kma Online
Innovationsfonds

Wer schafft den Sprung in die Regelversorgung?

Es werden jedes Jahr Millionen von Euro in Projekte des Innovationsfonds investiert. Damit die Gelder nicht verpuffen und am Ende auch wirklich eine bessere Patientenversorgung erreicht wird, müssen die Projekte gut evaluiert werden. Dazu gehört es, dass sowohl Erfolge als auch Misserfolge veröffentlicht werden.

Wecker

pixabay

Die Webseite des Innovationsausschusses weist 81 geförderte neue Versorgungsprojekte auf und weit mehr als 100 Projekte der Versorgungsforschung. Die Projektbeschreibungen sind allerdings knapp gehalten und thematisieren die vorgeschriebene wissenschaftliche Evaluation gar nicht oder nur randständig. Es fehlen Kriterien, um die Wirksamkeit und Nachhaltigkeit der neuen Versorgungsmodelle zu bewerten – und um letztlich zu entscheiden, welche Modelle in die Regelversorgung aufgenommen werden sollten.

Primär- und Sekundärdaten nutzen

Die Evaluation ist ohne Nutzung von Abrechnungsdaten der gesetzlichen Krankenkassen vielfach kaum vorstellbar. Die Bewertung von Evaluationen auf der Basis dieser sog. Sekundärdaten erfordert die Kenntnis ihrer Strukturen und Inhalte, ebenso wie ihrer Potenziale und Limitationen. Zu den Potenzialen gehören ihre Vollständigkeit bzgl. der abgerechneten Leistungen, der klare Versichertenbezug oder die fehlende Selektion. Zu den Nachteilen zählt, dass klinische oder verhaltensbezogene Informationen fehlen. Kritisch bei der Nutzung der Sekundärdaten im Kontext zeitlich begrenzter Evaluationsstudien ist die verzögerte Verfügbarkeit der Daten für wissenschaftliche Zwecke (bis zu drei Quartale bei Abrechnungsdaten aus der vertragsärztlichen Versorgung).

Primärdaten aus Fragebögen oder den Ergebnissen klinischer Tests oder Messungen wiederum weisen andere Stärken und Schwächen auf. Da liegt es nahe, über ein Datenlinkage von Primär- und Sekundärdaten eine synergistische Nutzung der Daten anzustreben. Für die Planung und Durchführung solcher Studien kann das allerdings eine große Herausforderung bedeuten und es kann zu Verzerrungen kommen: Evaluationsteilnehmer könnten zum Beispiel ein Datenlinkage verweigern oder das Follow-up der Primär- und Sekundärdaten dauert unterschiedlich lange.  

Studiendesign muss wohldurchdacht sein

Erfolgreiche Studien müssen ein gutes Design und ein angemessenes, durchdachtes Evaluationskonzept aufweisen. Zudem müssen die Ergebnisse auf andere Versichertenkollektive übertragbar sein. Die Komplexität der Modelle stellt hohe Anforderungen an das Studiendesign, um interne und externe Validität sicherzustellen. Angesichts der Höhe der ausgeschütteten Fördermittel und der öffentlichen Wahrnehmung der Projekte ist dringend zu empfehlen, dass die Ergebnisse veröffentlicht werden – und zwar nicht nur bei einem Erfolg des Projekts (wie immer dieser auch definiert wird), sondern auch bei einem Misserfolg.

Damit ist die Gewähr gegeben, dass erfolgreiche Modelle die Chance haben, in die Regelversorgung überführt zu werden. Und unausgereifte oder nicht praktikable Ansätze müssen nicht weiterverfolgt werden.

Dieses Interview ist ein Beitrag aus der aktuellen Ausgabe von kma Klinik Management aktuell.

  • Schlagwörter:
  • Innovationsfonds
  • Patientenversorgung
  • PD Dr. Enno Swart

Kommentare (0)

Kommentar hinzufügen

Um einen Kommentar hinzuzufügen melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich.

Jetzt anmelden/registrieren