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Serie5 Fragen an Dr. Phillipp Kurtz

Als Mitgründer und Geschäftsführer des Messenger-Startups Famedly ist es Dr. Phillipp Kurtz wichtig, nicht nur die Gesundheitsbranche digital zu verbessern, sondern auch seine Mitarbeiter*innen angemessen zu entlohnen.

Dr. Phillipp Kurtz
Startup TV/Composed by Thieme

Dr. Phillipp Kurtz, Co-Founder und CEO der Famedly GmbH.

Wie sieht Ihr typischer Arbeitstag aus?

Ich starte den Arbeitstag meist entweder mit der Bearbeitung meiner Mails oder der Erledigung kleiner Routineaufgaben. Zwischen neun Uhr und 17 Uhr verbringe ich viel Zeit in Videokonferenzen. Dabei habe ich eine große Bandbreite an Themen, die mich beschäftigen. Das reicht vom Management von wichtigen Kundenprojekten, wie zum Beispiel der Integration des Famedly Messengers in das Primärsystem der Universitätsklinik Frankfurt, über Verhandlungen mit Kooperationspartnern bis hin zu internen Steuerungsmeetings in dem von mir verantworteten Businessbereich (Marketing, Vertrieb, Finanzen, Operations, etc.). Sofern Lücken zwischen den Meetings vorhanden sind, nutze ich diese für die Dokumentation meiner Arbeit oder die Lektüre von Fachartikeln zum Thema Digitalisierung in der Gesundheitsbranche. Erst am späten Nachmittag komme ich in der Regel zur Arbeit an wichtigen, inhaltlichen Aufgaben, z. B. der Prüfung von Vertragstexten, der Erstellung von Dokumenten für Kunden oder dem Schreiben von Angeboten für strategischen Kunden. Wenn zwischendrin etwas Zeit bleibt kümmere ich mich seit Kurzem auch immer wieder um meinen persönlichen Social Media Auftritt. Ich lade auch alle Leser ein, über LinkedIn mit mir in den Austausch zu treten.

Wo wachsen Ihre persönlichen mit gesellschaftlichen Zielen zusammen?

Das ist eine gute Frage. Die naheliegende Antwort wäre zu sagen, dass ich als Arzt und Digital Health Gründer ohnehin das persönliche Ziel habe, die Gesundheitsbranche zu verbessern, indem wir mit unseren Produkten den Arbeitsalltag von ärztlichem und pflegerischem Personal besser machen, was nach meiner Ansicht auch ein gesamtgesellschaftliches Ziel ist. Das ist auch einer der Gründe, warum wir einiges von unserem Know-How im Rahmen der Zusammenarbeit bei der TI Messenger Spezifikation mit der Gematik geteilt haben. Aber natürlich gibt es da noch viel mehr. Als Geschäftsführer habe ich auch persönlich das Ziel das Wachstum meines Unternehmens voranzutreiben und unserer Belegschaft nachhaltig angemessene Löhne zu zahlen und auch so einen Beitrag zum gesellschaftlichen Ziel, möglichst viele Menschen in gute Arbeit zu bringen, zu leisten.

Welches Thema erhält zu wenig Beachtung in der Gesundheitsbranche?

Ich finde, dass schon viele wichtige Themen auch die Beachtung bekommen, die sie verdienen wie zum Beispiel Pflege, Digitalisierung oder Interoperabilität. Wenn ich eine Ergänzung machen müsste, wäre es wahrscheinlich die Stärkung von Digitalkompetenz in der Ausbildung. Insbesondere im Hinblick auf die Grundlagen der Datenverarbeitung. Damit wir in Zukunft in der Lage sein werden mit Big Data und KI-Algorithmen medizinische Forschung zu machen und die Patientenbehandlung zu verbessern, braucht es ein Verständnis beim medizinisch-pflegerischen Fachpersonal für diese Themen. Denn nur wenn die Qualität von Gesundheitsdaten – und dazu zählen insbesondere auch Beobachtungen des Fachpersonals – ausreichend hoch ist, kann mit digitalen Technologien vernünftig gearbeitet werden. Deshalb sollten die entsprechenden Personen frühestmöglich mit den Anforderungen vertraut gemacht werden.

Gibt es Fachbereiche, die stärker kooperieren sollten?

Auf jeden Fall! Natürlich haben manche Fachbereiche mehr Überschneidungen mit dem einen als mit dem anderen Fachbereich, aber aus meiner Sicht brauchen wir insgesamt mehr Kooperation, und zwar zwischen allen Fachbereichen, Berufsgruppen und auch mit der Industrie. Ich bin der festen Überzeugung, dass Medizin immer Teamarbeit ist und die Patientenbehandlung nur gelingen kann, wenn man den Menschen ganzheitlich und gemeinsam im interdisziplinären Austausch betrachtet. Jede Information und jeder Blickwinkel bringt einen Mehrwert, egal ob er aus der Hausarztpraxis, der Pflege im Krankenhaus, der Pharmazie oder der Medizinsoftware kommt. Das ist übrigens auch einer der wichtigsten Gründe, die mich veranlasst haben, mein eigenes Unternehmen zu gründen. Weil ich am eigenen Leib erfahren habe, wie mühsam die Zusammenarbeit im Alltag häufig ist, wollte ich allen Stakeholdern eine einfache Möglichkeit für den Austausch untereinander geben und so meinen Beitrag zu mehr Kooperation leisten.

Haben Sie ein Vorbild?

Ich habe sogar viele Vorbilder und gerade aus dem persönlich-familiären Umfeld gibt es einige Personen, die mich bis heute stark prägen. An klassischen Vorbildern fällt mir ansonsten noch Bill Gates ein. Mich beeindruckt neben des Aufbaus von Microsoft insbesondere seine Begeisterung für komplexe Probleme und sein dauerhaftes Streben nach der nächsten großen Herausforderung. Es reicht ihm nicht, einen der größten Plattformkonzerne der Welt aufgebaut zu haben, sondern er möchte mit seiner Stiftung unter anderem die Armut auf der Welt nachhaltig bekämpfen. Manche empfinden das als Anmaßung, mich inspiriert das und spornt mich an jeden Tag das Beste zu geben für mich, meine Familie und Freunde, mein Unternehmen aber auch für das Gesundheitswesen und unsere Gesellschaft.

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