kma Entscheider Blog

Personaluntergrenzen in der Krankenpflege – Gut gedacht, schlecht gemacht!

Über die Sinnhaftigkeit der ab dem 1. Januar 2019 geltenden Personaluntergrenzen lässt sich sicherlich streiten – über die Notwendigkeit eines solchen Gesetzes jedoch nicht! Worüber sich die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) hier empört, ist nicht weniger als die Grundlage für die Rettung von Menschenleben.

Ende August wurden nach den gescheiterten Verhandlungen zwischen Krankenhäusern und Kostenträgern per Ersatzvornahme Personaluntergrenzen für vier pflegesensitive Bereiche im Krankenhaus festgelegt. Der Aufschrei der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) war entsprechend laut. Unter anderem wurde moniert, dass die festgelegten Grenzen keine „Mindestpersonalvorgaben“ seien, sondern den Grenzen für qualitativ hochwertige Pflege entsprächen.

Als Gesundheits- und Krankenpfleger auf einer Herz- und Gefäßchirurgischen Intensivstation möchte ich einen genaueren Blick auf die neue Maßnahme und die Kritik der DKG werfen. Einige Punkte der Verordnung zeigen, dass die haupt- und ehrenamtliche Vertretung der professionellen Pflege entweder gar nicht oder nur sehr unzureichend an der Findung der Rahmenbedingungen und der konkreten Zahlen für die Personaluntergrenzen beteiligt gewesen sein kann. Nur so lassen sich einige Denkfehler erklären, welche die Ersatzvornahme enthält.

Untergrenzen sollten auf alle Bereiche im Krankenhaus ausgeweitet werden

Allein die unterschiedliche Untergrenze für Tag- und Nachtdienst auf der Intensivstation macht aus praktischer Sicht keinen Sinn, da sich der Arbeitsaufwand sowohl pflegerisch als auch medizinisch, wenn überhaupt, nur marginal unterscheidet. Die festgelegte Untergrenze für den Nachtdienst weicht auch von den evidenzbasierten Empfehlungen der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) ab.

Es bleibt außerdem zu hoffen, dass die GroKo ihr Vorhaben aus dem Koalitionsvertrag umsetzt und die Untergrenzen auf alle bettenführenden Bereiche im Krankenhaus ausgeweitet sowie auch stationäre Kurz- und Langzeitpflege berücksichtigt. Mit der bisher geplanten Einführung in den vier Bereichen (Geriatrie, Kardiologie, Unfallchirurgie, Intensivmedizin) werden die Kliniken sonst nur zum Verschiebebahnhof für professionell Pflegende. Schließlich könnte Personal zeitweise in einen der vier Bereiche verlegt werden, damit Kliniken hier Sanktionierungen entgehen. Das hätte zum einen zur Folge, dass besagtes Personal in seinem angestammten Bereich fehlt und zum anderen, insbesondere auf Intensivstationen, nicht ausreichend eingearbeitetes und damit unzureichend qualifiziertes Personal zur Verfügung steht.

Alleine die Diskussion darüber, ob diese Untergrenzen sinnvoll sind, sollte uns alle schockieren

Auch wenn diese Tatsache noch nicht bei der breiten Gesellschaft angekommen ist und traurigerweise anscheinend auch nicht bei der DGK: Die professionelle Pflege hat einen entscheidenden Anteil am Outcome des Patienten während eines Krankenhausaufenthaltes. Es gibt mittlerweile genügend Studien, die zeigen, dass die Überlebensrate unmittelbar von der pflegerischen Besetzung während des Klinikaufenthaltes abhängt. Das heißt im Umkehrschluss, dass wir beim Verzicht auf Untergrenzen, die eine qualitativ hochwertige Pflege sicherstellen, Menschenleben bewusst aufs Spiel setzen. Ich bin der festen Überzeugung, dass es einen ähnlichen Diskurs nicht gäbe, wenn wir über Personaluntergrenzen von Ärzten sprechen würden.  

Es wird Zeit, es als selbstverständlich zu betrachten, dass die professionelle Pflege einen ebenso großen Beitrag zur Genesung des Patienten leistet wie die Ärzteschaft. Denn eine erfolgreiche Behandlung gelingt  nur im interdisziplinären Team und nur, wenn von jeder Berufsgruppe in ausreichender Zahl Mitarbeiter vorhanden sind. Und zwar ausreichend für eine qualitativ hochwertige Behandlung – und nicht für eine Behandlung, die den Patienten nicht gefährdet.

  • Schlagwörter:
  • Personaluntergrenzen
  • Blog
  • Krankenpflege

Kommentare (1)

  1. Mehr davon

    12.10.2018, 19:44 Uhr

    Gratuliere Florian für diesen sehr gelungenen Artikel! Wir brauchen mehr Pflegekräfte von deinem "Schlag". #pflegebewegung

Kommentar hinzufügen

Um einen Kommentar hinzuzufügen melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich.

Jetzt anmelden/registrieren

Neueste Termine

10.12.2018 - 10.12.2018 | Frankfurt am Main

10.12.2018 - 10.12.2018 | Stuttgart

11.12.2018 - 11.12.2018 | Berlin

11.12.2018 - 11.12.2018 | Coachingbüro Sinn meets Management GmbH, Münsterstr. 111, 48155 Münster

Alle Termine