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Asklepios zur Corona-VerordnungPolitik bewirkt nachhaltigen Flurschaden im Gesundheitswesen

Die Asklepios Kliniken kritisieren den aktuellen Entwurf der Corona-Verordnung des Bundesgesundheitsministerium. Die Einschnitte beim Erlösausgleich verkennen die wirtschaftliche Situation der Kliniken und die Reserven sind aufgezehrt.

Coronavirus
Peterschreiber.media/stock.adobe.com

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Die Asklepios Kliniken kritisieren den aktuellen Entwurf der „Verordnung zur Regelung weiterer Maßnahmen zur wirtschaftlichen Sicherung der Krankenhäuser“ des Bundesgesundheitsministeriums, wie er am 22.3.2021 in der Diskussion zwischen Bundesregierung und Ministerpräsidenten besprochen wurde.

Asklepios CEO Kai Hankeln sagt: „Wir sind an einem Punkt angekommen, wo in sehr vielen Kliniken die Reserven aufgebraucht sind. Schon seit Jahren schreiben immer mehr Krankenhäuser rote Zahlen. Die Bundesregierung spart am falschen Ende und verursacht einen nachhaltigen Flurschaden im Gesundheitswesen. Vielen kleineren Häusern, vor allem in strukturschwachen Regionen, droht ein Desaster. Kurzarbeit und Personalabbau werden den Fachkräftemangel ad absurdum führen. Die Politik riskiert sehenden Auges die Stabilität der stationären Krankenhausversorgung!“

Kliniken haben seit Ende 2020 keine Liquiditätshilfen mehr

Die Krankenhäuser drohen unter den Folgen der Covid-19-Pamdemie in die Knie zu gehen. Bundesweit sind die Fallzahlen in den Kliniken um bis zu 30 Prozent zurückgegangen. Der Grund liegt in der Freihaltung von Betten für die Versorgung schwerkranker Covid-Patienten, aber auch in der Zurückhaltung vieler Patienten vor dem Gang ins Krankenhaus, in der Sorge, sich dort mit Covid-19 zu infizieren. Dem gegenüber steht ein erheblicher Anstieg der Kosten in den Häusern, durch Aufwände für Schutzmaterialien und –maßnahmen, zusätzliches Personal zur Sicherstellung der verschärften Hygienerichtlinien und Teststrategien.

Während bis September vergangenen Jahres die ausbleibenden Fallerlöse noch zum Teil durch den Rettungsschirm der Bundesregierung kompensiert wurden, stehen viele Kliniken seit dem 4. Quartal 2020 ohne jegliche Liquiditätshilfen da. Darunter auch viele Psychiatrien und Fachkliniken, die ihrerseits ebenfalls ihren Beitrag in der Pandemie leisten.

Den Krankenhäusern könnten 2021 fünf Milliarden Euro fehlen

Der aktuelle Entwurf der Verordnung sieht zwar weitere Ausgleichszahlungen für Kliniken vor, diese orientieren sich aber an den Erlösstrukturen des Vor-Corona-Jahres 2019. De facto billigt die Bundesregierung den Kliniken für das laufende Jahr 2021 maximal 95 Prozent der Einnahmen des Jahres 2019 zu – ohne Berücksichtigung des gewaltigen Kostenanstiegs etwa zum Schutz des Personals oder für die Testinfrastruktur – und gefährdet damit die Stabilität des Gesundheitssystems. Schon im bestmöglichen Fall eines Ausgleichs bis auf 95 Prozent des Budgets 2019 fehlen den Krankenhäusern in Deutschland in Summe rund fünf Milliarden Euro, die in der Pandemie von den Krankenkassen zu Lasten der Kliniken eingespart werden. Die effektive Höhe steht dabei noch unter dem Vorbehalt von Budget-Verhandlungen mit den Krankenkassen, die für nicht wenige Krankenhäuser noch nicht einmal für das Jahr 2019 abgeschlossen sind. Am Ende dieser Verhandlungen drohen weitere Kürzungen. Dadurch verlieren die Kliniken in Deutschland jegliche Planungssicherheit.

Auch die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) sieht die vorgesehene Absenkung des Budgets um fünf Prozent kritisch. „Eine solche Absenkung ist durch nichts begründbar und würde viele Krankenhäuser, gerade auch Maximalversorger, die durch die Pandemie in der Versorgung stark belastet waren, vor große wirtschaftliche Probleme stellen.", so er designierte Vorstandsvorsitzende der DKG, Dr. Gerald Gaß. 

DKG sieht Priorität in schneller Sicherung der Liquidität

Die DKG begrüßt ausdrücklich das klare Bekenntnis der Ministerpräsidenten-Konferenz zur Sicherung der wirtschaftlichen Situation der Krankenhäuser. Die zugesicherte Liquiditätssicherung ist eine unabdingbare Voraussetzungen, um die Krankenhäuser vor wirtschaftlichen Problemen und einem Beschäftigungsabbau durch die Corona-Pandemie zu bewahren.

Wichtig ist laut DKG, dass die Ministerpräsidentenkonferenz die schnelle Sicherung der Liquidität einfordert. Die vorgesehene Ausweitung durch abgesenkte Inzidenzwerte wird nicht alle Krankenhäuser berücksichtigen und es ist nicht sachgerecht, eine Absicherung nur für einzelne Kliniken in Aussicht zu stellen.

Kliniken benötigen vollständigen Ausgleich und Planungssicherheit

Für Asklepios wird die innerbetriebliche Lage der Krankenhäuser nun in einer Situation verschärft, in der Ärzte und Pflegekräfte der Intensivstationen seit Monaten an der Belastungsgrenze arbeiten und in der jetzt die Corona-Fallzahlen wieder massiv steigen. Und die dritte Welle zusammen mit den derzeit nicht vorhersehbaren Auswirkungen der Virus-Mutationen hat gerade erst begonnen.

„Es ist absolut unverständlich, dass in der historischen Krise nicht alles daran gesetzt wird, das Gesundheitssystem in Deutschland sturmfest zu machen. Die Krankenhäuser brauchen dringend einen vollständigen Ausgleich ihrer Erlösausfälle und Planungssicherheit, um in der dritten Welle der Pandemie so viele Menschenleben wie möglich retten zu können. Einsparungen zu Gunsten der Krankenkassen und zu Lasten der Krankenhäuser sind definitiv fehl am Platz und ein Schlag ins Gesicht aller, die sich in den Kliniken gegen die Pandemie stemmen.", so Kai Hankeln.

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