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kma Entscheider BlogWie Künstliche Intelligenz das Krankenhausmanagement verändern wird

Künstliche Intelligenz (KI) ist längst im Gesundheitswesen angekommen. Doch die Potenziale sind weit größer und weitreichender als es die meisten vermuten.

Manuel Heurich
BinDoc

Manuel Heurich, Gründer und Geschäftsführer der BinDoc GmbH und Dozent an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg.

Bei Diskussionen um künstliche Intelligenz (KI) im Gesundheitswesen denken die meisten Markteilnehmer als erstes an die Potenziale in der Bilderkennung im radiologischen Bereich. Machine Learning (ML) ermöglicht hierbei beispielsweise die automatisierte Erkennung pathologischer Veränderungen von Gewebe. Auf Basis sehr vieler Trainingsdaten (zum Beispiel CT-Bildern) ist die KI in der Lage neue CT-Scans automatisiert zu analysieren und auszuwerten. Hierdurch können exaktere Ergebnisse erzielt werden als das durch die rein menschliche Begutachtung radiologischer Bilder möglich ist.

Nicht weniger eindrucksvoll und bereits im Einsatz ist die KI in der Endoskopie. Auch hier geht es um intelligente Bilderkennung, die beispielsweise den Gastroenterologen bei der täglichen Arbeit unter die Arme greifen kann. Olympus hat hier beispielsweise mit seiner neuen Plattform ENDO AID eine Technologie auf den Markt gebracht, die in Echtzeit verdächtiges Tumorgewebe erkennen und dem untersuchenden Arzt wiedergeben kann.

Machine Learning Algorithmen ermöglichen neue Entscheidungswege

Der Fokus dieser Plattformen liegt aktuell auf dem operativen Geschäft, die häufig die medizinischen Anwender unterstützen. ML-Algorithmen machen aber auch vor dem strategischen Management nicht halt. Bislang wenig erprobt und kaum in der alltäglichen Anwendung verfügbar sind intelligente Assistenzsysteme für das Krankenhausmanagement. Konkret geht es hierbei darum, das Management in einer objektiven Entscheidungsfindung im Hinblick auf Medizinstrategie und Ressourceneinsatz zu unterstützen.

Werden Entscheidungen heute immer noch schwerpunktmäßig von der Ressourcenbasis der Kliniken abhängig gemacht, wird in Zukunft die Nachfrageseite eine immer größere Rolle spielen. Ich glaube, dass sich das insbesondere durch die Entwicklung der letzten Monate massiv verändern wird. Zum einen schreitet die Digitalisierung seit 2018 mit etwas schnelleren Schritten voran. Patientenportale wie ada health, die Weisse Liste oder Jameda erhalten in der Auswahl von Kliniken und der Informationsbeschaffung der Patienten eine immer wichtigere Bedeutung.

Corona-Pandemie beschleunigt Digitalisierung

Beschleunigt wurde diese Entwicklung durch die immer noch andauernde Corona Pandemie, die folgende wesentliche Effekte auslöst: Die Digitalisierung und Patientenportale gewinnen weiter an Bedeutung, Patienten werden zunehmend vorsichtiger aus Angst vor nosokomialen Infektionen, die Patienten selektieren Kliniken bewusster durch die schwindende Informationsasymetrie und die Patienten sind mobiler als das in der Vergangenheit der Fall war.

Wir sehen also einen Trendwechsel weg von einer angebotsorientierten hin zu einer nachfrageorientierten Krankenhausstrategie. Dieser Trendwechsel forciert das Thema KI für das strategische Krankenhausmanagement, um Patientenpotenziale, Prognosen, Wettbewerbssituationen und das Zusammenwirken von Qualität und Wirtschaftlichkeit besser in den strategischen Zielfindungsprozess integrieren zu können.

Wie kann Künstliche Intelligenz das Management unterstützen?

Auf der einen Seite wird die Mustererkennung, auch Data Mining genannt, die Marktanalytik revolutionieren. Medizinisch notwendige Schwerpunktbildungen können mithilfe von Predictive Analytics Algorithmen in Kombination mit bestehenden Krankheitsprävalenzen und der verfügbaren personellen und medizinisch-technisch-infrastrukturellen Gegebenheiten vollständig visualisiert werden. Dies ermöglicht dem Geschäftsführer seine Klinik exakt auf den Bedarf der Patienten und die Wettbewerbssituation strategisch auszurichten. Aber nicht nur das Krankenhausmanagement wird von diesen Big-Data Mustererkennungen profitieren. Planungsbehörden wie Landesministerien wird ein neuer Blick auf die Kliniklandkarte ermöglicht, der insbesondere den qualitativen Aspekt sowie den Patientennutzen in den Vordergrund stellen sollte. 

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