
Bei der Hauptversammlung des Gesundheitskonzerns Fresenius, die das Unternehmen am 17. Mai virtuell abhielt, konfrontierten Aktionärsvertreter Konzernchef Michael Sen mit klaren Forderungen: „Es ist an der Zeit, dass endlich wieder Wert für die Aktionäre geschaffen wird“, machte etwa Cornelia Zimmermann Druck. „Nach einer ganzen Serie von Gewinnwarnungen erwarten wir von Ihnen vor allem, dass die Prognosen wieder verlässlich werden“, sagte die Spezialistin Nachhaltigkeit bei der Fondsgesellschaft Deka Investment.
Die Fondsgesellschaft DWS hatte bereits auf der Hauptversammlung der Fresenius-Tochter FMC (Fresenius Medical Care) am Dienstag Kritik geübt. Die hohe Zahl an Gewinnwarnungen in den vergangenen fünf Jahren lasse Fragen an der Prognosequalität aufkommen, monierte DWS-Vertreter Hendrik Schmidt. Der geplante Wechsel der Rechtsform bei FMC sei aber zu begrüßen. Fresenius steckt seit Jahren in der Krise, im Verlauf von fünf Jahren verlor die Aktie fast 60 Prozent.
Schnellere Entscheidungen
Sen hatte bei den Aktionären erneut für die Neuausrichtung des Unternehmens geworben. „Durch die neue, vereinfachte Konzernstruktur wird Fresenius transparenter“, sagte der seit Oktober amtierende Firmenchef laut Redemanuskript: „Entscheidungen werden auf weniger Gremien konzentriert und damit beschleunigt.“ Fresenius verliere Komplexität, aber nichts von seiner Substanz.
Das Management der Dialysetochter Fresenius Medical Care (FMC) habe künftig mehr Freiheit, erklärte Sen: „Aber es trägt auch die Verantwortung dafür, das Unternehmen wieder auf die Erfolgsspur zu bringen.“ Die Maßnahmen würden keine Veränderungen über Nacht bringen, sagte Sen und betonte erneut: „Die Zahlen des ersten Quartals bestätigen aber: Die Richtung stimmt.“
Außerordentliche Hauptversammlung am 14. Juli
Sen will die komplexe Struktur von Fresenius vereinfachen. Die kriselnde Tochter FMC, die mehrfach die Gewinnziele des Mutterkonzerns durchkreuzt hat, soll in eine normale Aktiengesellschaft umgewandelt werden, damit Fresenius sie nicht mehr voll bilanzieren muss. Eine außerordentliche Hauptversammlung am 14. Juli soll darüber abstimmen. Zudem will sich Sen auf die Arzneisparte Kabi und die Klinikkette Helios konzentrieren. Die Servicegesellschaft Vamed betrachtet Fresenius nur noch als Finanzbeteiligung.
Nachhaltigkeit wichtiger bei variabler Vergütung
Mit einer großen Mehrheit von 96,71 Prozent stimmten die Aktionäre dem Vorschlag der persönlich haftenden Gesellschafterin und des Aufsichtsrats zu, die Höhe der Dividende bei 0,92 Euro zu belassen, teilte Fresenius mit. Ebenfalls mit einer großen Mehrheit von 89,19 Prozent sei der Vergütungsbericht für das Geschäftsjahr 2022 gebilligt worden.
Zudem sei mit einer Mehrheit von 93,01 Prozent eine Aktualisierung der Vorstandsvergütung beschlossen worden. Im Vergütungssystem 2023+ sei insbesondere ein neuer Plan für die langfristige variable Vergütung vorgesehen, der noch stärker die Förderung einer langfristigen und nachhaltigen Entwicklung des Unternehmens berücksichtige. Zudem sei der Aspekt der Nachhaltigkeit verstärkt in der langfristigen variablen Vergütung verankert worden.
Vorstand und Aufsichtsrat seien mit Mehrheiten von 93,53 beziehungsweise 89,19 Prozent für das Jahr 2022 entlastet worden, hieß es weiter.





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