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Probleme mit unzureichender Versorgung in psychiatrischen Kliniken

Bei der Behandlung psychisch kranker Menschen klafft eine große Lücke zwischen ambulanten und stationären Versorgungsformen, warnt der SVR Gesundheit. Wie können die Ressourcen besser verteilt werden?

Christian Krohne, freiberuflicher Politik- und PR-Berater und Mitglied bei Hashtag Gesundheit e.V.

Im diesjährigen Gutachten des Sachverständigenrates zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen (SVR Gesundheit) wird darauf hingewiesen, dass die psychiatrische Versorgung in deutschen Kliniken effizienter und vielfältiger gestaltet werden muss. Patienten, die in ihrem Alltag nur bedingt eingeschränkt sind, kann durch eine Psychotherapie mit mehreren Stunden wöchentlich wirksam geholfen werden – ohne stationären Aufenthalt. Laut Einschätzung des SVR Gesundheit erhalten Patienten in den Kliniken häufig ohnehin keine intensivere Behandlung als in psychotherapeutischen Praxen, sodass die Ressourcen sinnvoller eingesetzt werden sollten.  

Liegt hier ein möglicher Lösungsansatz für die Personalprobleme im Pflegebereich?

Ganz so einfach ist es leider nicht. Bislang gibt es bundesweit nur zehn psychiatrische Kliniken, die überhaupt in der Lage sind, stationsäquivalente Behandlungen – also ein Angebot bestehend aus psychiatrischer Therapie und Krankenpflege, das auch ambulant funktioniert – durchzuführen. Eine andere Verteilung von stationären und ambulanten Versorgungsformen würde daher de facto irrelevant für psychiatrische Pflegekräfte sein.  

Die psychiatrischen Kliniken selbst schätzen, dass derartige Versorgungsformen nur einem Teil der Patienten zu Gute kommen würden. Zwischen 20 und 30 Prozent der psychisch Kranken, die in Kliniken behandelt werden, könnten auch ambulant behandelt werden, wenn es außerhalb der Kliniken zusätzliche intensivere Angebote gäbe. Die Anwendung stationsäquivalenter Leistungen wäre laut SVR-Gutachten eher für Patienten zu empfehlen, die bereits stationär behandelt würden und über eine gewisse Stabilität verfügen – weniger denjenigen, deren Krankheitszustand sich ambulant verschlechtert.  

Enorme Entlastung für psychiatrische Pflegekräfte

Um den Weg in ein patientenzentriertes und innovatives psychiatrisches Versorgungsangebot zu ebnen, müssen die Möglichkeiten für den Einsatz stationsadäquater Behandlungen, Home Treatments sowie der Nutzung modernster Technologien jedoch deutlich verbessert werden. Dies würde auch eine enorme Entlastung für psychiatrische Pflegekräfte bedeuten, die sich neben den ohnehin schon sehr anspruchsvollen Tätigkeiten eines Gesundheits- und Krankenpflegers zusätzlich permanent im Krisenmodus befinden, da sich viele psychische Erkrankungen in einer gesteigerten Konfliktbereitschaft der Patienten äußern und diese behutsam von den Pflegekräften in den Griff gebracht werden müssen.

Was die Politik tun muss

Die Bundespsychotherapeutenkammer fordert bereits seit Langem, dass die gesetzlichen Grundlagen für einen flächendeckenden Aufbau einer ambulanten Versorgung psychisch kranker Menschen, die einen komplexem Behandlungsbedarf haben, geschaffen werden. Die Politik scheint mittlerweile immerhin die Bedeutung psychischer Gesundheit erkannt zu haben und beteiligt sich rege an Aufklärungskampagnen. So weit, so gut. Ideal wäre es, wenn bald auch eine Verbesserung der gesetzlichen Grundlagen folgt, die eine zeitgemäße und patientenindividuelle psychiatrische Behandlung ermöglicht und vor allem fördert.

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