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Das soziale Pflichtjahr ist kein Ersatz für fehlende Pflegekräfte

Die Forderung nach einer allgemeinen Dienstpflicht in sozialen Einrichtungen hat hohe Wellen geschlagen. Ist ein soziales Pflichtjahr dafür geeignet, um den Mangel an Pflegekräften zu kompensieren?

Christian Krohne, freiberuflicher Politik- und PR-Berater und Mitglied bei Hashtag Gesundheit e.V.

Das Thema ist seit der Aussetzung der Wehrpflicht und der damit einhergehenden Abschaffung des Zivildienstes 2011 ein Evergreen. Schulabgänger sollen sich vor dem Übergang in das Studium oder in die Berufsausbildung in sozialen Einrichtungen engagieren und auf diese Weise einen wichtigen Schritt in ihrer Persönlichkeitsentwicklung vornehmen. In diesem Sommer ist – endlich – der Fachkräftemangel im Pflegebereich in der politischen Agenda aufgetaucht und zahlreiche Ideen, wie man diesem erfolgreich begegnen kann, sind seitdem geäußert worden.

So schlug Bundesgesundheitsminister Jens Spahn die Anwerbung ausländischer Pflegekräfte vor. Angesichts der Tatsache, dass sich die Unionsparteien derzeit bezüglich Migrationsthemen regelmäßig in den Haaren liegen und ein „Brain Drain“ aus anderen Ländern, das eigentliche Problem – nämlich die schlechten Arbeitsbedingungen im Pflegebereich – nicht lösen, wurde dieser Vorschlag des Bundesgesundheitsministers schnell ad acta gelegt.  

Pflegeberufe sind Knochenarbeit  

Zuletzt sprach sich die Generalsekretärin der CDU, Annegret Kramp-Karrenbauer, für die Einführung eines sozialen Pflichtjahres aus, um kurzfristig auch den Pflegesektor zu entlasten. Das soziale Pflichtjahr dafür zu nutzen, um ein Jahr lang kurzzeitig Zehntausende Pflegekräfte, geht allerdings völlig am Thema vorbei und würde zudem den Beruf des Pflegers weiter abwerten.  

Der Beruf des Kranken- und Altenpflegers ist noch immer ein Beruf, der eine vollständige Ausbildung erfordert. Es geht nicht darum, bloß alte und kranke Menschen zu bespaßen, zu füttern und eine nette Zeit mit ihnen zu verbringen. Pflegeberufe sind Knochenarbeit und fordern nicht nur physischen, sondern auch psychischen Tribut. Absolventen des sozialen Pflichtjahres können hierbei definitiv unterstützend wirken und sie sollten auch so gut wie möglich in die einzelnen Tätigkeiten involviert werden. Jedoch stellen sie in keinem Fall eine Interims-Pflegekraft dar, die den Job binnen weniger Monate genauso gut erledigen könnte, wie ein voll ausgebildeter Pfleger.

Ist ein „Zwangsdienst“ nicht kontraproduktiv?

Letztlich ist auch das Thema der Freiwilligkeit für einen solchen Dienst zu betrachten. Wie nützlich erweist sich jemand, der ein soziales Pflichtjahr absolvieren muss, für die einzelnen Einrichtungen tatsächlich? Er muss schließlich ein ganzes Jahr hergeben, obwohl er vielleicht schon konkrete Pläne für die Gründung eines eigenen Unternehmens oder Ziele für Studium und Karriere hat, die er so schnell wie möglich umsetzen will.  

Von diesen Personen dann noch höchste Motivation zu erwarten, sich in einem Dienst zu engagieren, der ihnen quasi aufgedrängt worden ist, könnte sich als blauäugig erweisen. Diese dann auch noch als billige Arbeitskräfte im Pflegebereich einzuspannen, sogar als fatal.   Einzig mit einer Aufwertung des Pflegeberufes lässt sich dem Fachkräftemangel erfolgreich begegnen. Aber wie soll das gelingen? Mit einer höheren Vergütung, der Schaffung neuer Stellen und einer stärkeren Digitalisierung von administrativen Arbeitsprozessen ließen sich erste wirksame Schritte rasch umsetzen. Bleibt zu hoffen, dass die Politik dieses Thema weiter anpacken wird.

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