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BilanzUMG beschließt 2020 mit ausgeglichenem Haushalt

Die Universitätsmedizin Greifswald (UMG) hat im Pandemie-Jahr 2020 ein Defizit von 400 000 Euro erwirt­schaf­tet. Bei einer Gesamtleistung von rund 371 Millionen Euro gilt das als ausgeglichen. Der Aufsichts­rat hat den Vor­stand daher einstimmig entlastet.

Rechnung
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Symbolfoto

Trotz der vielfäl­tigen Zusatzaufgaben im Kampf gegen die Pandemie, der tarifbedingten Gehaltserhöhungen und der teils er­heb­lich gestiegenen Materialkosten hat die Universitätsmedizin Greifswald ihren Konsolidierungskurs erfolgreich fortgesetzt.

Das Jahr 2020 war wirtschaftlich von der Pandemie geprägt: gesperrte Stationen und freigehaltene Betten, Verschiebung planbarer Operationen, daher erheblich weniger stationäre Patienten, zudem teils astronomische Preise, etwa für Schutzausrüstungen, die zugleich in erheblich größeren Mengen beschafft werden mussten.  Große Teile dieser Kosten wurden gegen­finan­ziert, wie Bund und Länder es versprochen hatten. Auch der Labor­bedarf, der etwa ein Viertel höher war, wurde erstattet.

In anderen Bereichen musste die UMG die Mehrkosten selbst aufbringen. Dazu zählen die Testzentren und der Sicherheitsdienst, aber auch die vermehrt benötigten Verbrauchsmaterialien. Einige Produkte kosteten zeitweilig das Achtfache dessen, was vor der Pandemie zu zahlen war. So stieg der Gesamtaufwand für Material gegenüber dem Vorjahr um 6,6 Millionen Euro. Diese Zusatzkosten konnten nach Ansicht von Toralf Giebe, Kaufmännischer Vorstand der UMG nur deshalb aufgefangen werden, „weil sich die Effekte des fünf Jahre zuvor begonnenen Sanierungskurses weiter auszahlen“.

Die Zahl der Mitarbeitenden stieg von 3227 auf 3247 Vollzeitstellen, das sind 60 mehr als fünf Jahre zuvor. Die Steigerung des vergangenen Jahres lag insbesondere am Anstieg bei den Auszubildenden. Sie sind das „Ergebnis unserer gezielten Maßnahmen, junge Menschen für den Pflegeberuf und die UMG als Ausbildungsbetrieb zu be­geistern“, erläutert Prof. Uwe Reuter, Ärztlicher Vorstand und Vorstandsvor­sit­zen­de. Insgesamt sind an der Unimedizin 4079 Menschen beschäftigt. Die Per­so­nal­kosten der Unimedizin stiegen vor allem tarifbedingt um 14,7 Millionen Euro.

Der Umsatz der Unimedizin betrug vergangenes Jahr 275,7 Millionen Euro. Im Jahr 2019 waren es 257,8 Millio­nen. Dass die Umsatzerlöse um 17,9 Millionen Euro gesteigert werden konnten, liegt unter anderem am erhöh­ten Landesbasisfallwert (LBFW). Mit diesem werden bei der Abrechnung von Leistungen die Fallpauschalen multi­pliziert. Der LBFW wird von den Krankenkassen und Krankenhausgesellschaften auf Landesebene ausgehandelt.

Insbesondere wegen der Corona-Schutzmaßnahmen sank die Zahl der vollstationären somatischen Fälle von 35 680 um 14,5 Prozent auf 30 502. Die daraus resultierenden Leistungsrückgänge wurden durch Freihaltepau­schalen weit­ge­hend aufgefangen. Zugleich stieg die durchschnittliche Verweildauer leicht von durchschnittlich 6,56 auf 6,66 Tage. Ein Grund seien schwerere Fälle gewesen, erläutert Toralf Giebe und nennt als zweiten Grund: „Oft fehlten Möglichkeiten der Abverlegung von Patienten in andere Krankenhäuser und Einrichtungen“, so der Kaufmännische Vorstand. Während der Pandemie hätten viele Häuser keine Patienten aus anderen Ein­rich­tungen aufgenommen.

Die Universitätsmedizin Greifswald konnte die Zahl der Drittmittelprojekte im vergangenen Jahr deutlich von 866 im Jahr 2019 auf 1226 steigern. Die in diesen Projekten verwendeten Mittel sanken leicht von 23 auf 22,8 Millionen Euro.

Giebe zum Jahresabschluss 2020: „Vor fünf Jahren haben der Aufsichtsrat und der Vorstand nach sehr schweren Jahren und einem riesigen Defizit vereinbart, die Greifswalder Universitätsmedizin grundlegend zu sanieren. Das ist erkennbar gelungen. Schon 2018 wur­de ein ausgeglichener Haushalt vorgelegt. Dass wir das nun auch für das krisengeschüttelte Jahr 2020 konnten, beweist: Die Unimedizin ist auf dem richtigen Weg, die Maßnahmen greifen langfristig und selbst in solchen Aus­nahmesituationen zuverlässig.“ Als Beispiel nennt der Kaufmännische Vorstand die konsequent verbesserte Do­kumen­ta­tions- und Kodierqualität, durch die es weniger Verluste durch den Medizinischen Dienst der Kran­ken­kassen gebe. 2015 hatte die UMG noch über 14 Millionen Euro Defizit erwirtschaftet. Danach hatte sie sich schritt­weise dem ausgeglichenen Ergebnis angenähert.

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