß in der Pressekonferenz.

Bekämpfung des Fachkräftemangels

Für die Krankenhäuser steht außer Frage, dass ein Fokus der Krankenhauspolitik auf der Bekämpfung des Fachkräftemangels liegen muss. „Die Pandemie hat deutlich aufgezeigt, dass das Nadelöhr immer das Personal ist und ohne Personal nichts geht. Wir brauchen eine bedarfsgerechte Personalausstattung und attraktive Arbeitsplätze. Die Personalgewinnung, auch im Wettbewerb mit anderen Wirtschaftszweigen, wird im Vordergrund stehen“, so Gaß. Dazu braucht es ein attraktives und abwechslungsreiches Arbeitsumfeld und gute Karrierechancen. „Wir müssen unser Personal von Bürokratie entlasten und damit Zeit für die Patientenversorgung gewinnen. Zudem muss es Krankenhäusern möglich sein, Personal flexibel einzusetzen. Gleichzeitig müssen die Beschäftigten sicher sein, dass sie über eine ausreichende und bedarfsgerechte Zahl von Kolleginnen und Kollegen verfügen. Und nicht zuletzt brauchen wir eine auskömmliche, wettbewerbsgerechte Bezahlung des Personals. Das muss schon während der Ausbildung der Fall sein. Dazu müssen aber auch die Finanzmittel den Krankenhäusernzur Verfügung gestellt werden, das heißt, die Tarife in allen Berufsgruppenmüssen vollständig refinanziert werden“, erklärt der Vorstandsvorsitzende.

Ein zukunftsfähiges Finanzierungssystem muss her

Maßgeblich wird sein, dass die Finanzierung der Krankenhäuser auf sichere Füße gestellt wird. Dazu braucht es eine auskömmliche Investitionsfinanzierung und Anpassungen im DRG-System. Der kalte Strukturwandel und die damit verbundenen Insolvenzen haben gezeigt, dass das aktuelle Finanzierungssystem seiner Aufgabe nicht mehr gerecht wird, die gesundheitliche Daseinsvorsorge zu sichern. Bei der Investitionsfinanzierung müssen die Länder ihren Aufgaben endlich nachkommen. Ein zukunftsfähiges Vergütungssystem muss die Vorhaltung von bedarfsnotwendigen Versorgungsangeboten stärker als bisher berücksichtigen. Mit der Ausgliederung der Pflegekosten aus den Fallpauschalen wurde die Pflegefinanzierung vom Spardruck, der auf den Kliniken lastet, ausgenommen.

Unabdingbar ist es, auf zukünftige Pandemien vorbereitet zu sein. „Wir appellieren deshalb an den Gesetzgeber, zeitnah wesentliche Vorkehrungen zu treffen. Darunter fallen Landesreserven für Schutzausrüstung genauso wie ein aktueller erregerunabhängiger Landes-Pandemieplan unter Beteiligung der Krankenhäuser“, so Gaß.

Weitere Vorschläge der DKG für die Digitalisierung, Entbürokratisierung und Qualitätssicherung

  • weniger Bürokratie und mehr Zeit für die Patient*innen
  • bessere Rahmenbedingungen für attraktive Arbeitsplätze
  • Qualitätssicherungsmaßnahmen, die den Patient*innen dienen
  • verlässliche Rahmenbedingungen für die Erbringung ambulanter Leistungen
  • Vergütungssysteme, die die stationäre und ambulante Krankenhausversorgung umfassen
  • eine gesicherte Refinanzierung der Tariflohnsteigerungen
  • eine nachhaltige Investitionsfinanzierung
  • eine beschleunigte Digitalisierung

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