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Negatives Ergebnis 2021KRH Klinikum rutscht tiefer in die Miesen

Das Klinikum Region Hannover beendet das Geschäftsjahr 2021 mit einem Defizit von 34,2 Millionen Euro. Bei den Investitionen wurde im KRH mit ca. 32,2 Millionen Euro ein neuer Höchstwert erreicht.

Verlust
Андрей Яланский/stock.adobe.com

Symbolfoto

Mit einem Defizit von 34,2 Millionen Euro fällt das Jahresergebnis des Klinikum Region Hannover (KRH) wie unterjährig prognostiziert aus. Erstmalig seit vielen Jahren gelang es dem Unternehmen nicht mehr, ein positives Betriebsergebnis vor Steuern und Abschreibungen zu erwirtschaften. „Alleine werden wir allerdings die Lage nicht ändern können. Auch Land und Bund müssen ihre Hausaufgaben machen und die Rahmenbedingungen so gestalten, dass die Gesundheitsversorgung in Deutschland kein Minusgeschäft ist“, erklärt der Aufsichtsratsvorsitzende des KRH, Regionspräsident Steffen Krach.

Neben der Pandemie haben die noch nicht erfolgten Budgetabschlüsse der Jahre 2020/2021 mit den Kostenträgern zu dem negativen Ergebnis beigetragen. Hier ist insbesondere die Finanzierung der Pflegebudgets per Selbstkostendeckungsprinzip zu nennen. Leider konnte der gesetzlich formulierte Anspruch, dass alle Kosten der Pflege ausgeglichen werden müssen, noch nicht in eine konkrete Vereinbarung mit den Krankenkassen überführt werden. Deshalb mussten die Forderungen gegenüber den Kostenträgern zur vollständigen Finanzierung der Pflegeaufwendungen im Jahresabschluss 2021 für die Jahre 2020 und 2021 aus kaufmännischer Vorsicht wertberichtigt werden. Mit den aktuell vorliegenden Wirtschaftsprüfertestaten ist damit zu rechnen, dass ein baldiger Budgetabschluss folgt. Daher kann davon ausgegangen werden, dass dieser negative Einmaleffekt in Höhe von ca. - 25 Millionen Euro in den Folgejahren in Abhängigkeit von den entsprechenden Budgetabschlüssen korrigiert werden wird.

Zahl der Patienten sinkt, Zahl der Beschäftigten steigt

In den acht somatischen Häusern ging die erbrachte Leistung im Vergleich zur der Zeit vor der Pandemie (2019) um 16 Prozent zurück. Auch zum Vorjahr sank die Zahl der behandelten Patientinnen und Patienten, die sogenannte Fallzahl, noch einmal von ca. 96 000 in 2020 auf ca. 95 000 in 2021. Im bundesweiten Vergleich sank die Zahl im Zweijahresvergleich um 13 Prozent. Der noch deutlichere Rückgang beim KRH ist im Wesentlichen auf den besonders hohen Versorgungsanteil im Bereich der Coronapatientinnen und Patienten zurückzuführen, der wie im Vorjahr deutlich über dem eigentlichen Marktanteil von 40 Prozent, nämlich zwischen 50 und 60 Prozent lag.

Trotz des Leistungsrückgangs war es wegen der Einführung der Pflegepersonaluntergrenzen unbedingt notwendig, den angeschobenen Personalaufbau in einem extrem angespannten Pflegefachkräftemarkt weiter voranzutreiben. Aufgrund der professionalisierten Strukturen gelang bei den Vollkraftstellen ein Aufbau um 142 von 5834 im Jahr 2020 auf 5976 in 2021. Durch die hohe Teilzeitbeschäftigungsquote im Krankenhaus bedeutet dies bei den Beschäftigten eine Zunahme von fast 300 Mitarbeitenden von 8223 in 2020 auf 8516 im Jahr 2021. Damit einher ging eine weitere Stärkung der KRH-eigenen internen Zeitarbeitsstruktur, des KRH MobilTeam, dass neben der Gestellung von Beschäftigten für kurzfristige Ausfälle in 2021 auch die Steuerung und Koordinierung externer Anbieter übernommen hat. Außerdem wurde in dem Jahr erstmalig eine KRH Pflegestrategie über alle Standorte entwickelt, die sich derzeit in der Finalisierung befindet und zusammen mit den aktuellen Versionen der KRH Medizinstrategie die Versorgungsstrategie bilden wird.

32,2 Millionen Euro wurden investiert

Bei den Investitionen wurde im KRH ein neuer Höchstwert erreicht. Diese lagen um etwa fünf Millionen Euro über dem Vorjahreswert bei ca. 32,2 Millionen Euro. Im Wesentlichen flossen die Mittel in die ständig laufenden Modernisierungsprojekte für Patientenzimmer und medizinische Bereiche. Hier sind insbesondere die Maßnahmen im KRH Klinikum Agnes Karll Laatzen, im KRH Klinikum Neustadt am Rübenberge, im KRH Klinikum Robert Koch Gehrden und im KRH Klinikum Nordstadt zu nennen.

Auch die Projekte in der Digitalisierung wurden weiter konsequent umgesetzt. Zusätzlich wurden erhebliche planerische Aufwände betrieben, um sich auf die weitere Digitalisierung und Vernetzung in der Gesundheitswirtschaft vorzubereiten, die im Rahmen des 2021 in Kraft getretenen Krankenhauzukunftsgesetzes gefordert sind und gefördert werden. Ebenso flossen Mittel in die geplanten Neu- und Ersatzbauvorhaben. Hier seien beispielhaft nur die laufende Neubaumaßnahme der Kinder- und Jugendpsychiatrie in der KRH Psychiatrie Wunstorf, der Teilersatzneubau am KRH Klinikum Robert Koch Gehrden, der Neubau des KRH Klinikums Großburgwedel, der Ergänzungsneubau Lehrte oder der Neubau der Zentralapotheke an der Stadionbrücke genannt.

Entwicklung einer KRH Versorgungsstrategie 2030 gestartet

Bundesweit gehen die Experten nicht davon aus, dass sich das Leistungsvolumen der deutschen Krankenhäuser wieder auf das Niveau vor der Pandemie entwickeln wird. Auf diese Entwicklung muss sich auch das KRH einstellen. Wurde der Leistungsrückgang in den Jahren 2020 und 2021 noch durch den Krankenhausrettungsschirm zu großen Teilen ausgeglichen, so läuft diese Unterstützung aus und wird das KRH spätestens im Jahr 2023 mit voller Wucht treffen. Eine wesentliche Erkenntnis ist, dass es mit den bestehenden Leistungsspektren und Leistungsvolumen zukünftig nicht mehr möglich sein wird, die vorhandenen Strukturen gegenfinanzieren zu können.

Der Startschuss für die Entwicklung einer KRH Versorgungsstrategie 2030 wurde durch den KRH Aufsichtsrat bereits im Frühjahr gegeben. Mit Unterstützung von externen Experten werden derzeit Daten erhoben und hochgerechnet, um die zu erwartenden zukünftigen Versorgungsbedarfe in der Region Hannover realistisch einschätzen zu können. Auf Basis der Erkenntnisse soll die kontinuierliche Weiterentwicklung der Medizinstrategie unter Einbeziehung der Expertinnen und Experten aller KRH Standorte mit ihren über 70 Fachkliniken erfolgen.

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