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Viertes Quartal 2021Rückstellungen und Lieferkettenprobleme trüben Philips' Bilanz

Das vierte Quartal 2021 fällt für den Medizintechnikkonzern Philips aufgrund von Lieferkettenproblemen und einem Produktrückruf deutlich schwächer aus als zuvor prognostiziert.

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Der Medizintechnikkonzern Philips kämpft weiter mit weltweiten Lieferkettenproblemen. Hinzu kommen steigende finanzielle Belastungen durch einen Produktrückruf. Nach einem schwachen Schlussquartal kann der Konkurrent von Siemens Healthineers deshalb selbst seine zuletzt gesenkte Jahresprognose nicht mehr erfüllen.

Philips registriere zwar weiterhin eine hohe Nachfrage, die in einem Auftragsbestandsrekord resultierte, sagte Konzernchef Frans van Houten laut Mitteilung vom 12. Januar 2022 in Amsterdam. „Dennoch sahen wir uns in allen unseren Geschäftsbereichen mit erheblich verschärften Problemen in der globalen Lieferkette konfrontiert." Vor allem der Chipmangel belaste, aber auch die verlängerten Zeiten in der Transportlogistik. Hinzu kämen Verzögerungen bei der Installation von Krankenhausausrüstung, dies sei vor allem den Belastungen durch die Pandemie in den Klinken geschuldet, ergänzte der Manager.

Schwaches Quartal aufgrund der erhöhten Rückstellungen

Wie schon im dritten Quartal drückten die Probleme auch im letzten Jahresviertel auf Umsatz und Ergebnis der Niederländer: Während der Auftragseingang laut Unternehmen mit 4 Prozent Zuwachs robust blieb, dürfte den vorläufigen Berechnungen zufolge der Erlös im Schlussquartal bei rund 4,9 Milliarden Euro herauskommen - und damit rund 350 Millionen Euro niedriger als zuvor prognostiziert. Auf vergleichbarer Basis sei dies ein Rückgang zum Vorjahreszeitraum um rund 10 Prozent, hieß es.

Der bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen auf Firmenwerte (Ebita) dürfte 650 Millionen Euro erreichen. Zudem falle eine Sonderbelastung an, die mit 420 Millionen Euro um 315 Millionen Euro höher sei als zuvor erwartet. Grund sind unter anderem höhere Rückstellungen im Zusammenhang mit einem Rückruf bestimmter Beatmungsgeräte des Konzerns.

Die Aktie rutschte zur Wochenmitte um fast 15 Prozent ab auf 28,86 Euro. Damit kostete das Papier in etwa so viel wie im März 2020 kurz nach dem Corona-Schock. Laut Analyst James Vane-Tempest vom Investmenthaus Jefferies war am Markt bereits mit einem schwachen Quartal gerechnet worden, allerdings nicht in einem solchen Ausmaß. Vor allem aber dürfte der Markt die erhöhten Rückstellungen negativ bewerten, erklärte der Experte. Die enormen Auswirkungen der Corona-Pandemie im Winterquartal seien so vom Konzern nicht erwartet worden, räumte der Philips-Chef vor den Analysten ein.

Endgültige Zahlen werden Ende Januar veröffentlicht

So deutet sich für das Gesamtjahr 2021 nun ein Umsatz von 17,2 Milliarden Euro an, dies entspricht den Angaben zufolge auf vergleichbarer Basis einem Minus von einem Prozent. Zuletzt hatte das Management für den Jahreserlös ohne die Effekte von Übernahmen oder Wechselkursveränderungen noch einen Anstieg im niedrigen einstelligen Prozentbereich in Aussicht gestellt. Das Auftragsplus für das Gesamtjahr 2021 bezifferte der Konzern auf vier Prozent.

Die endgültigen Zahlen für das vergangene Jahr will Philips am 24. Januar 2022 veröffentlichen. Dann werde es auch Aussagen zum Jahr 2022 geben, sagte van Houten. Der Manager griff aber schon ein wenig vor und erklärte, dass er auf gewisse Nachholeffekte in den kommenden Quartalen hofft.

Über fünf Millionen Geräte birgen mögliches gesundheitliches Risiko

Nicht nur die Lieferkettenschwierigkeiten, auch die problematischen Beatmungsgeräte beschäftigen Philips schon seit Monaten. Im Juni vergangenen Jahres hatte die US-Tochter Philips Respironics bestimmte Schlaf- und Beatmungsgeräte zurückgerufen, weil sich ein Teil aus Polyurethanschaum zersetzen und giftig werden könnte.

Während die konzerneigenen Studien zur möglichen gesundheitslichen Belastung zwar noch bis in das zweite Quartal andauern dürften, erhöhte Philips in diesem Zusammenhang seine Rückstellungen hierfür um rund 225 Millionen Euro. Grund: Es müssten mehr Maschinen als zuvor gedacht überarbeitet werden. So sollen nun in Abstimmung mit den Behörden auch bestimmte ältere Geräte ersetzt werden.

Weltweit dürften damit insgesamt 5,2 Millionen Geräte betroffen sein. Die entsprechenden Kapazitäten hierfür seien vorhanden, sagte van Houten, und das gesamte Rückrufprogramm werde voraussichtlich im vierten Quartal dieses Jahres abgeschlossen. Der Konzern schließt nunmehr aber noch weitere Rückstellungen in diesem Zusammenhang sowie wegen Rechtsstreitigkeiten nicht aus.

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