Georg Thieme Verlag KG

Serie5 Fragen an Dominik Böhler

Die Digitalisierung des Gesundheitswesens steckt nach Meinung von Dominik Böhler, Professor für „Management in Digital Healthcare“ an der Technischen Hochschule Deggendorf (THD), noch in den Kinderschuhen. Seine Vision ist eine Gesundheitsversorgung ohne Papier.

Prof. Dominik Böhler
Bert Willer/Composed by Thieme

Dominik Böhler ist Professor für Management in Digital Healthcare an der Technischen Hochschule Deggendorf.

Wie sieht Ihr typischer Arbeitstag aus?

Momentan verbringe ich circa 50 Prozent meiner Zeit mit Vorbereitung und Durchführung von Lehrveranstaltungen. 25 Prozent mit der Entwicklung von neuen Projekten für bessere intersektorale Zusammenarbeit. 25 Prozent mit dem Austausch mit Innovatoren und Gründern.

Wo wachsen Ihre persönlichen mit gesellschaftlichen Zielen zusammen?

Ich bin ein großer Fan von unkomplizierter Zusammenarbeit und schnellen Prozessen. Leider ist das im Gesundheitswesen die Ausnahme. Wir haben zu viel Bürokratie. Die Chance, dass wir davon im Gesundheitswesen in Zukunft weniger haben könnten, motiviert mich. Ich möchte daher weiterhin einen Beitrag dazu leisten, dass junge Talente ihre Chance erkennen und als Gründer eines eigenen Unternehmens auch nutzen können. Im Gesundheitswesen treten wir gerade erst an die Startlinie der Digitalisierung.

Welches Thema erhält zu wenig Beachtung in der Gesundheitsbranche?

Mich hat es schon immer gestört, dass wir im Gesundheitswesen high-end OP-Säale haben, außen herum aber wenig digital ist. Insbesondere, wenn ich als Arzt oder Patient über Grenzen einer Institution hinweg arbeiten muss, ist alles plötzlich sehr schwierig und liegt auf meinen Schultern. Wir externalisieren hier die Kosten der Digitalisierung auf Einzelpersonen. Das darf so nicht weitergehen. Mein Wunsch wäre, dass wir es uns einfach nicht gefallen lassen, wenn wir etwas auf Papier bekommen. In den meisten Fällen, liegt das nämlich nicht am Datenschutz, sondern an mangelnder Kreativität in der digitalen Prozessgestaltung.

Gibt es Fachbereiche, die stärker kooperieren sollten?

Am liebsten alle! Wir haben jetzt die Chance auf Basis der Telematikinfrastruktur neue Prozesse gemeinsam zu gestalten. Patienten und Ärzte sollten noch deutlich mehr mitgestalten als bisher. Am Ende ist das Wissen um den besseren Prozess genau bei diesen Akteuren. Vor allem im ambulanten Bereich gibt es hier noch große Möglichkeiten in regionalen Gesundheitsökosysteme diese Prozesse zu verändern und Zusammenarbeit zu stärken.

Haben Sie ein Vorbild?

Ich bewundere Bertha Benz. Sie hat als Frau Ende des 19. Jahrhunderts eine Technologie auf die Straße gebracht, die unsere aller Leben immer noch prägt. Sie hat dabei große gesellschaftliche Hürden überwunden und viel improvisiert. Das Ganze ohne Führerschein und mit zwei Kindern an Bord! Wir befinden uns momentan in einer ähnlichen Transformation und brauchen den Mut einfach aufzusteigen. Dazu benötigt es ein starkes persönliches Bedürfnis etwas erreichen und verändern zu wollen.

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