kma guide zur Medica: Alle Artikel
Sie haben als Klinikchef einen vollen Terminkalender, trotzdem gehen Sie auf die Medica. Wieso ist der Besuch in Düsseldorf für Sie so wichtig?
Ich versuche eigentlich jedes Jahr, auf die Medica zu gehen. Klappen tut das allerdings nur manchmal. Dieses Jahr sind jedoch zwei Tage fest eingeplant, und das hat einen gewichtigen Grund: Bei uns steht die Komplettsanierung des 160-Betten-Hauses in Weilheim an – wir investieren 35 Millionen Euro und erneuern damit Stationen, OP-Säle und die Fassade. Das ist – über die nächsten vier Jahre – sozusagen eine OP am offenen Herzen. Jetzt hat die Phase begonnen, in der wir Angebote für Produkte anschauen. Auf der Medica suchen wir Produkte für den OP, die Notaufnahme und die Zentralsterilisation. Dazu führe ich Gespräche mit Herstellern. Einen besonderen Stellenwert haben die Treffen mit Modulbauern, denn hier möchten wir so bald wie möglich eine strategisch wichtige Entscheidung treffen.
Worum dreht es sich dabei?
Unser Baubeginn war diesen Sommer, die geplante Bauzeit beträgt vier Jahre. Wir haben mehrere Stationen und auch die OPs in Containern außerhalb des Gebäudes ausgelagert. Wir überlegen nun, eine weitere Station auszulagern, denn das könnte die Bauzeit um bis zu zwölf Monate verkürzen. Es ist die Frage, ob und welches Finanzierungsmodell sich für uns lohnt. Mietkauf wäre eine Option: Das heißt, der Hersteller stellt die Container für eine Monatsrate auf, und am Ende können wir eine Schlusszahlung leisten, wenn wir den Container behalten wollen. Alles hängt natürlich vom Preis ab. Aber eines ist klar: Lange Bauzeit und Lärm passen nicht zu einem Krankenhaus mit Patienten, die sich erholen müssen.
Was würden Sie mit den Containern machen?
Die Modulbauweise macht einen flexibel, und das gefällt mir. Wer weiß schon, was in fünf Jahren Standard ist?
Wen nehmen Sie mit zur Medica?
Ich nehme voraussichtlich den Technischen Leiter, der auch Bauleiter ist, und den Leiter Medizintechnik mit auf die Messe.
Wie bereiten Sie sich auf den Medica-Besuch vor?
Wir haben eine Strategie und suchen auf der Medica nach fachlichen Lösungen für die einzelnen Themen.
Mit was wollen Sie von der Messe zurückkommen – welche Ziele verfolgen Sie?
Aufgrund der Gespräche möchten wir konkrete Vorgehensweisen für kommende Bauphasen festzurren. Außerdem wollen wir Entscheidungen zu bestimmten Medizintechnikgeräten abschließen, beziehungsweise festlegen, welche Firmen wir zur Probebestellung einladen. Wir treffen hier eine ökonomische Vorauswahl, am Ende entscheiden dann unsere Mediziner vor Ort. Außerdem sollen sich mein Technischer- und Medizintechnikleiter das nötige Detailwissen holen, um die Ausschreibung so konkret wie nötig formulieren zu können.
Bleibt darüber hinaus Zeit fürs Schlendern durch die Messehallen?
In der Vergangenheit habe ich mir immer auch unverfänglich Innovationen auf der Medica angeschaut. Dieses Mal habe ich an den zwei Tagen mehr als zehn fixe Termine – da bleibt wenig Zeit. Wenn es geht, will ich aber trotzdem durch die Ausstellerhallen schlendern. Es faszinieren mich immer technische Neuerungen im Medizinsektor, die in Zusammenhang mit Smartphones stehen, die lasse ich mir dann auch gerne erklären.
Welche Rolle spielt das Netzwerken auf der Medica?
Ich treffe mich mit Geschäftsführer-Kollegen und Vertretern von Firmen, mit denen ich lange zusammenarbeite. Das ist wie bei Kongressen: Die Vorträge müssen gut sein, aber genauso wichtig sind die Pausengespräche. Oft findet man gerade in diesen Gesprächen pragmatische Lösungen für seine Probleme.
Können Sie dazu ein Beispiel nennen?
Kürzlich kam ich in der Pause einer Tagung mit einem Kollegen auf das Thema Beleghebammen zu sprechen. Der Gesprächspartner rief mich später an und befragte mich zu Vor- und Nachteilen von Beleghebammen contra Festangestellte. Er wollte wissen, wie bei uns das Beleghebammensystem genau funktioniert. Ich glaube, unser Gespräch war sehr hilfreich für ihn. Solche Situationen des kollegialen Austausches finden auf Veranstaltungen wie diesen regelmäßig statt. Darüber hinaus sind Kongresse und Messen natürlich auch wandelnde Jobbörsen – weniger für uns selbst, sondern für Positionen, die wir besetzen müssen. Beispiel: Ein Kollege hat gerade eine Stelle ausgeschrieben, die auch ich besetzen möchte, und zwei Top-Bewerbungen liegen auf seinem Tisch. Ich bitte den Kollegen dann, den unterlegenen Bewerber zu fragen, ob wir seine Bewerbung haben können … und schon habe ich einen Top-Bewerber für eine Stelle, die ich besetzen möchte.

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