Georg Thieme Verlag KG

AsklepiosBürokratie bremst Digitalisierung an Kliniken aus

Vor einem Jahr war das KHZG beschlossene Sache. Zeit Bilanz zu ziehen für Asklepios. Ernüchterung macht sich breit. Noch ist nichts entschieden und sämtliche Digitalisierungs-Anträge stecken noch in den Mühlen der Bürokratie. Die Uhr tickt, denn ab 2025 drohen den Kliniken Abschläge.

Aktenordner
stockpics/stock.adobe.com

Symbolfoto

Seit Jahren zählt Deutschland bei der Digitalisierung im Gesundheitswesen im internationalen Vergleich zuverlässig zu den Schlusslichtern. Die Pandemie hat die Defizite deutlich offengelegt. Mit dem Krankenhauszukunftsgesetz (KHZG) wollte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn die Digitalisierung fördern. Doch tatsächlich bewegt, hat sich hat sich faktisch bisher nichts. Entscheidungen stehen aus und die Bürokratiemühlen mahlen langsam. Zugleich tickt die Uhr, denn werden die Projekte nicht bis 2024 abgeschlossen, werden die Kliniken mit Abschlägen bei der Förderung bestraft.

Asklepios stellte mehr als 200 KHZG-Anträge

Die Asklepios Kliniken haben pro Klinik zwischen vier und neun Projekte eingereicht, insgesamt mehr als 200. In manchen Krankenhäusern waren das zum Beispiel die „mobile Visite“, bei der schon während der Arztvisite alle Befunde und therapeutischen Anordnungen papierlos dokumentiert werden können. Auch der digitale, automatische Medikamentencheck auf Interaktionen zwischen Wirkstoffen bei Verordnungen zählt dazu. Beides klingt in Deutschland, wo viele Ämter noch am Fax hängen, mancherorts nach Science-Fiction, ist in anderen europäischen Ländern hingegen schon lange Standard.

Für die Förderung der Projekte von Asklepios mussten insgesamt über 1300 Antragsformulare ausgefüllt werden, denn in jedem Bundesland gelten andere Formulare – und andere Regelungen. Manche Bundesländer reichten die Anträge nach Prüfung an das Bundesamt für soziale Sicherheit (BAS) direkt weiter, andere Bundesländer haben eigene Anforderungen und Formulare entwickelt und/oder hatten zahlreiche Rückfragen, die beantwortet werden mussten. In Hamburg kamen vier Monate nach Einreichung „Antragsvolumenbescheide“, die neue Anträge erforderlich machten.

„Der Aufwand und der langsame bürokratische Ablauf im Entscheidungsprozess konterkarieren die Digitalisierung“, sagt Kai Hankeln, CEO der Asklepios Kliniken. „Selbst die Bezeichnung Krankenhauszukunftsgesetz ist schon in sich irreführend und eine ungewollte Parodie, denn es geht eigentlich darum, erst einmal das nachzuholen, was in anderen Ländern längst üblich ist“, so Hankeln weiter, „unsere Befürchtung ist, dass die langen Bearbeitungsprozesse Projekte gefährden und womöglich zu Sanktionen gegen die Kliniken führen.“ Bei einigen Bundesländern wirkt es, als spielten sie auf Zeit, um ihren Anteil der Förderung von 30 Prozent (bei 70 Prozent Bundesanteil) hinauszuzögern.

Andere wie Hamburg und Hessen verpflichten die Krankenhäuser 15 Prozent der Investitionen selbst zu stemmen, was in der aktuellen Situation, in der laut Roland Berger-Studie mindestens die Hälfte aller deutschen Kliniken rote Zahlen schreiben, auch nicht allen möglich sein dürfte.

Einzelprojektförderung vs. zentrale Projektdurchführung

Aber bezüglich der notwendigen informationstechnologischen Basis ist im KHZG auch noch einiges unausgegoren, wie Henning Schneider, Konzernbereichsleiter IT der Asklepios Kliniken beklagt: „Wir müssen die Fördergelder vielerorts erst einmal dafür nutzen, um notwendige Investitionen in die grundlegende Infrastruktur nachzuholen.

Außerdem denkt das KHZG immer auf Klinikebene, indem nur Einzelprojekte gefördert werden, die nicht über ein Krankenhaus hinausgehen – eine zentrale Projektierung auf Klinikverbundebene und damit eine zentrale Projektdurchführung im Sinne der Wirtschaftlichkeit und zum Nutzen der Patient*innen ist so tatsächlich nicht vorgesehen.“ Standards, die eine Zusammenarbeit verschiedener Krankenhäuser erleichtern, so dass bei einer Weiterbehandlung alle notwendigen Daten verfügbar wären, bleiben also bis auf weiteres Zukunftsmusik.

Bitte loggen Sie sich ein, um einen neuen Kommentar zu verfassen oder einen bestehenden Kommentar zu melden.

Jetzt einloggen

  • Derzeit sind noch keine Kommentare vorhanden. Schreiben Sie den ersten Kommentar!