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DKG fordert "nüchterne Analyse"Adipositas-OPs verfünffacht

Der aktuelle Barmer GEK Krankenhausreports 2016 belegt den starken Anstieg der Adipositas-Operationen. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) reagiert prompt und fordert statt Schuldzuweisungen eine nüchterne Faktenanalyse.

Laut des Barmer GEK Krankenhausreports 2016 hat sich die Zahl der Adipositas-Fälle bei allen Krankenkassen seit dem Jahr 2006 mehr als verfünffacht. Allein zwischen 2003 und 2013 hat sich dessen Häufigkeit von 12,9 Prozent der Bevölkerung auf 15,7 Prozent erhöht – das entspricht einem Anstieg von 22 Prozent. „Sollte sich dieser Trend fortsetzen, würde der Anteil adipöser Personen über 50 Jahre bis zum Jahr 2030 um 80 Prozent ansteigen“, warnt Boris Augurzky, Leiter des Kompetenzbereiches „Gesundheit“ des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) und Autor des Reports. Christoph Straub ergänzt: „Die Anzahl der operativen Eingriffe bei krankhaftem Übergewicht hat sich allein bei den Barmer GEK Versicherten seit dem Jahr 2006 von 167 auf 1.070 Fälle mehr als versechsfacht.“

 

Kliniken fordern nüchterne Faktenanalyse

"Der Report macht einmal mehr deutlich, dass die Krankenkassen immer wieder versuchen, den steigenden medizinischen Behandlungsbedarf der Bevölkerung in die Nähe von nicht notwendigen Leistungen der Kliniken zu rücken", erklärte indes der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), Georg Baum, zu dem heute vorgestellten Barmer GEK Report. Es sei unredlich, aus dem Anstieg der bariatrischen Operationen den Kliniken die Erbringung unnötiger Operationen zu unterstellen. "Diese Statistiken, mit denen nachgewiesen werden soll, dass vermeintlich zu viel und sinnlos operiert wird, zeichnen ein schiefes Bild", so Baum weiter. Richtig sei zwar, dass ein Anstieg der Operationen – bei geringer Fallzahl – in diesem Bereich zu verzeichnen ist. Dies sei schon deshalb zwingend, da auch die Zahl der Adipositaskranken im Zeitraum 2003 bis 2013 um 22 Prozent angestiegen ist. Fakt sei aber auch, dass sich die Krankenhäuser streng an die Leitlinien zur Adipositasbehandlung der Deutschen Adipositas-Gesellschaft sowie weiterer medizinischer Fachgesellschaften halten. Darüber hinaus sei der operative Eingriff immer die letzte Möglichkeit in der Behandlungskette: Erst wenn ernsthaft unternommene konservative – also nicht-operative – Versuche einer Gewichtsreduktion des Patienten wiederholt gescheitert seien, könne eine Operation in Betracht gezogen werden. Zudem wies der DKG-Hauptgeschäftsführer darauf hin, dass sich die Krankenhäuser zum Anspruch der Patienten auf eine Zweitmeinung bei geplanten Eingriffen klar bekennen würden.

 

Baum fordert neue Sicht auf Krankheitsbild Übergewicht

Angesicht dieser Fakten sei es für die Krankenhäuser nicht nachvollziehbar, dass die Krankenkasse ihre Ergebnisse als angeblichen Beleg für "lukrative" Eingriffe der Krankenhäuser heranziehen würde. "Für diesen Vorwurf gibt es keine Anhaltspunkte", stellte Baum fest. Es sei Fakt, dass die Vergütungen jedes Jahr neu kalkuliert und zusammen mit den Krankenkassen vereinbart werden. Statt die Krankenhäuser pauschal zu diffamieren, sollte die Barmer GEK vielmehr darüber nachdenken, ob nicht eine neue Sicht auf das Krankheitsbild Übergewicht und die Behandlungsmöglichkeiten erforderlich sei.

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