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360-Grad-BlickCharité setzt auf Patientenbegleit-App zur OP-Vorbereitung

Die Charité setzt bei der Vorbereitung zum operativen Gelenkersatz in Knie oder Hüfte jetzt eine Patientenbegleit-App ein. Die Kommunikation von allen, die an der Behandlung beteiligt sind, wird auf einer medizinischen Plattform gebündelt.

Ärzte mit Tablet
AdobeStock/Peera

Symbolfoto

Obwohl die medizinischen Standards in kaum einem Land so einheitlich hoch sind wie in Deutschland, fallen Behandlungsergebnisse oft weit weniger gleichmäßig aus als unter diesen Umständen zu erwarten wäre. Die Gründe dafür liegen vor allem in den vielen individuellen und äußeren Faktoren, die neben der eigentlichen medizinischen Behandlung Einfluss auf das Ergebnis haben.

Um diese Faktoren in die Behandlungsplanung einbeziehen zu können, arbeitet das Centrum für Muskuloskeletale Chirurgie der Charité Universitätsmedizin Berlin mit der Patientenbegleit-App alley. Die App kommt bei der Vorbereitung zum operativen Gelenkersatz in Knie oder Hüfte zum Einsatz und gibt den behandelnden Ärzten und Physiotherapeuten „einen 360-Grad-Blick“ auf ihre Patienten.

Grundmobilität und Care Management

Neben medizinischen Daten erfasst die alley-App auch Daten, die die Patienten zu ihrer körperlichen, psychischen und sozialen Gesundheit berichten, und sie bündelt die Kommunikation zwischen Patienten, niedergelassenen Ärzten, Klinikärzten und physiotherapeutischer Nachsorge auf einer medizinischen Plattform. Die Patienten erhalten über die App auf sie zugeschnittene Informationen zu ihrem Krankheitsbild und zur OP-Vorbereitung, individuelle Übungen zum Erhalt der Grundmobilität sowie Zugang zum alley Care Management. Dahinter verbergen sich persönliche, medizinisch geschulte Betreuer, die bei Fragen rund um den Behandlungsweg oder den Krankenhausaufenthalt weiterhelfen.

Dabei bezieht die App auch soziale Gesundheitsfaktoren mit ein. In Verbindung mit patientenindividuellen Inhalten, einer Begleitung über die verschiedenen Stationen des Behandlungswegs und Anleitung zum aktiven Selbstmanagement entsteht eine ganzheitliche Perspektive auf und für die Patienten, die sich positiv auf das Behandlungsergebnis auswirken kann. Mithilfe der ally-App soll der Behandlungserfolg bei Patienten mit Hüft- und Kniearthrose systematisch erfasst und nachfolgend verbessert werden. Durch die umfassende Erhebung körperlicher, psychischer und sozialer Gesundheitsfaktoren können Risikofaktoren erkannt, Komplikationen vermieden, und die Behandlung kann bezüglich der Bedürfnisse von Patienten individuell gestaltet werden, erklärt Prof. Dr. Carsten Perka, Ärztlicher Direktor des Centrums für Muskuloskeletale Chirurgie.

Behandlungen planen und Nachsorge optimieren

Auch bleibe man somit mit den Patienten in Kontakt, und die umfassende Datengrundlage helfe dabei, Abläufe zu optimieren und die Qualität der Arbeit zu erfassen und zu verbessern. Dabei erhalten Patienten mit degenerativen Gelenkerkrankungen in Hüfte oder Knie in der Charité schon ab dem Vorgespräch Zugang zur alley-App und können mithilfe strukturierter Fragebögen ihre gesundheitsrelevanten Daten per Tablet, Smartphone oder Web-Zugang erfassen und sich auf das Anamnesegespräch vorbereiten.

Über das Dashboard als Gegenstück zur App können die behandelnden Ärzte die von den Patienten freigegebenen Gesundheitsdaten einsehen und in die Behandlungsplanung einbeziehen. Durch die Anbindung ambulanter Versorger werden zudem, Informationslücken geschlossen, die aufgrund mangelnder Schnittstellen sonst die Patient-Journey unterbrechen könnten. Dadurch kann nach einem Eingriff auch die Nachsorge, zum Beispiel physiotherapeutische Betreuung, verbessert werden.

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