Georg Thieme Verlag KG

Serie5 Fragen an Laura Wamprecht

Die studierte Biochemikerin Laura Wamprecht hat die Zukunft fest im Blick. Mit ihrem Innovationsnetzwerk Flying Health begleitet sie große und kleine Unternehmen auf dem Weg ins Gesundheitswesen 2.0.

Laura Wamprecht
Markus Braumann/Composed by Thieme

Laura Wamprecht, Geschäftsführerin der Flying Health GmbH, ein Ökosystem für die Gesundheitsversorgung der Zukunft.

Wie sieht Ihr typischer Arbeitsalltag aus?

Meine Arbeit ist sehr vielfältig und meine Tage dadurch sehr unterschiedlich. Ein wichtiger Aspekt ist die Interaktion mit unseren Partnerunternehmen. In gemeinsamen Workshops oder Sparring Sessions arbeiten wir gemeinsam neue Opportunitäten heraus, die etwa durch technologische Weiterentwicklungen, wie Labortests für zu Hause, entstehen. Gemeinsam erarbeiten wir dann passende Strategien. Oder wir konzipieren sehr konkrete Projekte zum Beispiel für einzelne Versorgungspfade. Als Ökosystem spielt dabei unser großes Netzwerk eine wichtige Rolle.

Daher ist ein weiterer Aspekt meiner Arbeit, die richtigen Personen und Unternehmen miteinander in Kontakt zu bringen, um die Projekte dann Realität werden zu lassen. Um diese Arbeit gut zu machen, müssen wir immer ein Bild von der nahen und fernen Zukunft der Medizin haben. Dafür tausche ich mich viel mit unserem Insights Team aus. Jeden Montag besprechen wir über 100 News aus der ganzen Welt und diskutieren, welche Auswirkung diese Entwicklungen auf die Geschäftsmodelle unserer Partnerunternehmen haben.

Wo wachsen Ihre persönlichen mit gesellschaftlichen Zielen zusammen?

Ich hatte schon immer den Drang anzupacken und etwas Neues aufzubauen, um die Welt ein bisschen besser zu machen. In meinem Beruf kann ich dem jeden Tag nachgehen und immer wieder Neues entdecken und etwas in Bewegung setzen. Ich glaube, dass uns das auch als Gesellschaft nach vorne bringt, wenn wir neugierig bleiben, uns auf die Zukunft freuen und immer wieder aktiv Neues gestalten. Mit diesem Mindset kann ich mir persönlich, beziehungsweise können wir uns als Gesellschaft das Umfeld schaffen, in dem wir gerne leben.

Welches Thema erhält zu wenig Beachtung in der Gesundheitsbranche?

Der vielfältige technische und medizinische Fortschritt mit seiner umfassenden transformativen Kraft wird aus meiner Sicht noch nicht ausreichend beachtet. Das mag absurd klingen, wo wir doch so viel über Digitalisierung sprechen – aber wir dürfen da eben nicht stehen bleiben. Wir sehen, dass sich am Horizont Innovationen abzeichnen, die Biowissenschaften und Technologie vereinen und dadurch eine enorme Schlagkraft haben. Beispielsweise 3D-Druck und Bioprinting werden ganze Wertschöpfungsketten im Gesundheitswesen verändern. Das wird noch unterschätzt. Da kommt noch ganz viel Neues und ich habe die Sorge, dass das deutsche Gesundheitswesen gerade mit seinem starken Fokus auf operative Themen die Zukunft aus dem Blick verliert.

Gibt es Fachbereiche, die stärker kooperieren sollten?

Im digitalen Zeitalter läuft Kooperation auf verschiedenen Ebenen und ich habe den Eindruck, dass es eine große Offenheit für industrieübergreifende Zusammenarbeit gibt. Auf der technischen Ebene bin ich optimistisch, dass Interoperabilität in den nächsten Jahren keine Herausforderung mehr sein wird, sondern eine Selbstverständlichkeit. Was dann noch fehlt ist die unbürokratische Verankerung von Kooperationsansätzen in den Versorgungsstrukturen. Dafür werden wir sicherlich über Vergütungsstrukturen sprechen müssen. Das wird vermutlich ein prägendes Thema der nächsten Legislaturperiode.

Haben Sie ein Vorbild?

Ich habe nicht das eine große Vorbild, sondern verschiedene Persönlichkeiten, deren Lebensweg oder deren Art zu Wirken mich beeindrucken und von denen ich mir eine Scheibe abschneiden möchte. Manchmal sind es einfach „Helden des Alltags“. Wenn ich zum Beispiel Situationen in einem Supermarkt oder an der S-Bahnhaltestelle erlebe, wo Menschen besonders hilfsbereit und couragiert handeln, beeindruckt mich das und bringt mich dazu, mein eigenes Handeln immer wieder zu hinterfragen. Und manchmal sind es auch Personen des öffentlichen Lebens wie zum Beispiel Kamala Harris, die erste Vizepräsidentin der USA, die mich mit ihrem Ehrgeiz und ihrer Ausstrahlung begeistern.

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