kma Entscheider Blog

„Müller, machen Sie mal Personalmarketing!“

Die Nachrichten zu allgemeiner Personalnot und geschlossenen Stationen überschlagen sich allerorts, die Panik ist förmlich greifbar. Die Einführung der Personaluntergrenzen verschärft die Lage für Krankenhäuser abermals. Aber werden die notwendigen Management-Schritte eingeleitet, um dem zu begegnen? Nein. Stattdessen sollen es einzelne richten.

Martin Camphausen, Director Healthcare und Standortleiter Frankfurt der Kommunikationsagentur JP│KOM.

Betrachtet man die Personal- und Rekrutierungspolitik der meisten Krankenhäuser, fällt vor allem eines auf: Kurzfristigkeit und Ad-hoc-Maßnahmen, wenn das Kind bereits in den Brunnen gefallen ist statt langfristiger Planung und strategischer Bemühungen. Gerade in Zeiten des sich stetig zuspitzenden Fachkräftemangels sind aber vor allem langfristige Management-Maßnahmen, überlegte HR-Investitionen und eine professionelle Kommunikation erforderlich. Doch dafür werden kaum Mittel bereitgestellt. Zu mühsam, zu ressourcenintensiv, zu teuer. Dabei ist das keine Frage des Budgets, sondern der Prioritätensetzung.

Personalbeschaffung ist oberste Chefsache

Viele scheinen stattdessen nach dem Motto: „Herr Müller aus der Personalabteilung wird es schon richten!“ vorzugehen. Doch wie sollen einzelne Mitarbeiter oder im Höchstfall Abteilungsleiter die Kohlen aus dem Feuer holen und etwas entgegentreten, das eine ganze Branche ins Wanken bringt? Personalbeschaffung ist – genauso wie Personalbindung – oberste Chefsache. Nicht zwangsläufig im Operativen, sondern vielmehr im Stellenwert, den Personalthemen innerhalb einer Organisation einnehmen sollten. Insofern ist es Chefsache und Teamwork zugleich. Der Impuls hierzu sollte aber von ganz oben kommen.

Damit ist nicht gemeint, kurzfristig aufgrund hohen Leidensdrucks beträchtliche Budgets – die es zudem vorher für strategische Ansätze nicht gab – für teure Print-Stellenanzeigen in großen Tageszeitungen freizuschalten, Kinospots zu drehen oder auf Effekte getrimmte Kampagnen zu starten. Deren Wirkkraft wird schnell verpuffen. Vielmehr geht es darum, ein Krankenhaus in den Köpfen möglicher Bewerber dauerhaft als attraktiven Arbeitgeber zu verankern. Das gelingt nur über Employer Branding, also Arbeitgebermarkenbildungsprozesse, die aus der Organisation heraus aufgebaut werden. Ja, das ist eine Mammutaufgabe und sicher auch zeitweise mühsam. Es ist aber erforderlich, um sich vom ohnehin zu kleinen Bewerbermarktkuchen im Gesundheitswesen das größte Stück zu sichern.

Ein Ruck muss durch die Reihen gehen!

Vor knapp über 20 Jahren appellierte der ehemalige Bundespräsidenten Roman Herzog in seiner berühmten „Ruck-Rede" durch das von der Wiedervereinigung überforderte Deutschland müsse ein Ruck gehen, um die gewaltigen Aufgaben und Veränderungen zu bewältigen, vor denen es stand. Ein solcher Ruck muss nun auch durch die Krankenhauslandschaft gehen. Es gilt, genauso auf die Digitale Transformation wie auf den Fachkräftemangel Antworten zu finden und zu handeln.

Hoch qualifiziertes Personal findet sich nicht an der nächsten Straßenecke. Und es lässt sich auch nicht mir nichts dir nichts in einem Unternehmen halten. Daher sind Personalbedarfsplanungen und darauf aufbauende Schlüsselkompetenzprofile sowie Personalentwicklungsmaßnahmen wichtig. Human Resources Management (HRM) ist im Idealfall eine gestaltende und keine verwaltende Aufgabe. Sie ist herausfordernd, aber sie macht Spaß. Und sie muss gemacht werden. Nicht von Herrn Müller, sondern angestoßen vom obersten Management.

  • Schlagwörter:
  • Personalmarketing
  • Management
  • Employer Branding

Kommentare (0)

Kommentar hinzufügen

Um einen Kommentar hinzuzufügen melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich.

Jetzt anmelden/registrieren

Neueste Termine

21.03.2019 - 22.03.2019 | 73760 Ostfildern

22.03.2019 - 22.03.2019 | Berlin

26.03.2019 - 26.03.2019 | Hamburg

26.03.2019 - 29.03.2019 | Münster

26.03.2019 - 26.03.2019 | MARKK (ehemals Museum für Völkerkunde) Großer Hörsaal, Rothenbaumchaussee 64, 20148 Hamburg

Alle Termine